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David Claerbout, Highway Wreck, 2013 (Detail). David Claerbout
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David Claerbout, Highway Wreck, 2013 (Detail).

Fotografie

Art Foyer: Sehen, nicht denken

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
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„Synergien in der Kunst“ im Art Foyer der Frankfurter DZ Bank.

Fotografieren ist eine Sprache, um nachzudenken. Fotografieren ist keine Sprache, um nachzudenken.“ Die acht Minuten und zehn Sekunden lange Soundinstallation von Adrian Sauer namens „Fotografieren ist“ kann sich anhören, wer die Ausstellung „Win-Win. Synergien in der Kunst“ im Art Foyer der DZ Bank in Frankfurt besucht. Der Künstler hat dafür die Worte „Fotografieren ist...“ auf Google eingegeben, die automatisch generierten Vorschläge abgewandelt, verneint und anders kombiniert: „Fotografieren ist eine Sprache, um nicht nachzudenken.“

Nicht nachdenken also, erstmal schauen. Begleitet vom Rhythmus der Sätze über das Fotografieren bewegt sich die Besucherin durch die Ausstellung, auf der Suche nach Synergien. „Synergie meint das Zusammenwirken von Lebewesen, Stoffen und Kräften mit dem Ziel der gegenseitigen Förderung sowie ein daraus resultierendes gemeinsames Erfüllen von Aufgaben“, schreibt Christina Leber, Leiterin der DZ Bank Kunstsammlung im Begleitheft zur Ausstellung.

Bei Beate Gütschow gibt es eine solche: aus Fotografien und architektonischen Zeichnungen. Zunächst sticht die Fotografie ins Auge, ein weißes, kalt wirkendes Gebäude, unten ein Stück braune Erde, ein Weg mit Zäunen drum herum. Dann die Zeichnung: Kreuze, Erdhügel, Grabsteine... es ist ein Friedhofsweg! Dadurch, dass nur einzelne Ausschnitte als Foto gezeigt werden, entsteht ein großer Gegensatz zwischen den gezeigten Details. Es handelt sich um den Friedhof auf dem Gelände des ehemaligen Zellengefängnisses Lehrter Straße in Berlin. Synergie gab es auch im Prozess, denn Gütschow arbeitete sich mithilfe einer befreundeten Architektin in das Zeichenprogramm ein.

Diese und weitere Erklärungen bekommen wir jedoch nur aus dem Begleitheft, wer zum Beispiel ohne dieses zu lesen die Fotos von Helena Petersen betrachtet, erkennt die Synergie nicht. Ein Projektor zeigt Strukturen, mal sehen sie aus wie Tropfen oder Blasen, mal abgeblättert und zersprungen. Für „CINIS - Pompeji“ arbeitete die Fotografin mit dem Vulkanologen Corrado Cimarelli zusammen, erhitzte Vulkanasche aus Pompeji und fotografierte das entstandene Glas.

Über Aus- und Umsteiger

Sven Johne und der Autor Sebastian Orlanc haben für „Anomalien des frühen 21. Jahrhunderts“ ebenfalls kooperiert und gemeinsam Texte zu den 17 Portraits verfasst. Die zeigen offensichtliche und weniger offensichtliche Aus- und Umsteiger wie Edward Snowden, Marc Zuckerberg oder einen Schiffsoffizier, der plötzlich in der chinesischen Hafenstadt Shenzhen sein Containerschiff verlässt, auf der Suche nach Spiritualität.

Die Werke von Sara-Lena Maierhofer zeigen Museumsartefakte, wie etwa Holzmasken aus ethnologischen Sammlungen verschiedener deutscher Museen. Die Abbilder hat sie auf Plexiglasmodelle der jeweiligen Museen angebracht. Aus dieser Synergie von Fotografie und Modell entsteht ein Raum für Reflexion darüber, wie diese Gegenstände im kolonialen Kontext in die ethnologischen Sammlungen gelangten,

„Fotografieren ist sozial und interaktiv“ - die Sätze von Adrian Sauer verfolgen uns auch in den abgetrennten Raum, in dem Schwarz-Weiß-Fotografien von David Claerbout an die Wand projiziert werden. Wir sehen Feuerwehrmänner auf einer Straße stehen, den Blick in die Ferne. „Fotografieren ist asozial und interaktiv.“ Stau auf der Autobahn, Menschen stehen neben ihren Autos, Unfälle, Sperrungen, Pannen. „Fotografieren ist sozial und passiv.“ Ein kleiner Junge schaut in die Ferne. Was sieht er?

Am Ende ein bewegtes Bild, ein uniformierter Mann und zwei Jungen schauen ein Auto an. Es regnet und sehr langsam entfernt sich der Betrachter, am Schluss sehen wir alles von oben. „Fotografieren ist asozial und passiv.“

Art Foyer der DZ Bank , Frankfurt: bis zum 3. April.

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