Ein Mitarbeiter des Unternehmen yoose3D arbeitet vor dem Sitz der Firma in Hinterzarten-Bruderhalde an einem Laptop. Marc Vollmer, Chef und Firmengründer des Schwarzwälder Unternehmens träumt von einen Internet-Zugang mit einer Bandbreite von 50 Megabit pro Sekunde.
+
Ein Mitarbeiter des Unternehmen yoose3D arbeitet vor dem Sitz der Firma in Hinterzarten-Bruderhalde an einem Laptop. Marc Vollmer, Chef und Firmengründer des Schwarzwälder Unternehmens träumt von einen Internet-Zugang mit einer Bandbreite von 50 Megabit pro Sekunde.

Breitband

Kein Netz im Nebel

Zu den ganz frühen Verheißungen der digitalen Gesellschaft gehörte das Versprechen, weltweit vernetzt zu sein, immer online, ohne Abstriche. Im Schwarzwald sehnt man sich immer noch nach Breitband.

Wenn der Unternehmer Andreas Fischer eine SMS verschicken will, geht er unter seinen „Telefonbogen“ auf dem Balkon: Nur dort bekommt er den einen Balken, der auf seinem Handy eine minimale Netzverbindung signalisiert. „Hier im Ort ist Mobilfunk eher Luxus“, sagt der Geschäftsführer der G+F Verlags- und Beratungs GmbH. Sein Problem: Der Firmensitz ist Forbach-Hundsbach im Kreis Rastatt, Nordschwarzwald. Der 370 Einwohner zählende Weiler liegt mitten im Wald in 760 Metern Höhe.

Das Problem sollte aber eigentlich keines sein. Denn zu den ganz frühen Verheißungen der digitalen Gesellschaft gehörte ja schon das Versprechen, weltweit vernetzt zu sein, immer online, ohne Abstriche.

Davon träumt auch Marc Vollmer im Schwarzwald-Dorf Bruderhalde, einem Ortsteil von Hinterzarten im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald. Vor seiner Haustür liegt der Titisee. So hat das der Firmengründer auch gewollt: „Hier kann ich einfach kreativer arbeiten, das ist wie bei einem Maler.“ Vollmer leitet das Unternehmen yoose3D, dessen vier Mitarbeiter 3D-Animationen fürs Fernsehen und Industrieunternehmen produzieren.

Alles hohle Worte

Beide Mittelständler sehnen sich nach einem Internet-Zugang mit 50 Megabit pro Sekunde (MBit/sec). Das soll es bis 2018 flächendeckend geben, verspricht die digitale Agenda der Bundesregierung. Viel Hoffnung macht sich Fischer aber nicht: „Wir haben schon viele Agenden erlebt und den wenigsten Worten sind auch Taten gefolgt.“

Aber Unternehmer sind ja findig. Im Nordschwarzwald nutzt Fischer einen Internetzugang über Satellit. Wenn es gut läuft, ist damit eine Übertragungsrate von 10 MBit/sec möglich. Aber vor einer Videokonferenz mit einem seiner zehn Mitarbeiter, der in Helsinki lebt, schaut sich Fischer den Wetterbericht an. „Wenn ein Gewitter im Anzug ist, dann bricht die Verbindung schnell zusammen. Und wenn im Spätherbst der Hochnebel im Tal hängt, sagen wir gleich gute Nacht.“

Und um vom Hochschwarzwald aus 3D-Filme übers Internet verschicken zu können, hat Vollmer drei DSL-Leitungen mit jeweils 1 MBit/sec gebündelt. Er zahlt dafür rund 150 Euro im Monat, erreicht damit aber nicht annähernd die Übertragungskapazität wie ein Mitbewerber in einer Stadt im (eher) flachen Land.

„Abenteuerlich schlecht“

Chancengleichheit für kleine Unternehmen auf dem Land fordert der Bundesverband IT-Mittelstand. Dessen Vizepräsident Martin Hubschneider kritisiert, dass „die teilweise abenteuerlich schlechte Breitbandversorgung des ländlichen Raums zu einer Wettbewerbsverzerrung und zum weiteren Abwandern der Bevölkerung in die Städte führt“. Jetzt hoffe der Verband, „dass die Politik ihre Zielsetzung erreicht und bis 2018 flächendeckendes, preiswertes Breitbandinternet verfügbar ist“.

Und wie kann das erreicht werden? „Glasfaser wäre die Königslösung“, antwortet Fischer. „Das geht aber nur mit einer massiven Investition der öffentlichen Hand.“ Kommerzielle Anbieter wie die Deutsche Telekom haben wiederholt erklärt, dass sich solche Investitionen für sie nur rechnen können, wenn die Nachfrage entsprechend groß ist – und auf dem Dorf ist das kaum der Fall. Realistischer scheint eine Abdeckung mit der Mobilfunktechnik LTE zu sein – die bei ihrem Start auch angetreten ist, um zuerst die Lücken im ländlichen Raum zu schließen.

Bislang aber muss am Titisee oft noch die Post als Lückenbüßer herhalten: Wenn Vollmer einem Kunden möglichst schnell einen Film mit einigen hundert Gigabytes schicken soll, packt er die Daten auf eine externe Festplatte und gibt diese mit Express-Sendung auf. Digitale Gesellschaft geht irgendwie anders.(Peter Zschunke, dpa)

Mehr zum Thema

Kommentare