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Kiss in Frankfurt: Asse im Glitzerärmel

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Von: Volker Schmidt

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Kiss gehören zu den Bands, die jetzt auf Abschiedstour sind.
Kiss gehören zu den Bands, die jetzt auf Abschiedstour sind. © IMAGO/TT

Die Band Kiss auf „End of the Road“-Tour in der Frankfurter Festhalle.

Von Anfang an volle Dröhnung Rockshow: Vier langmähnige Typen in futuristischen Klamotten, merkwürdige Formen auf Weiß in die Gesichter geschminkt, sinken von der Festhallen-Decke herab. Feuerwerk donnert, Flammen schießen aus den Mäulern dekorativer Monster. „You wanted the best, you got the best, the hottest band in the world: Kiss!“ – die traditionelle Ansage vor jedem Konzert der 1973 gegründeten Band verspricht nicht zu viel.

Wenn es schon zum Opener „Detroit Rock City“ so kesselt, wie soll sich das noch steigern? Die Herren aus New York City haben noch Asse im nietenbesetzten Glitzerärmel. Da gibt es Hebebüh-nen, etwa für das Schlagzeugsolo von Eric Singer (The Catman) so etwa in der Mitte des Abends; Laser, die nur wie nebenbei mal zum Einsatz kommen; und immer wieder Flammenstöße, die den ohnehin heißen Saal zum Kochen bringen. Gasmangellage? Was ist das?

Zum fünften Mal sind sie in Frankfurt, sagt Paul Stanley (The Starchild) mit Bandsägenstimme – es soll das letzte Mal sein: Seit 2019 sind sie, von Corona unterbrochen, auf „End of the Road“-Abschiedstour, rechtzeitig vor dem 50. Bandjubiläum. Immerhin haben die Gründungsmitglieder Stanley und Bassist Gene Simmons (The Demon) die 70 hinter sich, und auch Drummer Eric Singer und Leadgitarrist Tommy Thayer (The Spaceman) haben die Pensionsgrenze erreicht.

Noch allerdings haben sie sichtlich Spaß. „Shout It Out Loud“, „Lick It Up“ oder „Calling Dr. Love“ singt das Publikum besonders laut mit, aber auch „Cold Gin“ oder „Psycho Circus“ halten die Fans in Atem. Simmons, die lange Zunge übers Kinn gestreckt, speit Feuer und zum psychedelisch verhallten Basssolo Kunstblut. Der Sound kommt fett und gut, ab und zu rumpeln Bass und Drums seltsam arhythmisch.

Plateausohlen, Funken sprühende Glittergitarren und Thayers Solo auf der verchromten „Flying V“: Der Glam-Rock-Overkill ist so dick aufgetragen, dass er sich schon fast selber karikiert. Zu „Love Gun“ seilt Paul Stanley sich quer durch den Saal auf eine B-Bühne mitten in der Festhalle. Dort singt er den größten Hit der Band, „I Was Made For Loving You“. Manchmal zeigt die Leinwand Bilder aus der Bandgeschichte, junge Schminkgesichter über straffen Oberkörpern in bis zum Bauchnabel offenem Spandex. Ob die Gründungsmitglieder Ace Frehley und Peter Criss zum Abschluss der Tour noch einmal mit auf der Bühne stehen werden, ist offen: Nach 50 Jahren Auf und Ab, Streit, Reunion und neuem Streit gilt als Beziehungsstatus wohl „es ist kompliziert“.

The New Roses aus Wiesbaden haben mit grundsolidem Rock die Vorband gegeben, wie schon öfter für Kiss. Da hatten etliche Zuschauer noch nicht den Weg in die Parkhäuser, geschweige denn in die Halle gefunden. Ganz voll werden die Ränge auch später nicht, auf den Stehplätzen unten sieht es besser aus.

Nach 16 Songs und drei Solo-Einlagen endet mit „Black Diamond“ das Set. Für die Zugaben taucht Drummer Singer am paillettierten Pianoforte aus dem Bühnenboden auf und singt „Beth“, eine der wenigen Balladen im Repertoire. „Do You Love Me“ folgt und dann – auch das Tradition – als Schlusssong „Rock And Roll All Nite“. Unmengen Konfetti vernebeln die Bühne; Knall und Schluss. „God Gave Rock’n’Roll To You“ tönt aus der Konserve über das Gedrängel zu den Ausgängen.

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