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documenta fifteen: Antisemitismus-Kritik der Gesellschafter

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Von: Judith von Sternburg

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Im Fenster des Ruru-Hauses auf der documenta fifteen: Eine Erklärung der Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH in Englisch und Deutsch zum Umgang mit antisemitisch kritisierten Kunstwerken.
Im Fenster des Ruru-Hauses auf der documenta fifteen: Eine Erklärung der Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH in Englisch und Deutsch zum Umgang mit antisemitisch kritisierten Kunstwerken. © Uwe Zucchi/dpa

Die Gesellschafter der documenta fifteen haben zum Ende der Kunstausstellung in Kassel eine weitere Erklärung zu den Antisemitismus-Vorwürfen abgegeben.

Das konnten sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen, darum endet die Documenta-politisch verheerende vorletzte Woche der Ausstellung mit einer weiteren „Erklärung“. Der Aufsichtsrat und die Gesellschafter der Documenta und Museum Fridericianum gGmbH – das Land Hessen und die Stadt Kassel, im Aufsichtsrat vertreten durch die hessische Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) und den Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) – haben sich dafür noch einmal zusammengetan.

Am Freitagnachmittag (16. September) sprachen sie sich schriftlich erneut dafür aus, dem von ihnen eingesetzten Fachgremium zur Prüfung der Antisemitismus-Vorwürfe zu folgen und die Vorführungen des „Tokyo Reels Film Festivals“ zu stoppen – „mindestens bis eine angemessene Kontextualisierung vorgenommen wurde“. Die aktuelle Kommentierung des pro-palästinensischen Propagandamaterials sei „dazu nicht geeignet“. Eine Woche ist es her, dass das Fachgremium unter dem Vorsitz der Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff das besonnen begründet hatte.

documenta fifteen: Gesellschafter-Erklärung mit Bitte an Ruangrupa

In der Gesellschafter-Erklärung heißt es nun weiter: „Die Freiheit der Kunst ist ein hohes Gut und die exklusive künstlerische Verantwortung der documenta fifteen liegt bei ruangrupa. Die Kuratorinnen und Kuratoren weigern sich jedoch, die damit verbundene Verantwortung wahrzunehmen oder in eine selbstkritische Reflexion der Ereignisse zu gehen.“ Die Gesellschafter „bitten“ Ruangrupa (noch einmal) darum, eine Kontextualisierung in der Schau vorzunehmen. „Alternativ behalten sich die Gesellschafter vor, diese Informationen außerhalb der Ausstellungsräume im Öffentlichen Raum am Zugang zu den Vorführungsorten (...) zur Verfügung zu stellen.“ Die Vertreterinnen und Vertreter des Landes Hessen und der Stadt Kassel mit einer stillen Aufklärungsaktion vor den Türen der Documenta? Es muss ihnen klar sein, wie folgenreich das für die Verantwortungsstruktur künftiger Documenta-Ausgaben sein wird.

Kaum ein Tag in dieser Woche, der dem Papier des Deitelhoff-Gremiums nicht recht gegeben hätte: Ruangrupa ohne (bekannt gewordene) inhaltliche Reaktion, stattdessen inzwischen in recht aggressiver Abwehr; die Documenta als Organisationsform hilf- und machtlos. Gerade weil das nur ein Segment der großen Schau ist, ist es eine Katastrophe.

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