1. Startseite
  2. Kultur
  3. Kunst

Ana Prvacki im Gropius-Bau: Das rätselhafte Leben der Bienen

Erstellt:

Von: Ingeborg Ruthe

Kommentare

Ana Prvacki, „Apis Gropius“, 2022, gestaltet von NEEEU. Foto: Ana Prvacki
Ana Prvacki, „Apis Gropius“, 2022, gestaltet von NEEEU. Foto: Ana Prvacki © Ana Prvacki

Ana Prvacki ist Residenz-Künstlerin im Berliner Gropius-Bau. Sie „porträtiert“ eine fiktive Bienenart.

Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“ Die Mahnung stammt von Albert Einstein.

Ana Prvacki aus Serbien interessiert sich schon lange für die bedrohte Spezies. Für ihre Art-in-Residence-Arbeit im Gropius-Bau, dem Ausstellungshaus der Berliner Festspiele, erfand die 46-Jährige eine fiktive Bienenart, die im Grünen hinterm Museum leben soll. „Apis Gropius“ ist ihr Name und wir lernen sie kennen per App mit QR-Code im Lichthof des Museums. Prvacki sagt, „Bienen sind unsere Gastgeberinnen auf diesem Planeten und wir sind von ihrer Bestäubung total abhängig.“

„Apis Gropius“ ist ein Prachtexemplar, ein kräftiges, emsiges, fleißiges Lieschen. Und ein Gemeinschaftswesen. Nachdem sie aus ihrem Kokon geschlüpft ist, lebt sie bis zu vier Wochen, da ist eine (Arbeits-)Biene schon alt. Aber nix mit Rente; im Alter erst fliegt sie zum Bestäuben der Flora von Kreuzberg/Mitte aus. Davor arbeitet sie, so ist es bestimmt im Reich der allmächtigen Bienenkönigin, im Stock als deren Ammenbiene und beim „Wachschutz“ des Bienenstockes.

Seit Kriegsende ist sie hier

Prvacki geht in ihrem Film auch auf die Geschichte des Ortes ein: Seit Kriegsende lebt und bestäubt, das erzählt die fiktive digitale Handlung, die „Apis Gropius“ hinter den damals zerstörten wiederaufgebauten Mauern des Gründerzeitgebäudes die Pflanzenwelt. Es sind vor allem Sonnenhutpflanzen (Echinacea). Im Video beobachten wir Schwarmbewegungen. Prvacki stellt sogar Parallelen vom Bienen-Leben zum Alltag der Menschen her. Sie erzählt ihre fiktive Geschichte der „Apis Gropius“ mit spielerischem Humor und viel Poesie. Aber in jeder der 20 Minuten des Films wird auch deutlich, dass alles, was die für die Hauptrolle „auserwählte“ Honigbiene tut, auf wissenschaftlichen und taxonomischen Forschungen über Bienen und Botanik beruht.

2012 war Prvacki Teilnehmerin in der Documenta 13. Ihre Installation war unsichtbar, weil ideell. Sie versuchte, in Kassel ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das täglich wirkt, aber nicht auffällt. Thema: soziale Kompetenz, international unter dem altmodischen Wort „Etikette“ bekannt. Sie nannte ihre Arbeit „Das Begrüßungs-Komitee“, mit dem Ziel, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Documenta 13 bereits im Vorfeld persönlich zu schulen. Wäre das Desaster mit dem antisemitischen Banner zu vermeiden gewesen, hätte man die Künstlerin beizeiten auch zur documenta fifteen eingeladen?

Gropius-Bau, Berlin: Lichthof, Bildschirm mit App/QR-Code frei zugänglich, es gibt Kopfhörer. www.berlinerfestspiele.de

Ana Prvacki mit echten Bienen. Foto: Ksenia Jacobson
Ana Prvacki mit echten Bienen. Foto: Ksenia Jacobson © Ksenia Jacobson

Auch interessant

Kommentare