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Kabarett mit Boxhandschuhen

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Klavierentertainer Bodo Wartke beherrscht das musikalische Kabarett.
Klavierentertainer Bodo Wartke beherrscht das musikalische Kabarett. © Nele Martensen

Der Klavierentertainer Bodo Wartke singt über die manchmal unerträgliche Leichtigkeit des Seins.

Von Wolfgang Heininger

Schon mal mit Boxhandschuhen und Mundschutz Klavier gespielt? Bodo Wartke kann das. Und zwar so, dass der Zuhörer sogar die Melodie aus „Rocky“ erkennt und den Text verstehen kann. Ohne ist natürlich noch besser. Zumal der 36 Jahre alte Entertainer, als der er sich selbst versteht, häufig mit recht sperriger Sprache jongliert, das allerdings auf hohem Niveau. Da wird selbst ein Chanson über deutsche Nachkriegsarchitektur zu einem vergnüglichen Erlebnis.

Obwohl der gebürtige Schwartauer schon seit 15 Jahren auf der Bühne steht, ist er dem breiten Publikum nur durch sporadische Auftritte in Kabarettsendungen bekannt geworden. Das allerdings um so eindrücklicher, wenn er die Fährnisse und Unfairnisse zwischenmenschlicher Beziehungen betrachtet und, wie in seinem wohl bekanntesten Lied „Ja Schatz“, schwarzhumorig umsetzt. Er gilt doch immer noch als Geheimtipp, der es jedoch, wie am Samstag in der Aschaffenburger Stadthalle, versteht, mit seiner musikalischen Mischung zwischen Georg Kreisler und Hans Liberg mühelos auch große Säle zu füllen.

Chansons in „Reimkultur“

In seinem neuesten Programm „Klaviersdelikte“ präsentiert Bodo Wartke gescheite und gescheiterte Liebeschansons in „Reimkultur“, widmet sich ebenso der Werbung wie dem chaotischen Leben in einer Männergemeinschaft - „Die WG des Herrn ist unergründlich“ und bastelt aus den Vornamen des weiblichen Publikums neue Strophen eines seiner Lieder. Denn komponieren und arrangieren, das macht er alles selbst und hat dafür auch schon einige Auszeichnungen wie den Deutschen Kleinkunstpreis eingeheimst.

Es sind weniger die politischen Ereignisse als die Beobachtungen des Alltags, die Bodo Wartke zu immer neuen Stücken antreiben. So kommt der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber nur deshalb vor, weil er seine Frau nennt wie andere ihre Katze, und das in einem Stück über unpassende Begriffe aus dem deutschen Geschlechtsleben.

Anleihen bei den Klassikern

Fünf Jahre lang hat Wartke in Berlin Klavier und Gesang studiert. Das merkt man seinen virtuosen Kompositionen an. Witzige Anleihen bei Mozart oder anderen Klassikern sind ihm und den Zuhörern dabei höchst willkommen. Ob Ragtime, Blues oder Tango, der junge Mann wird so ziemlich allen Sätteln, die er auflegt, gerecht und bedient sich dabei noch geistreich einer Sprachebene, die auf den ersten Blick denkbar ungeeignet für diese Kunstform erscheint. Fast immer gelingt es ihm, den kompliziertesten Sachverhalten eine ungeahnte Leichtigkeit einzuhauchen.

Anders als mancher Kollege im musikalischen Kabarett verzichtet Bodo Wartke jedoch nicht auf die dunklen, nachdenklichen, erschreckenden Momente. Sie machen seine Programme komplett. Was Wunder, dass ihn seine Fans aus allen Ecken des Rhein-Main-Gebiets auch nach drei Stunden Spielzeit nicht von der Bühne lassen wollten.

Bodo Wartke ist mit Auszügen aus seinem neuen Programm am Samstag, 5. Oktober, um 21.30 Uhr (Wiederholung in der Nacht um 3.05 Uhr) auf 3sat zu sehen. Zusammen mit dem Capitol Dance Orchestra gastiert er vom 21. bis 25. Oktober im Berliner Admiralspalast. Weitere Auftrittstermine: 7. Dezember Phoenixhalle in Mainz, 14. März FH-Aula in Dieburg und am 15. März in der Stadthalle Offenbach. Weitere Informationen unter bodowartke.de.

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