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Trotz Krise ist der reale Schwarzenegger nicht so lädiert.
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Trotz Krise ist der reale Schwarzenegger nicht so lädiert.

Cebit

Krise im Golden State

Arnold Schwarzenegger eröffnet die Cebit 2009. Für den "Governator" ist das eine willkommene Atempause von all den Krisen in seinem einst so goldenen amerikanischen Staat Kalifornien. Von Rita Neubauer

Von RITA NEUBAUER

San Francisco. Keiner wollte sich die Chance auf ein Foto mit Arnold Schwarzenegger entgehen lassen: Erst empfing ihn Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD), eine halbe Stunde später Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Dann fuhr der Gouverneur von Kalifornien zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Heute spazieren sie gemeinsam zur offiziellen Eröffnung über die Cebit.

Auf der weltgrößten Computermesse wird Schwarzenegger für sein Engagement in der Umweltpolitik ausgezeichnet. Eine willkommene Abwechslung für den "Governator", der zu Hause immer mehr zum Sachverwalter der Krisen wird.

Jahrzehntelang stand Kalifornien für Amerikas Stärke - in der Technologie wie in der Innovationsfreude, in der Agrarwirtschaft wie in der künstlerischen Kreativität. "The Golden State" war nicht nur ein PR-Label. Verschont von Krisen blieb der Staat zwar nicht, sie dauerten aber nie allzu lange. Kalifornien erfand sich einfach neu - zuletzt als das Ende des Kalten Krieges tausende Jobs in der Verteidigungsindustrie zerstörte.

Doch etwas ging schief in den vergangenen 15 Jahren. Mit über zehn Prozent hat der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat aktuell eine der höchsten Arbeitslosenquoten im Land - vergleichbar mit dem schwächelnden Michigan. Die Immobilienblase platzte früher und mit einem lauteren Knall als in anderen Regionen. Mit dem Ende der "Bubble"-Ökonomie versiegten auch die sprudelnden Steuerquellen.

Anders als das Ende des Internet-Booms und der Dotcom-Blase vor acht Jahren hat die Immobilienkrise nicht nur Auswirkungen auf das Silicon Valley, die Bay Area um San Francisco und San Diego. Sie erwischte den gesamten Staat, die Mittel- und die Oberschicht. Über Jahre hatten Spekulationen mit Wohneigentum die Wirtschaft am Laufen gehalten. Fast die Hälfte aller neuen Jobs war in der Bauwirtschaft, bei Immobilienmaklern und bei der Kreditvergabe entstanden.

Nun ist die Ratlosigkeit groß. Auch Politiker haben keine Antworten. Drei Monate lang stritten sich die Abgeordnete darüber, wie ein 42-Milliarden-Dollar-Loch im Haushalt zu stopfen sei. Gouverneur Schwarzenegger platzte mehrmals der Kragen. Er beschimpfte Parteifreunde als "mathematische Analphabeten". Öffentliche Bedienstete wurden zur Kurzarbeit verdonnert. Steuererstattungen auf später verschoben. An der Börse zählen kalifornische Anleihen inzwischen zu den riskantesten Staatspapieren.

All dies ist ein Schock für die Bürger eines Bundeslandes, das die achtstärkste Volkswirtschaft der Welt ist. Kein Wunder, dass Firmen ob der hohen Steuern und Bürger ob der hohen Lebenshaltungskosten Kalifornien verlassen. Die Abwanderung, so notieren Zyniker, wäre noch größer, wenn die Leute ihre Häuser verkaufen könnten. Viele werden zu Gefangenen ihrer Hypotheken.

Selbst im Silicon Valley - dem gelobten Land für viele auf der Cebit - hinterlässt die Krise Spuren. Beobachter fragen gar, ob das Hightech-Mekka seine Magie verloren habe. Laut der vor kurzem veröffentlichten Studie "Silicon Valley Index" sanken die Zahl der Jobs, das Durchschnittseinkommen und die Hauspreise. Zudem fließt Risikokapital spärlicher. 7,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Startups fehlt die Anschubfinanzierung. Unternehmer kämpfen - mitunter vergeblich - um eine weitere Finanzierungsrunde. Eine Konkurswelle schwappt durch das Silicon Valley. Einer der wenigen Hoffnungsschimmer ist "Clean Tech". Investitionen in saubere und erneuerbare Technologien wie Solaranlagen schnellten um mehr als 90 Prozent hoch.

Zum ökonomischen Übel kommt in Kalifornien noch eine seit drei Jahren anhaltende Dürre dazu. Schwarzenegger rief in der vergangenen Woche den Wassernotstand aus. Die 38 Millionen Bürger sollen ihren Wasserverbrauch um ein Fünftel senken. Besonders hart trifft das die Landwirtschaft. Viele Bauern müssen bereits ihre Felder brach liegen lassen, tausende von Landarbeitern werden arbeitslos.

Schwarzenegger, 2003 angetreten den "Saustall auszumisten", scheint immer mehr nur Getriebener der Krisen zu sein. Jahrelang manövrierte er geschickt durch verschiedene Malaisen, mühte sich als moderater Brückenbauer zwischen Republikanern und Demokraten und ließ sich als Öko-Held feiern. Die letzten zwei Jahre seiner Amtszeit werden nun vom Niedergang überschattet.

Denn dass sich Kalifornien wie mehrfach in der Vergangenheit schnell und aus eigener Kraft aus dem Morast zieht, glauben nur ganz große Optimisten. Realisten setzen auf das Konjunkturprogramm aus Washington. 80 Milliarden Dollar sollen in den nächsten Monaten in den so gebeutelten Bundesstaat fließen.

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