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Josef Harder auf der Bühne.

Interview mit Josef Hader

Der kleine Monolog

Josef Hader, einer der bekanntesten Kabarettisten Österreichs, gilt als Grantler. Unsere Autorin hat mit ihm über das Grantigsein, über Glück und Freiheit gesprochen.

Von Ulrike Krickau

Sie wirken, als ob Sie sich nicht besonders wohl fühlen würden auf der Bühne. Ist das Schauspielkunst oder die Wirklichkeit?

Ich verkörpere einfach keinen Siegertypen, sondern einen gebeutelten Menschen, der etwas Tragisch-komisches hat. Im Kabarett, wo man gewohnt ist, dass die Leute mit breiter Brust ihre Intelligenz zur Schau tragen, wirkt das möglicherweise so, als wäre ich nicht gerne auf der Bühne.

Warum gelten Sie als Grantler? Vorhin, beim Signieren nach Ihrem Auftritt, waren Sie doch richtig nett zu Ihren Fans.

Ich spiele oft grantige Menschen. Die spiele ich sehr gern, weil ich privat gar nicht dazu fähig bin, richtig grantig zu werden.

Warum eigentlich?

Das hat mit meinem Weltbild zu tun. Weil ich selbst eher unsicher bin. Von Jugend an hatte ich immer Zweifel, wenn sich jemand ganz sicher war. Ich dachte, irgendwann werde ich erwachsen sein und Dinge wissen. Relativ spät in meinem Leben bin ich darauf gekommen, dass die Erwachsenen nur geblufft haben.

Warum sind Sie unsicher? Sollte der Erfolg Sie nicht bestätigen?

Jemand der unsicher ist, dem kann man nicht mit irgendeiner Art von Bestätigung helfen, der wird ein Leben lang unsicher sein. Ich möchte auch gar nicht sicherer werden, weil ich nicht an eine Sicherheit glauben kann.

Das hört sich sehr anstrengend an.

Existenziell ist es ab einem gewissen Alter angenehmer, wenn man etwas stabiler im Leben steht. Man hält die Krisen einfach nicht mehr so gut durch. Aber manchmal ist es gut, sich daran zu erinnern, dass Stabilität eine Hilfskonstruktion ist. Ich glaube nicht, dass das Leben auf Stabilität zustrebt. Mein bisschen Stabilität schaffe ich mir selbst. Weil ich älter geworden bin.

Und wie machen Sie das?

Ich gebe mir bestimmte Regeln und Zeiten für etwas und versuche, gewisse Dummheiten nicht zu begehen, von denen ich weiß, dass es am Ende doch nur wieder schlecht ausgehen wird.

Gut, das ist Stabilität. Aber was ist mit der Freiheit?

Für mich ist Freiheit nicht möglich. Ich habe Freiheit noch nicht erlebt. Bei mir gibt es entweder das Zusammenleben mit anderen Menschen, und das ist dann reglementiert. Und wenn ich ganz alleine bin, kann ich mit der Freiheit nichts anfangen und neige zu Zwangshandlungen.

Das klingt sehr deprimierend. Gibt es auch etwas, das Sie glücklich macht?

Glücklichsein geht mit anderen Menschen und es geht allein. Mit anderen Menschen, das ist klar. Wenn ich beim Schreiben tagelang alleine dasitze und nichts mehr geht und dann kommt der Moment und es fällt mir etwas ein, das ist auch Glück. Alles andere hat ja meistens mit anderen Menschen zu tun. Andererseits würde ich ja auch nicht schreiben, wenn ich nicht das Ziel hätte, anderen Menschen etwas zu erzählen oder es ihnen vorzuspielen. Eigentlich hat jedes Glück mit anderen Menschen zu tun. Vielleicht auch mit Tieren, aber da kenne ich mich nicht so genau aus.

Interview: Ulrike Krickau

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