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Annie Leibovitz.

Geburtstag

Annie Leibovitz: Zwischen Glamour und herber Realität

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Die große Fotografin Annie Leibovitz wird 70.

Wieviel Intimität und Nähe muss eine Fotografin aushalten für ein solches Bild? John Lennon schmiegt sich nackt, gleichsam in embryonaler Haltung, an Yoko Ono. Das Foto nahm Annie Leibovitz wenige Stunden vor dem Tod des Ex-Beatles nach dem Attentat am 8. Dezember 1980 auf. Es kam auf die Titelseite des Magazins „Rolling Stone“ – wurde zur Ikone der Popkultur.

Die amerikanische Fotografin, die am Mttwoch ihren 70. feiert, verkörpert mit ihren Aufnahmen berühmter Leute schlechthin die Ikonografie all dessen, was das popkulturelle kollektive Bildergedächtnis seit den 70er Jahren bestimmt. Die einer jüdischen Großfamilie aus Connecticut Entstammende gelangte nach dem Kunststudium eher zufällig zum „Rolling Stone“, ging dort, nach Selbstauskunft damals „ein scheues Greenhorn“, in eine knallharte Schule bei Tom Wolfe und Hunter S. Thompson. 13 Jahre später und längst berühmt, wechselte sie zu „Vanity Fair“, arbeitet für das Magazin bis heute ebenso für „Vogue“.

Ihre Promi-Porträts sind speziell: eigensinnig schön, provozierend feministisch: Demi Moore nackt und hochschwanger, Bette Midler unter Rosen vergraben, Whoopi Goldberg in einer Badewanne voller Milch. Und die Geliebte, die Philosophin und Feministin Susan Sontag, zeigt sie immer mit der charismatischen weißen Haarsträhne am Stirnwirbel.

Auch Leibovitz ist inzwischen ergraut. Sie gilt in der Welt der Fotografie als Maßstab und von ihr fotografiert zu werden noch immer als Ritterschlag. Alle ihre inszenierten „Miniaturdramen“ von Frauen und Männern aus Kunst und Kultur, all die Politik- und Sport-Persönlichkeiten geben zunächst ein Bild von Menschen in ihrer öffentlichen Rolle. Aber das Besondere, das Raffinierte: Leibovitz maskiert und enthüllt zugleich zwischen Glamour und herber Realität. Und: Sie lädt mit ihrer Kamera das Phänomen Ruhm mit feinironischem Mythos auf.

Leibovitz’ 2006 erschienener Bildband „A Photographer’s Life“ wurde zur Autobiografie in Bildern, ist Werkverzeichnis, Tagebuch, Familienalbum in einem. 2001 hatte sie im Alter von 51 Jahren nach einer Samenspende bereits ihre erste Tochter Sarah auf die Welt gebracht. Nur drei Jahre später starb ihre Lebensgefährtin Susan Sontag an Krebs, bald darauf auch ihr Vater. Leibovitz stürzte in eine schwere Krise, verlor die Übersicht über ihre Finanzen.

Aber sie gewann wieder die Oberhand, erneut ganz auf ihre eigensinnige, nunmehr kontrollierte Weise: Sie bekam mit Hilfe einer Leihmutter Zwillinge, sie heißen, nach den Verstorbenen: Susan und Samuelle.

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