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Anders als Menschen sind Fische im Schwarm vorsichtiger als alleine.

Times Mager

Lernen von Fischen

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Während wir Menschen uns selten um Differenzierung bemühen, blicken Spritzfisch, Bambushai und Co. wacher auf die Welt als bisher angenommen.

Die allermeisten Menschen können eine Regenbogenforelle nicht von einer Bachforelle unterscheiden. Oder einen Zwerg-Laternenhai von einem Zylindrischen Laternenhai, dabei ist es einfach nur so: Letzterer stellt seine Laterne gern unter einen, äh, Zylinder. Noch weniger können sie erkennen, welcher Rollmops von Hering A stammt (A wie Arthur von Hohenflosse) und welcher von Hering B (Bartholomäus von Schuppenflechte). Nun könnten die allermeisten Menschen sagen: Wozu soll ich lernen, einen Fisch von einem anderen zu unterscheiden? Hauptsache ich weiß, welcher mir schmeckt.

Nun, der Schützenfisch oder Spritzfisch (Toxotes jaculatrix), dem Barsch verwandt, wird nicht nur bis zu zwölf Jahre alt, er kann auch lernen, menschliche Gesichter voneinander zu unterscheiden. (Man hat ihn freilich nicht gefragt, ob er seine Lebenszeit wirklich auf alberne Wiedererkennungsspielchen verschwenden will, statt ein paar Hunderttausend mehr Spritzfischchen in die Welt zu setzen.)

Dass Toxotes jaculatrix diverse Insekten erkennen kann, ist klar, da er diese mit einem gezielten Wasserstrahl in selbiges spült, um sie zu fressen. Nun haben Wissenschaftler Exemplare des Fisches darauf trainiert, dreidimensionale Menschengesichter zu unterscheiden. Die Fähigkeit der Tiere, das Gesicht anzuspucken, für dessen Auswahl sie dann ein Leckerli erhielten, entsprach ungefähr der bei Menschen und anderen Primaten beobachteten (wir sprechen von der Fähigkeit des Wiedererkennens, nicht des Spuckens). Und das sogar dann, wenn die Forscher das Gesicht um 30, 60 oder 90 Grad drehten.

Indessen hat man an der Universität Bonn herausgefunden, dass Haie, jedenfalls Bambushaie, eine Vorstellung von Mengen und Zahlen haben, selbst wenn es nicht um drei Flundern versus dreitausend Flundern geht, sondern um geometrische Objekte, die schwer im Magen liegen, wenn man sie runterschluckt. Kois können außerdem lernen, Musikgenres zu unterscheiden und dann zum Beispiel Beethoven oder Bach selbstständig der Klassik zuordnen und vor Capital Bra warnen. Und schließlich: Fische, die darauf trainiert sind, einem Roboter-Fisch nachzuschwimmen, werden diesem umso seltener in gefährliche Situationen folgen, je größer der Schwarm ist.

PS: Letzteres gilt für die Menschheit im Allgemeinen und Amerikaner und Briten im Besonderen definitiv nicht.

PPS: Das Times mager möchte versichern, dass für diese Kolumne kein Tier zu Schaden kam.

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