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US-Schauspieler John Travolta als Podiumsgast in Riad.
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US-Schauspieler John Travolta als Podiumsgast in Riad.

Kino in Saudi-Arabien

Kreative zwischen Hoffnung und Skepsis

  • Martin Gehlen
    VonMartin Gehlen
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Internationale Blockbuster oder preisgekrönte Spielfilme konnten Saudis bisher nur daheim auf TV-Schirmen oder am Computer sehen. Nach 35 Jahren lässt Saudi-Arabien wieder Kinos zu.

Kein Platz war mehr frei im Apex-Convention-Center in Riad. 2000 Fans, alles Männer, wie in dem erzkonservativen Königreich üblich, lauschten gebannt ihrem Kino-Idol John Travolta, als dieser sie in „die Geheimnisse von Hollywood“ einweihte. „Kreativität und Träume sind frei, ihr müsst für eure Träume kämpfen und nicht aufgeben“, umgarnte der US-amerikanische Star am Ende sein junges Publikum. Die Entscheidung von Kronprinz Mohammed bin Salman, nach 35 Jahren wieder Kinos zu erlauben, pries Travolta als „den Beginn einer neuen Ära“.

Seitdem beherrscht das jüngste Reformkapitel der königlichen Vision 2030 auch die Debatten der kleinen Schar von Künstlern, Schauspielern und Regisseuren, die zwischen Zuversicht und Skepsis schwanken. Er hoffe, dadurch werde ein neues Ökosystem für einheimische Filmemacher entstehen, erklärte Ahmed Mater, der zu den international bekanntesten Künstlern Saudi-Arabiens zählt. Die neuen Kinos aber müssten ein breites Spektrum von Arbeiten zulassen, experimentelle und kommerzielle, und nicht nur Hollywood- Blockbuster. Andere wie der Designer Ahmad Angawi dagegen befürchten eine strenge Zensur und ein sehr beschränktes Angebot. Denn das zuständige Kulturministerium ließ bereits wissen, es dürften nur solche Filme gezeigt werden, die der islamischen Scharia entsprechen. „Der Inhalt der Filme durchläuft eine Zensur, die der Medienpolitik des Königreiches entspricht“, hieß es in der offiziellen Mitteilung. Was das in der Praxis bedeutet, kann noch niemand sagen.

Eines jedoch ist sicher. Das Jahrzehnt von „Cinema 500 Km“ ist mit dem Königsdekret vorbei. Damals erzählte Regisseur Abdullah al-Eyaf die Geschichte eines 21-jährigen saudischen Filmenthusiasten, der sich zum ersten Mal in seinem Leben auf die Reise in ein anderes Land macht, nach Bahrain, nur um ein echtes Kino besuchen zu können. 300 Spielstätten mit 2000 Sälen soll es bis 2030 geben. Die großen Movietheater-Konzerne laufen sich bereits warm. AMC Entertainment schloss ein Kooperationsabkommen mit dem staatlichen Investitionsfonds. Gleiches plant VOX Cinemas, welches von Dubai aus das Kinogeschäft in der Golfregion beherrscht.

Internationale Blockbuster oder preisgekrönte Spielfilme konnten Saudis bisher nur daheim auf TV-Schirmen oder am Computer sehen. Reiche Familien besitzen auch private Bühnen, wo sie regelmäßig mit Freunden und Bekannten Kinoabende veranstalten. Denn gerade die Älteren erinnern sich noch an die Zeiten, als es in allen größeren Städten Lichtspielhäuser gab, 30 davon allein in der verhältnismäßig liberalen Hafenstadt Jeddah.

Selbst die viel konservativere Hauptstadt Riad besaß im Al-Murabba-Viertel eine kleine Kinomeile. Als im November 1979 jedoch 500 radikale Islamisten die Moschee von Mekka besetzten und tausende Pilger zu Geiseln nahmen, vollzog das Königshaus eine schicksalsschwere Wende. Es exekutierte die Täter und händigte der erzkonservativen Geistlichkeit die Kontrolle über Kultur und Erziehung aus. Alle Kinos mussten schließen und mit ihnen verschwand auch die kleine saudische Filmbranche, die erst 2013 mit „Wadjda“ der Regisseurin Haifaa al-Mansour und dem ebenfalls für einen Oscar nominierten Liebesfilm „Barakah Meets Barakah“ von Mahmoud Sabbagh wieder von sich reden machte. Etwas breiter ist die Szene der Kurzfilmer, die sich in den letzten vier Jahren auf einem eigenen Festival in Dhahran im Osten traf.

„Ein herrlicher Tag für Saudi-Arabien“, twitterte Regisseurin Haifaa al-Mansour. „Gratulation für die Generation 2030“, sekundierte ihr der Filmemacher Aymen Tarek Jamal. „Nun werden unsere jungen Frauen und Männer bald der Welt zeigen, was für interessante Geschichten es von uns zu sehen gibt.“

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