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Männerhasserinnen, die trotzdem singen und tanzen, vorn Barbara Obermeier.

Staatstheater Darmstadt

Sie schlagen bei Shakespeare nach

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Cole Porters Musicalklassiker „Kiss me, Kate“ in einer munteren Inszenierung am Staatstheater Darmstadt.

Als Stück über Zoff hinter den Kulissen, über Streit und Versöhnung in Beziehungen ist Cole Porters bekanntestes Musical „Kiss me, Kate“ zeitlos. So zeitlos, dass es auf vielen Spielplänen zu finden ist. Und auch das Staatstheater Darmstadt bleibt seinem Musicalschwerpunkt treu und zeigt in dieser Spielzeit Porters Klassiker unter der Regie von Erik Petersen. Der junge Theatermacher hat in den vergangenen Spielzeiten mit Andrew Lloyd Webbers „Evita“ und Tom Snows „Footloose“ für gute Besucherzahlen gesorgt. Sein Stil: Die Klassiker erfrischen, ohne die Vorlagen allzu sehr umzukrempeln. Petersens Plan geht auch bei „Kiss me, Kate“ auf.

Ein Hauch Broadway weht in Darmstadts Großem Haus. Nicht nur, weil unzählige Glühbirnen ganz im Stil New Yorker Bühnen den roten Vorhang rahmen. Vor allem das für ein Musical verhältnismäßig opulent besetzte (dennoch verstärkte) Staatsorchester unter Leitung von Michael Nündel sorgt für einen satten Klang in Broadway-Manier, selbst wenn die Arrangements bisweilen simpel sind. Petersen hat sich für die Neuorchestrierung von Don Sebesky aus dem Jahr 1999 entschieden, die deutsche Textfassung stammt von Peter Lund.

Vorlage für das Musical ist William Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“. In Porters „Kiss me, Kate“ könnte die starbesetzte Inszenierung von „Der Widerspenstigen Zähmung“ ein riesiger Erfolg werden, wären da nicht die Streitigkeiten zwischen den beiden Hauptdarstellern – Ex-Mann und Ex-Frau -, die sich beinahe ebenso oft in den Haaren liegen wie ihre Charaktere in Shakespeares berühmter Komödie. Als dann auch noch zwei Gangster und eine neue Liebe ins Spiel kommen, ist das Chaos auf und neben der Bühne perfekt.

Genau dieses Chaos verstärkt Petersen durch Slapstickeinlagen und nutzt nahezu jede sich bietende Gelegenheit für Klamauk. Keine Frage, dass hier auch Glitzerjacketts und Konfetti nicht fehlen dürfen. Es gibt Zwischenapplaus für muntere Effekte.

Um den Spagat zwischen Gesang, Schauspiel und Tanz zu meistern, setzt Petersen auf ein vielfältiges Ensemble: Ausgebildete Musicaldarsteller wie Barbara Obermeier (in der Hauptrolle der Lilli) treffen auf musikaffine Schauspieler wie Tobias Licht (in der Hauptrolle des Fred Graham). Und auch Opernsänger wirken mit: zum Beispiel die Darmstädter Ensemblemitglieder Michael Pegher und David Pichlmaier. Beide brillieren als Ganoven insbesondere mit der populären Nummer „Schlag nach bei Shakespeare“. Den Höhepunkt stellt eine grandiose Gruppennummer zu „Too darn hot“ dar. Den perfekten Rahmen für Petersens Inszenierung bildet das unaufdringliche, gut durchdachte Bühnenbild von Dirk Hofacker: Es vereint das Stück im Stück. Die drehbare Bühne ermöglicht wahrlich einen Blick hinter die Kulissen und in die Gassen. Petersen sorgt dafür, dass selbst in diesen Seitenstreben das Theaterleben immer blüht.

Termine

Staatstheater Darmstadt: 8., 9., 16., 23. Februar. www.staatstheater-darmstadt.de

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