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Asad Raza im Portikus Frankfurt: Wasser marsch

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Von: Sandra Danicke

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Asad Raza, „Diversion“, 2022. Foto: Diana Pfammatter
Asad Raza, „Diversion“, 2022. Foto: Diana Pfammatter © Diana Pfammatter

Wenn der Main durch den Ausstellungsraum fließt: Asad Raza im Portikus.

Die Tür steht weit auf, der Eintritt ist frei. War er immer schon, aber jetzt kann man es nicht mehr übersehen. Die Situation am Frankfurter Portikus ist so einladend wie nie. Kaum ist man drin, wird man auch schon begrüßt. Ein junger Mann strahlt einem fröhlich ins Gesicht. Er sagt, man solle ruhig die Schuhe ausziehen und hineingehen in die Kunst. Es handelt sich um Wasser. An diesem Ort, direkt am Main, ist ja alles voll davon. Bloß lief es bisher nicht direkt durch den Ausstellungsraum. Jetzt schon. Asad Raza hat eine komplexe Pumpinstallation aufbauen lassen. Sie pumpt nicht nur, sie reinigt auch und fließt vom Main hoch durch ein Kiesmattenbett im Portikus und wieder hinaus. Es sind gigantische Mengen, die jetzt von unten nach oben, vorne nach hinten rauschen.

Es schmeckt nicht schlecht

Die Installation mit dem Titel „Diversion“, also Umleitung, verursacht ein mächtiges Tosen. Sie ist erfrischend, wirkt entspannend. Man kommt miteinander ins Gespräch, wenn auch nicht unbedingt zufällig. Der Künstler hat eine Reihe von Menschen – vorwiegend Kunststudentinnen und -studenten – engagiert, die die Besucherinnen und Besucher empfangen. Sie erklären die Arbeit, überwachen das System und geben einem zu trinken. Mainwasser. Gefiltert, abgekocht, mit Orangenschalen versetzt, denn die, so erfährt man, ziehen Schwermetalle aus dem Wasser, das sich schließlich in einem Glastopf mit Kohle, Rosenquarz und anderen Steinen zur „Remineralisierung“ befindet. Der junge Mann schüttet einem eine Kelle Wasser in den Mund. Es schmeckt. Nach etwas, was man nicht genau definieren kann. Zumindest nicht schlecht.

Der Main ist nun in einem drin. Wird durch den eigenen Körper erneut transformiert und bewegt. Auf diese Weise nimmt man etwas mit. Man kann auch eine eigens produzierte Zeitung mitnehmen. Die beiden neuen Portikus-Kuratorinnen Carina Bukuts und Liberty Adrien wollen, das man etwas behalten kann von der Schau, die naturgemäß so ortsspezifisch ist, dass sie nirgendwo sonst in gleicher Weise aufgebaut werden kann. In der Zeitung stehen Geschichten zum Thema Wasser. Es geht um antike Bewässerungssysteme, um das einst mögliche Baden im Main; es gibt Gedichte über das Meer, Achtsamkeitstipps, ein Rezept für Muschelsuppe, ein Kreuzworträtsel.

Asad Raza, der 1974 in Buffalo geboren wurde, in New York studiert hat und in Berlin lebt, geht es um Interaktionen. Jene zwischen Menschen, aber auch jene zwischen Mensch und Umwelt. Im vergangenen Jahr hat er für Urbane Künste Ruhr parallel zur Ruhrtriennale die Arbeit „Absorption“ gezeigt. Da wurde aus Sand, Lehm, Kompost, aus Klärschlamm, Altpapier oder Haaren, die in der Region gesammelt wurden, Erde hergestellt.

Alte Erde wurde gefiltert, in ihre Bestandteile zerlegt, analysiert und neu zusammengemischt. Während der Ausstellungszeit wurde sie als fruchtbarer Boden an Besucherinnen und Besucher, Kleingartenvereine und soziale Einrichtungen verschenkt.

In Frankfurt trifft man sich - wie in vielen Teilen der Welt - am Wasser, jetzt also auch im Innenraum. Im Untergeschoss sieht man, wie das Wasser aus einem Rohr zurück in den Main schießt. Die Wasserschutzpolizei sei deshalb schon dagewesen, erzählen die Kuratorinnen. Und hätte erstaunt bemerkt, dass das Wasser hier gereinigt wird. Tag für Tag ein bisschen mehr.

Portikus, Frankfurt: bis 25. September. www.portikus.de

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