Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Film über DDR-Profisport

Kampf der Systeme

Diplomaten im Sportdress: Ein Film über die Goldmaschine DDR macht Doping zum Randthema. Von Tilmann P. Gangloff

Von Tilmann P. Gangloff

Trotz Dopings und paramilitärischen Drills: Es ist beeindruckend, dass ein vergleichsweise kleines Land wie die DDR im Lauf seiner Geschichte bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften rund 4000 Medaillen gewonnen hat. Albert Knechtel schildert in seinem Dokumentarfilm, warum das kein Zufall war. Viele Sportler erinnern sich, darunter neben Wolfgang Behrendt, dem ersten ostdeutschen Olympiasieger, auch heute noch populäre Athleten wie Renate Stecher, Heike Drechsler, Jens Weissflog oder Roland Matthes. Doping ist ein Thema, aber kein zentrales. Knechtel verharmlost die chemische Aufrüstung der Sportler beinahe, auch die Athleten machen keine große Sache draus; gesundheitliche Spätfolgen bis hin zur unvermeidlichen Geschlechtsumwandlung bleiben ausgespart.

Stattdessen verknüpft Knechtel die Kapitel mit Zwischenspielen aus einem Boxring, in dem zwei junge Männer den Kampf der Systeme nachstellen. Hier wird der Film etwas schlicht, wenn der Autor die Darbietungen beim Wort nimmt und bildreich von "härteren Bandagen" oder einem "Chef im Ring" spricht. Am Ende geht natürlich der Kämpfer im DDR-Hemd zu Boden. Dass die Textilien beider Boxer unübersehbar aus westdeutscher Produktion stammen - über Hammer, Zirkel, Ährenkranz sind die berühmten drei Streifen zu erkennen -, ist mehr als bloß ein Fauxpas.

Neben der Chronik der Erfolge und ihrer Verknüpfung mit der Geschichte der DDR machen die Gespräche mit den Sportlern den großen Reiz des Films aus. Die Erinnerungen sind naturgemäß immer dann am faszinierendsten, wenn die Athleten keine braven Mitläufer waren, sondern Persönlichkeiten, die bei aller Systemtreue auch mal aus der Rolle fielen. Die meisten verdankten der systematischen Frühförderung ja einen enormen sozialen Aufstieg, viele sehen auch heute noch trotz des Verlustes ihrer Kindheit keinen Grund zur Klage.

Um so schöner sind Anekdoten wie jene von Handballstar Wolfgang Böhme, der dem westdeutschen Klassenfeind am Abend vor dessen WM-Endspiel gegen Russland bei diversen Dosen Bier die Taktik der Russen erläuterte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare