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AfD-Bundestagsabgeordneter Bystron wollte mit Medienvertretern nicht reden, nur mit eigenem Kameramann.

Berlinale 

Kaum AfD-Besuch bei Ghetto-Film

Berlinale-Chef Kosslick lädt AfD-Vertreter zu einem Ghetto-Film ein. Doch es kommen nur wenige. Nahe des Kinos soll es einen Zwischenfall gegeben haben.

Politiker der AfD haben eine Einladung von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick zum Dokumentarfilm „Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto“ weitgehend ausgeschlagen. Bis kurz vor Vorstellungsbeginn am Sonntagabend waren nach Angaben der Berlinale-Organisatoren nur sechs Tickets für die Partei abgeholt worden. 

Unmittelbar vor dem Kino International in Berlin gab es bis zur Vorstellung keine besonderen Vorkommnisse. Allerdings wurden nach AfD-Angaben in der Nähe des Kinos mehrere Parteimitglieder angegriffen. Laut Vadim Derksen von der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative, der nach eigenen Worten bei dem Angriff dabei war, waren die Angreifer vermummt und riefen „Scheiß Nazis“. Ein AfD-Mitglied sei leicht verletzt worden. 

Mutmaßliches Opfer erscheint vor dem Kino

Die Polizei bestätigte lediglich, dass eine Person in der Nähe des Kinos verletzt und ins Krankenhaus gebracht wurde. Es werde nach mehreren mutmaßlichen Tätern gefahndet. Später erschien das mutmaßliche Opfer vor dem Kino und zeigte eine Platzwunde am Kopf. 

Kurz nach dem Zwischenfall erschien der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron begleitet von einem Kameramann vor dem Kino und zeichnete einen kurzen Kommentar zu dem Vorfall auf, in dem er die Antifa verantwortlich machte. Anschließend verschwand er wieder. Interviewanfragen von Medienvertretern lehnte er ab. 

Kosslick hatte den Film von Roberta Grossman noch kurzfristig ins Programm genommen und dazu AfD-Politiker eingeladen. „Alle AfD-Mitglieder, alle Abgeordneten im Bundestag der AfD, werden kostenlos ins Kino dürfen. Von mir persönlich eingeladen. Ich bezahle jedes Ticket.“ Er hatte seine Hoffnung ausgedrückt, dass möglichst viele den Film sehen werden. „Und wenn sie dann noch sagen, das ist ein Fliegenschiss, dann muss ich sagen, sollte vielleicht jemand anderes einschreiten als die Filmemacher.“ 

Anspielung auf Alexander Gauland

Damit spielte er auf eine umstrittene Äußerung von AfD-Chef Alexander Gauland an, der die NS-Vergangenheit als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte bezeichnet hatte. Der Film schildert die Geschichte des 1941 gegründeten Untergrund-Archivs im Warschauer Ghetto. Es sollte dokumentieren, wie die Juden im Ghetto lebten und wie sie ermordet wurden. 

Dass die Berlinale den Film zeigt, begründete Kosslick auch mit einem Eklat im bayerischen Landtag bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus. AfD-Abgeordnete hatten Ende Januar demonstrativ den Plenarsaal verlassen, nachdem die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, gesagt hatte, die AfD stehe „nicht nur für mich nicht auf dem Boden unserer demokratischen Verfassung“. (dpa)

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