Peter Loewy, „Atelier Gerhard Richter“, 2001. Foto: Peter Loewy
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Peter Loewy, „Atelier Gerhard Richter“, 2001.

Fotografie

„Artists’ Studios“ von Peter Loewy in Frankfurt: Mäuschen spielen

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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„Artists’ Studios“: Peter Loewys still erzählende Fotografien von Künstlerateliers in der Frankfurter L. A. Galerie.

Wie es bei Künstlers zwar nicht unbedingt unterm Sofa, aber im nahen Lebens- und Arbeitsumfeld aussieht, hat eine gewisse Faszination für Menschen, die sich für Kunst interessieren. Die diese vielleicht auch ein wenig besser zu verstehen meinen, wenn sie wissen, ob die Autorin beim Schreiben auf Felder blickt oder an einer belebten Straße wohnt, ob der Maler ein Messi der Kleckse ist oder die Pinsel stramm stehen.

Nicht viel mehr als drei rabenschwarze Leinwandflächen auf rollbaren Staffeleien? Die Amerikanerin Vija Celmins, berühmt für ihre zart gekräuselten Wasseroberflächen und Sternenfelder, erscheint auf den ersten Blick als kühle Minimalistin. Sie hat sich in ihrem Atelier allerdings auch einen behaglichen Fensterplatz eingerichtet, draußen sind Topfpflänzchen zu sehen, auf dem Fensterbrett liegen zwei Stapel mit Zeitungen und Zeitschriften, der Stuhl – weißer Überwurf, schwarzes Kissen – könnte ein Schaukelstuhl sein.

Vija Celmins sieht man nicht auf den insgesamt vier Bildern ihres Ateliers, so wie man auch Gerhard Richter, Howard Hodgkin, Chuck Close, Elizabeth Peyton nicht sieht, andere der von dem in Frankfurt lebenden Fotografen Peter Loewy durch Blicke in ihr Atelier porträtierten Künstler. Lothar Albrechts L.A. Galerie stellt die „Artists’ Studios“ Loewys zur Zeit aus, detailreiche, aber durch die Abwesenheit von Menschen auch stille Bilder. Angenehm stille Bilder, die die Gedanken der gleichsam Mäuschen spielenden Betrachterin schweifen lassen.

Bei Yoshitomo Nara ist neben einer Tür ein Riesenbleistift zu entdecken, er zählt sich zur Gilde der Zeichner. Bei Jeff Koons gibt es zwei Nippes-Elefanten und einen „Play-Doh“-Farbkasten. Die Libanesin Etal Adnan ist Schriftstellerin wie auch Malerin, kein Wunder, dass bei ihr alle Tische voll liegen, mit Farbtuben, mit Papier. Aufgeräumt wirkt es trotzdem. Wenn man dann dank Loewy bei der Illustratorin, Designerin, Autorin Maira Kalman vorbeischaut, könnte man durchaus auf die Idee kommen, dass Künstlerinnenateliers nicht nur Arbeits-, sondern auch intensiv bewohnte Räume sind.

Hier weiß, hier farbenreich

Bei dem im Januar verstorbenen John Baldessari sah es recht nüchtern aus, aufgebockte weiße Arbeitsflächen in einem weißen Raum. An einer Wand allerdings Kleinformatiges in kräftigen Farben. Weißes bzw. Eierschalenfarbenes dominiert – logisch vielleicht – auch bei dem Keramikkünstler Edmund de Waal. Thomas Lanigan-Schmidt, der übrigens als ein Vorläufer von Jeff Koons gilt, mag es quirlig, muster- und farbenreich, ein wenig kitschig; auch seine Kunst ist so, ergibt die Recherche.

Lanigan-Schmidt ist selbst in seiner Heimat USA nicht sehr bekannt. Dass man also via Peter Loewys Fotografien neugierig wird auf den betreffenden Künstler, die betreffende Künstlerin, dass man sie prompt nachschlägt, ist nicht der schlechteste Effekt dieser feinen, komplett auch im Internet anzusehenden Ausstellung.

L. A. Galerie Frankfurt: bis 22. August. www.lagalerie.de

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