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Kokoroko „Could We Be More“: Da passiert etwas

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Von: Stefan Michalzik

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Die acht von Kokoroko. Foto: Vicky Grout
Die acht von Kokoroko. Foto: Vicky Grout © Vicky Grout

Süffige Musik, simple Texte: Das Londoner Oktett Kokoroko mit seinem Debüt „Could We Be More“.

Lange Zeit, so Sheila Maurice-Grey, Trompeterin, Sängerin und Leaderin von Kokoroko in einem Interview, sei das Publikum des Londoner Oktetts in fortgeschrittenem Alter gewesen und aus der weißen Mittel- und Oberschicht gekommen. Nichts gegen diese Leute, das Ziel jedoch war, junge Menschen zu erreichen, die „so aussehen wie wir“. Die Jazzszene teilt sich seit einem guten Jahrzehnt in einen klassischen Zweig, in dem kein Mangel an nachwachsenden jungen Musikern ist, das Publikum jedoch fast durchweg aus Grauschöpfen besteht – und auf der anderen Seite sind da die aus London wie auch den USA kommenden jungen popaffinen Jazzhipster – die ein ebensolches, junges Publikum erreichen.

Live unterwegs mit Erfolg

In den vergangenen Jahren machten Kokoroko auf den großen europäischen Festivalbühnen, bei Glastonbury, Meltdown und auch Elbjazz, bereits Furore, nun erst liegt ihr schon vor zwei Jahren eingespieltes, der unterbundenen Tourmöglichkeiten wegen aber zurückgehaltenes Debütalbum „Could We Be More“ vor, erschienen auf Brownswood Recordings, dem Label der Acid-Jazz-DJ-Legende Gilles Peterson.

Das Album:

Kokoroko: Could We Be More. Brownswood/Red Eye.

Die Musik der mit drei Frauen und fünf Männern besetzten Band bringt die Rhythmik von Afrobeat und westafrikanischem Highlife wie auch Elemente von karibischer Musik mit jazzigen Bläsersätzen und einer ausgeprägt funkigen Note überein. Es ist in erster Linie der Gruppenklang, um den es geht, das improvisatorische Hervortreten einzelner Instrumentalisten bleibt die Ausnahme. Die meisten Nummern sind instrumental, getragen von einem Riff der in sich kreiselnden Afrobeatgitarren oder mal auch einem markanten auf dem Bass. Simpel die weltumarmenden Texte, etwa: „Don’t you know I love you?/ Each and everyone of you“, mehrfach wiederholt, in „We Give Thanks“.

Soweit Gesang im Spiel ist, reicht das Spektrum von einer Art Afroscat bis hin zu Chören in easy listening. Die soft beschwingte Soulballade steht neben dem bläsergetriebenen Stomper mit Rockgitarrensolo. Hier und da ist das polyrhythmische Gewebe psychedelisch durchwirkt oder es wird mit Dubeffekten gespielt. Mitunter fühlt man sich für einen Moment an den Krautrock erinnert, der sich ja seinerseits freizügig bei den perkussiven Musikkulturen Afrikas bedient hat. „Something’s Going On/ Something’s Happening Now“ lautet das chorische Mantra zum Ausklang.

Der soziale Mikrokosmos von Kokoroko lässt sich auch im Sinne eines Gesellschaftsmodells lesen. Jede und jeder in der Band, sagt Sheila Maurice-Grey, bringe seine Kultur und seine Wahrheit ein. Der fundamentalste unter den zahlreichen Einflüssen ist Fela Kuti. Bei der Generation der Musikerinnen und Musiker von Kokoroko, so Maurice-Grey, handle es sich schon um die zweite nach dem 1997 verstorbenen nigerianischen Pionier des Afrobeats. Nicht alle Bandmitglieder sind auf dem afrikanischen Kontinent geboren, etliche stammen aus der Diaspora. Das musikalische Erbe stelle gleichwohl ein einendes Band dar. Maurice-Grey selber ist in Sierra Leone geboren, jedoch in Großbritannien aufgewachsen. „Und es gibt dann diese Identitätskrise. Man ist weder ganz britisch noch westafrikanisch – egal, wo man sich gerade aufhält.“

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