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Kampf beim Hessischen Rundfunk um hr2

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Rundfunkrat beharrt auf einem umfassenden kulturellen Anspruch. Eine „Klassikwelle“ findet keinen Rückhalt.

Im Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks gibt es keine Mehrheit dafür, den Sender hr2 zu einer Klassikwelle umzubauen, wie es die Geschäftsleitung des Senders plant. Das haben Mitglieder des Gremiums am Montag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau aus der internen Sitzung berichtet.

Der Rundfunkrat hatte am Freitagabend getagt. Anschließend veröffentlichte er eine Stellungnahme, die den Anspruch auf ein umfassendes kulturelles Angebot deutlich machte, ohne die Welle hr2 ausdrücklich zu nennen. „Kulturelle Hervorbringungen und die Kulturberichterstattung gehören zum Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags“, heißt es darin. Dabei sei Kultur „für den Rundfunkrat nicht nur Musik, sondern auch Literatur, die Kultur des Hörens und Zuhörens und der gesellschaftliche Diskurs“. Das gilt als klares Bekenntnis zu Sendeformaten wie „Der Tag“ oder „Doppelkopf“.

Nur auf den ersten Blick liest sich die Stellungnahme wie eine Rückendeckung des Rundfunkrats für die Pläne der Geschäftsleitung. Wörtlich heißt es: „Der Rundfunkrat unterstützt mit deutlicher Mehrheit die Initiative der Geschäftsleitung des hr, die Möglichkeiten zur digitalen Nutzung seiner Angebote, zum Beispiel auch im Bereich der Kulturberichterstattung, auszubauen und die Attraktivität für jüngere Zielgruppen zu erhöhen.“

Tatsächlich zeigt sich der Rundfunkrat offen für digitale Angebote, aber nicht für eine Entkernung des Angebots beim Kultursender hr2. Die Verantwortlichen des Senders um Intendant Manfred Krupp hatten erläutert, dass sie unter „Klassikwelle“ keineswegs nur das Abspielen von Musik verstehen, sondern auch Wortbeiträge. Ähnlich hatte es hr-Hörfunkdirektor Heinz-Dieter Sommer im FR-Interview erklärt.

Etlichen Mitgliedern des Rundfunkrats reicht dies aber offenbar nicht. Sie wollen auch nach dieser Definition keine Klassikwelle haben, sondern ein umfassendes kulturelles und literarisches Programm.

Aus der hessischen Landes- und der Frankfurter Stadtpolitik weht den hr-Verantwortlichen ein kräftiger Gegenwind entgegen, quer durch alle politischen Lager. SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser erinnert an den „Bildungsauftrag“ der Öffentlich-Rechtlichen. Dem sei der Hessische Rundfunkrat mit hr2 „sehr, sehr gut nachgekommen“. Der CDU-Fraktionschef im Landtag, Michael Boddenberg, nimmt Bezug auf die zahlreichen Protestschreiben und eine Petition zum Erhalt von hr2. „Die vielfältigen Reaktionen der Hörerinnen und Hörer von hr2“ würden bei den Beratungen „eine große Rolle spielen“, versprach Boddenberg. Allerdings müsse sich der Rundfunk „mit den durch die Digitalisierung verbundenen Veränderungen des Nutzerverhaltens auseinandersetzen und daraus Konsequenzen ziehen“.

Der AfD-Landtagsabgeordnete Rolf Kahnt fände es „verhängnisvoll“, wenn sich hr2 zur Klassikwelle wandeln würde. Die Kulturwelle hr2 habe sich „als bester Radiosender Hessens bewährt“. lobt der AfD-Politiker. Er befürchtet eine Reduzierung auf „leicht zu konsumierende Kulturhäppchen“.

Unmut hatte auch die Art verursacht, wie der Sender den Rundfunkrat eingebunden hatte – nämlich zunächst gar nicht. Die Mitglieder des Gremiums wurden kurz vor den Sommerferien per Brief über die Pläne informiert.

Nun soll die Beteiligung nachgeholt werden. „Der Rundfunkrat begrüßt die Zusicherung, dass alle weiteren Schritte zur Ausgestaltung der Programminitiativen in einem strukturierten Prozess unter Beteiligung der Beschäftigten und in enger Abstimmung mit den Gremien in den nächsten Sitzungen des Rundfunkrats und insbesondere auch in seinen Ausschüssen beraten werden“, heißt es in seiner Stellungnahme.

Für Ende Oktober ist eine Klausurtagung zum Thema vorgesehen. Manche Mitglieder des Rundfunkrats wünschen sich, dass dann auch Programmmacher von hr2 einbezogen werden, um ihre Vorschläge einzubringen. Sie waren zu der Sitzung am Freitag nicht eingeladen.

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