Bewegung ist auch im kleinsten Bild.
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Bewegung ist auch im kleinsten Bild.

Handy-TV

Kein mobiles Bild vom Ball

Mobiles Fernsehen kommt in Deutschland nicht in Schwung. Ein Start zur EM 2008 ist unwahrscheinlich.

Von HENRIK SCHMITZ

Genau 29 Unternehmen hatten sich ursprünglich um die DVB-H-Frequenzen beworben, mit denen bis zu 15 Fernsehprogramme und vier Radioprogramme verbreitet werden können. Um etwas Überblick in das weite Bewerberfeld zu bringen, einigten sich die für die Frequenzvergabe zuständigen Landesmedienanstalten darauf, eine Sondierungsgruppe zu bilden. Vier Direktoren aus den eignen Reihen führten die Gespräche mit den Bewerbern, studierten deren Unterlagen und kamen am Ende zu einem eindeutigen Ergebnis: Ein Konsortium der Mobilfunkunternehmen O2, Vodafone und T-Mobile sollte die Frequenzen bekommen.

Ausschlaggebend dafür war vor allem der zu erwartende geringere Preis für den Kunden und die vermutete bessere Durchsetzung am Markt. Klar ist: Handy-TV kann nur ein Erfolg werden, wenn es auch von denen unterstützt wird, die die Handys verkaufen.

Doch die Gesamtkonferenz der Landesmedienanstalten entschied Mitte Oktober anders und stellte dem Unternehmen Mobile 3.0 die Frequenzen "in Aussicht". Für den Kunden könnte dies höhere Preise und eine weitere Verzögerung der Starts des mobilen Fernsehens bedeuten.

Bis zum 9. November sollte Mobile 3.0 eine Liste mit Sendern vorlegen, die es in das neue Angebot aufnehmen möchte. Doch der Termin verstrich ohne Ergebnis, so dass die Frist inzwischen bis zum 31. Dezember verlängert wurde.

Dass sich die Landesmedienanstalten für Mobile 3.0 aussprachen, an dem die Verlage Burda und Holtzbrinck beteiligt sind, begründen sie mit der Sicherung der Meinungsvielfalt. Die Landesmedienanstalten trieb anscheinend die Sorge um, die milliardenschweren Telekommunikationsunternehmen hätten eine zu starke Position gegenüber den Privaten Radio- und Fernsehsendern.

Hinter den Kulissen sorgte Mobile 3.0 aber offenbar auch für gute Lobby-Arbeit. So soll sich vor allem die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) mit ihrem Chef Wolf Dieter Ring für Mobile 3.0 eingesetzt haben, was durchaus standortpolitische Gründe haben könnte: Mobile 3.0 und deren Mitgesellschafter Burda sitzen in Bayern, und Ring hat stets Standortpolitik betrieben.

Eine eigene Rolle spielt auch der Vorsitzende des Medienrats der saarländischen Landesmedienanstalt, Stephan Ory. Er setzte sich dafür ein, dass nicht nur die Direktoren der Landesmedienanstalten, sondern auch die Vorsitzenden der jeweiligen Gremien, bei der vorläufigen Auswahl der Frequenzzuweisung beteiligt wurden.

In einem Brief an die Gremienvorsitzenden aller Landesmedienanstalten machte Ory im September Stimmung gegen die Mobilfunker. Jedwede Auswahlentscheidung solle am Kriterium der Sicherung und Förderung der Meinungsvielfalt orientiert sein, schrieb Ory. Aspekte der Erfolgschancen von Geschäftsmodellen hätten gegenüber diesem Kriterium zurückzustehen.

Eine Vergabe der Frequenzen an die Mobilfunkunternehmen könne zu Lasten des privaten Rundfunks gehen, schrieb Ory weiter. Das Auftreten der Vertreter der Mobilfunk-Bewerber bei einem Termin im Saarland habe seine Befürchtungen "eher verstärkt als abgebaut".

Die Skepsis gegen die Mobilfunker verstärkt haben könnte bei Ory auch dessen alter Freund Helmut Bauer, der früher die Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz leitete und heute Medienberater Berater für den Mobile 3.0-Mitgesellschafter MFD.

Denn dass Sorgen um die Meinungsvielfalt für eine Vergabe der Frequenzen an Mobile 3.0 sprechen sollen, leuchtet nicht unmittelbar ein. Die Mobilfunkunternehmen betreiben keine eigenen Programme, die sie bevorzugt in das DVB-H-Angebot aufnehmen könnten. Der vorläufige Belegungsplan von Mobile 3.0 wiederum sieht vor, den Radiosender bigFM zu verbreiten. An diesem Sender hält einer der Mobile- 3.0-Mitgesellschafter schon zehn Prozent: Burda.

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