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Antisemitismus-Skandal der Documenta: Schormann wehrt sich gegen Vorwürfe

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Von: Lisa Berins

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Sabine Schormann, hier Mitte Juni in Kassel.
Sabine Schormann, hier Mitte Juni in Kassel. © epd-bild/Andreas Fischer

Statement von Documenta-Generaldirektorin ruft erneut Unverständnis hervor.

Die Kritik an der Generaldirektorin der Documenta, Sabine Schormann, ist in den vergangenen Tagen schärfer geworden. Ihr wurden Versäumnisse im Umgang mit der Aufklärung des Antisemitismus-Skandals vorgeworfen. Am Dienstagabend hat sie nun eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie ihr Vorgehen seit den ersten Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Documenta verteidigt und Anschuldigungen gegen sich zurückweist. Ihr Statement wurde am Mittwoch durchaus kritisch aufgenommen. Meron Mendel, der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, der sich am Freitag von seinem Engagement als Documenta-Berater zurückgezogen hatte, spricht von einer „Verdrehung der Tatsachen“.

In ihrem Statement wehrt sich Schormann gegen den Vorwurf der Untätigkeit: Sie betont, dass sie nach Bekanntwerden der antisemitischen Bildmotive in einem Banner des indonesischen Kollektivs Taring Padi „umgehend gehandelt“ habe. Unter anderem sollte, koordiniert durch das Documenta-Archiv, geprüft werden, ob „weitere antisemitische Inhalte vorhanden“ seien. Dazu sei ein Berater-Netzwerk, darunter „renommierte Fachwissenschaftlerinnen“ ins Leben gerufen worden, die den Beteiligten mit ihrer Expertise zur Seite stünden. Außerdem seien die „in den Fokus geratenen Werke“, auch „People’s Justice“, strafrechtlich geprüft worden. Eine Strafbarkeit gebe es nicht.

Schon seit Januar, als erstmals Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Documenta kursierten, habe es Gespräche mit dem Kuratorenkollektiv Ruangrupa gegeben. Schon damals hätten Ruangrupa sowie Künstlerinnen und Künstler Zensur befürchtet und deshalb ein externes Expertengremium abgelehnt, hieß es in Schormanns Stellungnahme. Eine neuerlich erhobene Forderung von „Teilen der Medien und Politik“ nach einem externen Expertengremium habe dann zu Unstimmigkeiten und letztlich auch zu dem Rückzug von Meron Mendel geführt, so Schormann.

Meron Mendel hatte im Juni seine Hilfe bei der Prüfung und Beurteilung der Werke auf der Documenta angeboten. Am vergangenen Freitag machte er aber seinen Rückzug bekannt. Seine Begründung: Es habe zwei Wochen lang keinen Kontakt zu Schormann gegeben, ihm seien keine Werke vorgelegt worden, er habe den Eindruck, es werde auf Zeit gespielt und es gebe kein Interesse an einer wirklichen Aufarbeitung. Auch habe sich die Documentaleitung geweigert, Ruangrupa zur Podiumsdiskussion „Antisemitismus in der Kunst“ Ende Juni einzuladen, was aus Mendels Sicht aber notwendig gewesen wäre.

Die Generaldirektorin verweist in ihrem Statement indes auf einen ständigen Kontakt zwischen Mendel und dem Documenta-Archiv, das im Sinne der Geschäftsführung agiert habe. „Die Einladung von Ruangrupa zu der Podiumsdiskussion haben weder ich noch andere Mitglieder der Documenta verhindern wollen – ganz im Gegenteil: Wir haben diese Einladung aus freien Stücken selbst ausgesprochen, und Ruangrupa ist dieser auch unmittelbar nachgekommen.“

Am Mittwoch nahm Meron Mendel diese Äußerung „mit Verwunderung zur Kenntnis“, wie er der FR sagte. Er spricht von „falschen Aussagen“, die Schormann tätige. Entgegen Schormanns Darstellung beharrt er auf seiner Sichtweise: Immer wieder sei seine Bitte, das Kuratorenteam einzuladen „mit diversen Erklärungen abgelehnt“ worden. Erst als er klargestellt habe, dass es keine Diskussion ohne eine Einladung Ruangrupas geben würde, hätte das Documenta-Archiv einer Einladung zugestimmt. Als Mendel zwei Tage später mit einem Mitglied Ruangrupas telefonierte, habe der Künstler aber von nichts gewusst.

Auch eine weitere Äußerung Schormanns sei irritierend: In ihrer Stellungnahme erwähnt sie ein Interview, das Meron Mendel der FR und der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) gegeben hat, und in dem Mendel eine Entfernung von Kunstwerken oder die Ausladung von Personen im schlimmsten Fall als möglich betrachtete. Dies sei von Ruangrupa, Künstlerinnen und Künstlern „als (Selbst-)Zensur“ verstanden worden, heißt es in Schormanns Stellungnahme.

In dem Zeitungsinterview habe er lediglich das Vorgehen erwähnt, das die Documentaleitung selbst – unter anderem in einer öffentlichen Pressemitteilung nachzulesen – vorgegeben habe, entgegnet Mendel. „Es ist sehr bedauerlich, dass Frau Schormann die Tatsachen verdreht. Ich erwarte, dass sie dies öffentlich richtigstellt.“

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