+
Öffentliche Trinkwasserbrunnen in Kuwait waren das Vorbild.

Portikus Frankfurt

Alia Farid im Portikus

  • schließen

Die kuwaitisch-puertoricanische Künstlerin präsentiert enorme Skulpturen und ein existenzielles Thema im Frankfurter Portikus.

Es ist nicht ganz klar, was man zuerst wahrnimmt. Sind es die opulenten skulpturalen Formen, die sich im Raum behaupten? Oder ist es das, was sie darstellen: überdimensionierte Behälter zur Aufbewahrung von Wasser. Betritt man derzeit den Portikus in Frankfurt, stößt man auf fünf linear aufgereihte Fiberglas-Objekte, die einmal längs durch den Raum führen.

Alia Farid hat sie in Gussformen zur Herstellung öffentlicher Trinkwasserbrunnen in Kuwait gießen lassen. Und weil man das kaum glauben kann, weil die Formen dieser Brunnen so ungewöhnlich sind, schaut man schnell mal bei Google nach: Tatsächlich. Trinkwasserbrunnen in Kuwait sind höchst eigenwillig gestaltet. Sie sehen aus wie Amphoren, Fernsehtürme, Laternen. Die Brunnen sind farbig bemalt und prägen mittlerweile das Stadtbild im Persischen Golf. Oft findet man sie vor privaten Anwesen, von deren Besitzern sie gespendet wurden.

Passend für eine Flussinsel

Die Beispiele, die die kuwaitisch-puertoricanische Künstlerin, die 1985 in Kuwait geboren wurde, teilweise in Puerto-Rico aufwuchs und abwechselnd in beiden Ländern lebt, im Portikus zeigt, haben alle eine Verbindung zum Thema Wasser. Eines hat die Form eines Wasserspeichers, eines sieht aus wie eine gigantische Plastikflasche, eines wie ein traditioneller Tonkrug. Das passt natürlich zum Standort des Portikus’ auf einer Insel. Die zwei Flussarme erinnerten Alia Farid an den Shatt al-Arab, erzählt die Kuratorin Christina Lehnert, jenen Fluss, der im Irak beim Zusammenfluss von Euphrat und Tigris entsteht.

Die Ausstellung, so Lehnert, bilde den Auftakt eines Rechercheprojekts, für das die entscheidenden wirtschaftlichen Faktoren für die Ausbeutung natürlicher Ressourcen untersucht werden sollen. „In Lieu of What Was“ – so der Titel der Ausstellung – verweist darauf, wie Wasser als politisches Druckmittel eingesetzt wird. Etwa bei der Trockenlegung der Sumpfgebiete im südlichen Irak durch Saddam Hussein Anfang der neunziger Jahre, als eine einzigartige Wasserwelt voller Tiere und Schilfwälder mitten in der Wüste zu verdorren drohte.

Offiziell hieß es, der Boden solle für die Landwirtschaft genutzt werden, weshalb das Militär anrückte, Kanäle aushob und Deiche aufschüttete, die das Wasser direkt in den Golf leiteten. Das Ganze war in Wahrheit ein Angriff auf die Mandan, auch Marsh Arabs genannt, ein Fischervolk, das hier seit Jahrtausenden im Sumpfgebiet lebte. Nachdem sie jedoch den Aufstand der Schiiten gegen den Diktator unterstützt hatten, rächte sich dieser bitter, die Menschen mussten fliehen. Innerhalb weniger Jahre war der Sumpf auf weniger als zehn Prozent seiner ursprünglichen Fläche geschrumpft. Die Vereinten Nationen beklagten die Zerstörung des Sumpfes 2001 in einem Bericht als „eine der größten Umweltkatastrophen der Welt“.

Der Ausstellung sind solche Bezüge naturgemäß nicht unmittelbar anzusehen. Das Rechercheprojekt Alia Farids hat – wie erwähnt – ja auch gerade erst begonnen. Doch die Skulpturen überzeugen auch so: durch ihre Merkwürdigkeit, ihre Volumina, ihr Material, das an Skulpturen der Sechziger von Eva Hesse oder Bruce Nauman erinnert. Und weil man ahnt, dass das Thema Wasser existentiell ist, eines, das an Dringlichkeit Jahr für Jahr zunimmt.

Die Ausstellung

Portikus Frankfurt: bis 8. September. www.portikus.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion