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Es gibt auch Puppen, die im Kinderzimmer nicht spionieren.

"My friend Cayla"

Bei Kindern besonders auf Datenschutz achten

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Die Puppe "My friend Cayla" wird in Deutschland verboten. Richtig, denn Eltern sollten viel mehr auf den Datenschutz achten und mit dem Internet verbundenes Spielzeug kritisch betrachten. Ein Kommentar.

Mit Amazon Echo und anderen digitalen Assistenten ist das "Internet der Dinge" dabei, die Haushalte zu erobern. Selbst für das Kinderzimmer gibt es bereits seit einigen Jahren internetfähige Geräte wie die Puppe "My friend Cayla". Die war schon länger im Visier der Datenschützer, nun macht die Bundesnetzagentur ernst und verbietet die Puppe, weil es sich um eine "versteckte sendefähige Anlage" handele. Die sind in Deutschland verboten - Besitzern und Verkäufern drohen bis zu zwei Jahre Haft.

Es ist gut, dass - drei Jahre nach ihrer Markteinführung - endlich die Initiative ergriffen und die Puppe verboten wird. Doch Eltern sollten "Cayla" und Konsorten nicht nur fürchten, weil sie verbotene Sendeanlagen sein könnten. Stattdessen sollten grundsätzliche Datenschutzbedenken dazu führen, um Spielzeug wie "Cayla" einen großen Bogen zu machen. Die zur Puppe gehörende App ist so programmiert, dass Fremde sie aus mehreren Metern Entfernung und durch Wände hindurch per Bluetooth übernehmen können. Anschließend können sie durch die Puppe beispielsweise mit dem Kind sprechen oder Gesprächen heimlich lauschen.

Außerdem sind die Datenschutzbedingungen der internetfähigen Spielzeuge, die der europäische Verbraucherverband Beuc untersuchthat, haarsträubend. Bevor die Käufer die Puppe "Cayla" oder den ebenfalls untersuchten Roboter "i-Que" nutzen können, müssen sie unter anderem zustimmen, dass die Nutzungsbedingungen jederzeit ohne Benachrichtigung geändert werden dürfen. Außerdem wollen die Unternehmen persönliche Daten für gezielte Werbung nutzen und die Daten mit ungenannten dritten Parteien teilen - gerade wenn es um Kinder geht, sollte man hier sehr kritisch sein. Denn auch Geheimnisse der Kinder könnten so in fremde Hände geraten, wie der Verband Beuc bemängelt.

Puppe mit Marketing-Botschaften

Ein weiterer kritischer Aspekt: Alles, was ein Kind der Puppe erzählt, wird an eine US-Firma übertragen, die sich auf Spracherkennung spezialisiert hat. Diese Firma behalte sich ebenfalls das Recht vor, die erhaltenen Informationen mit dritten Parteien und für die unterschiedlichsten Zwecke zu nutzen, erklärt Beuc. Außerdem haben die Verbraucherschützer entdeckt, dass "Cayla" auch versteckt Marketing betreibt: "Cayla" spreche beispielsweise gerne darüber, wie sehr sie Disney-Filme liebt - gleichzeitig habe der App-Anbieter eine kommerzielle Verbindung zu Disney.

Von daher hat die Bundesnetzagentur vollkommen Recht: Eltern sollten "Cayla" umgehend zerstören und der Spionagepuppe im Kinderzimmer keine Chance mehr geben. Generell wollen Eltern nur das Beste für ihr Kind - dann sollten sie aber auch auf den Datenschutz achten und mit dem Internet verbundenes Spielzeug kritisch betrachten.

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