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Kamba-Figur, 1974 für das Museum in Auftrag gegeben.
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Kamba-Figur, 1974 für das Museum in Auftrag gegeben.

Weltkulturen Museum

Kenianische Kunst: Wer wird gehört?

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Das Weltkulturen Museum in Frankfurt stellt ein Projekt zu kenianischen Objekten in westlichen Museen vor.

Das Tanzschild, ndoome, der Kikuyu kam 1911 ins damals noch Völkermuseum genannte Weltkulturen Museum nach Frankfurt, für 90 Mark. Vertrieben wurde es von einem englischen Kaufmann, William O. Oldman, der selbst nicht reiste, aber einen florierenden Handel mit Artefakten aus aller Welt betrieb und zum wichtigen Lieferanten für nordwestliche Museen wurde. Wie muss man sich die Umstände vorstellen? „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Oldman bei seinen Sammeltätigkeiten vom ungleichen Kräfteverhältnis zugunsten der Europäer profitierte“, heißt es dazu im Katalogheft, eine treffliche und auf viele Situationen erweiterbare Formulierung.

In der Datenbank des Museums wurde das Tanzschild als Verteidigungswaffe geführt, was bei dem aktuellen Projekt zunächst für Verwirrung sorgte, als kenianische Befragte Fotos davon gezeigt bekamen. Denn ein ndoome hat nicht nur nichts mit einem Kampf zu tun, es dient sogar einem Initiationsritual, das niemals zu Kriegszeiten durchgeführt worden wäre. Aber nicht kenianische Kinder können sich heute am Objekt die Funktion des ndoome erläutern lassen, sondern das Frankfurter Publikum kann in den kommenden Wochen die symbolische Farbgebung entdecken, „braun wie die Erde, blau wie der Himmel, weiß wie der Mount Kenya“.

32 500 Objekte sind erfasst

„International Inventories Programme“ heißt das Projekt, das kenianische Künstlerinnen und Künstler initiiert haben und das sich seit 2018 auf die Spuren von kenianischen Objekten in nordwestlichen Museen setzt. Zwei Kollektive von Kunstschaffenden, „The Nest“ (Kenia) und „Shift“ (Deutschland/Frankreich), kooperieren dafür mit dem Nationalmuseum in Nairobi, dem Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln, dem Weltkulturen Museum in Frankfurt und dem Goethe-Institut. Im Zentrum steht eine Datenbank, in der, so der Stand im Oktober 2021, etwa 32 500 Objekte aus 30 Einrichtungen erfasst sind.

Symbolisch vertreten sind sie durch schier endlose Bänder mit Versandlabels, die „The Nest“ durch die kleine Ausstellung im Frankfurter Weltkulturen Museum gezogen hat. Sie ist eine von dreien, die unter dem Titel „Invisible Inventories“ – Unsichtbare Inventare –, sichtbar machen, was sich sichtbar machen lässt. Am Ausstellungsort Nr. 1, dem Museum in Nairobi, ging es also nicht zuletzt darum, die Leere zu inszenieren. Nach der Station in Köln ist die Schau jetzt in Frankfurt angekommen, erneut modifiziert und mit Kunstinstallationen sowie ausgewählten Objekten aus der Sammlung versehen. Keine Objekte, an denen Restitutionsansprüche hängen. Trotzdem: Soll man sie zeigen? Heftig genug, erzählen die Beteiligten – für das Frankfurter Haus die Kuratorinnen Julia Friedel und Leonie Neumann –, sei die Debatte gewesen, dass die Schau während der Laufzeit noch einmal nach den Vorstellungen der Künstlerinnen und Künstler umgestaltet werden soll.

Zu sehen jetzt: Acht Objekte aus verschiedenen Zeitschichten und Sammlungsideen heraus, auf einem langen Tisch und an weißer Wand arrangiert, eine Arbeitssituation, ein Provisorium, das weder Besitzansprüche noch Deutungshoheit signalisiert. Eine Figur gab die damalige Afrika-Kustodin Johanna Agthe 1974 während eines Forschungsaufenthalts bei einem Schnitzer der Kamba in Auftrag: Joseph Mullis Arbeit zeigt einen nachdenklichen alten Mann. Im Gespräch mit Agthe beklagte Mulli, wie der Verkaufsdruck die Herstellung stereotyper Figuren erzwinge.

So sind die Objekte Beleg für Reflexionen in der Ethnologie, zugleich für die fortwährende Asymmetrie der Verhältnisse. Mit der Klanginstallation zu den (ausgestopft in Chicago ausgestellten) „Löwen von Tsavo“ verschaffen sich außerdem die „Shift“-Mitglieder Sam Hopkins und Marian Nur Goni aus Kenia Gehör.

Weltkulturen Museum Frankfurt: bis 9. Januar. Nächste Führung mit Julia Friedel am 23. Oktober. www.weltkulturenmuseum.de

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