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Kunst

Allein mit der Kunst in einem Raum

„One to one“ in den Kunst-Werken für eine entschleunigte Kunstbetrachtung, meist in Einzelkabinen, ohne Aufsichtspersonal und ohne Überwachungskameras. Kunst ist zwar immer individuell erfahrbar, hier wirft sie den einzelnen aber ganz auf sich zurück.

Von Irmgard Berner

An den Knäufen der weißen Türen hängen schwarze Schilder, und suggerieren: Nicht eintreten! Bitte nicht stören! Man kennt das und steht Schlange – für die Kunst. Nicht wegen der durchzuschleusenden Menschenmassen wie in Mega-Museumsschauen, sondern weil das Werk an sich hinter der jeweiligen Tür verschlossen ist, ganz exklusiv, und nur für den ungestörten Betrachter existiert.

„One on One“ titelt diese Ausstellung in den Kunst-Werken für eine entschleunigte Kunstbetrachtung, zumeist in Einzelkabinen, im Eins zu Eins mit der Kunst, so ganz allein, ohne Aufsichtspersonal und ohne Überwachungskameras.

Was aber passiert, wenn man dann ungestört und unkontrolliert in einem der Räume dem Kunstwerk faktisch ausgeliefert ist, kann man in der großen Halle im Erdgeschoss erfahren. Dort verlaufen beim Betreten die Spuren des einsamen Betrachters im Sand – vorausgesetzt man hat das kleine, dem Begleitheft beigefügte schwarze Schild außen an den Türknauf gehängt. Im Sand, den Robert Kusmirowski rund um einen saftig grünen Hügel geschüttet hat.

Abgeschottet von der Welt draußen versinken die Schritte in der Landschaft. Der Hügel lädt zur Besteigung ein, idyllisch – und erschreckend trügerisch. Seine Rückseite ist zerfetzt, ein klaffend Loch, ein Massengrab, ein Schock.

Virtuelle Kartoffel

Die „Lichtung“ von Kusmirowski ist eine der radikalsten Gesten in dieser Ausstellung, für die Kuratorin Susanne Pfeffer in drei der vier KW-Etagen weiße begehbare Schauboxen bauen ließ. Die verschieden großen Kabinette sind von je einem Künstler mit oft ironischem Inhalt gefüllt. Nur das dunkle Dachgeschoss hat die Amerikanerin Trisha Donnelly für eines ihrer obskuren Objekte allein: ein gebrochenes Fenster, das Rätsel über diesen Ort aufgibt, ihn ephemer und zeichenhaft aber zugleich definiert.

17 Künstler besiedeln die Flächen, darunter Blinky Palermo oder Yoko Ono, die per weißem, frei stehendem Fernsprechapparat – ein Exemplar von 1971 – direkt aus dem fernen Amerika in die Ausstellungshalle anruft. Glücklich darf sich schätzen, wer gerade daneben steht, den Hörer abhebt und sodann ihre Stimme vernehmen kann.

Kunst ist zwar immer individuell erfahrbar, hier wirft sie den einzelnen aber ganz auf sich zurück. So auch die zwei Klavierspieler, die die junge Annika Kahrs in eine Box hineininszeniert hat. Sie hören auf zu spielen, sobald man, angelockt von der Musik, ihr Zimmer betritt. „Wir können nicht weiterspielen, solange Sie hier drin sind“, sagen sie. Betreten schleicht man hinaus, flieht in die nächste Etage, in ein unbesetztes Kabinett. Hier warten ein gemütlich weicher Flokatiteppich, schummriges Licht und ein Kamin-Bildschirm: Nina Beiers Animation „Potato Potato“. Man ist in den Anblick einer virtuellen Kartoffel versunken, da reißt jemand die Tür auf und fragt nach einem „schwarzen Schild?“ Das wurde also nichts mit der wohligen Kontemplation.

Kunst-Werke, Auguststr. 69 (Mitte). Di–So 12–19/ Do 12–21 Uhr. Bis 20. Januar 2013

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