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Monika Griefahn ist seit 1998 für die SPD Mitglied des Deutschen Bundestages, wo sie außer in der Umweltpolitik besonders in der Kulturarbeit engagiert ist.
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Monika Griefahn ist seit 1998 für die SPD Mitglied des Deutschen Bundestages, wo sie außer in der Umweltpolitik besonders in der Kulturarbeit engagiert ist.

Interview mit Monika Griefahn

Jazz als Bundesanliegen

Monika Griefahn über eine neue Förderung von Spielstätten.

Frau Griefahn, der Bundestag stellt eine halbe Million Euro bereit für die Initiative Musik, die dieses Geld nicht in ihre schon angelaufenen Projekte, sondern in den Jazz investiert. Zunächst: Was ist die Initiative Musik?

Entstanden ist sie aus dem Wunsch, musikalische Nachwuchsförderung und Infrastrukturen zumindest zu erhalten, möglichst aber zu verbessern. Es handelt sich um eine Kooperation oder einen Zusammenschluss von Musikindustrie und Bundesregierung. Beide finanzieren die Initiative. Gefördert werden bisher Einzelmaßnahmen wie zum Beispiel Tourneen oder Übungsmöglichkeiten für Bands, aber auch Auftritte ausländischer Künstler, die in Deutschland leben. Die neu hinzu gekommenen 500.000 Euro sind explizit für einen Spielstättenpreis vorgesehen. Wir sind davon ausgegangen, dass Jazz als Live-Musik von einer gezielten Förderung der Spielstätten profitieren kann. Es gibt nach unserer Erfahrung Spielstätten, die gut eingeführt sind, die aber manchmal in Situationen kommen, wo sie ihre anspruchsvollen Programme nicht weitermachen können, weil ihre Misch-Kalkulationen nicht mehr aufgehen. Ich denke, wir könnten mit einer Bundesförderung da etwas bewirken. Übrigens auch insofern, als wir für die geförderten Initiativen eine Beachtung schaffen, die auch Kommunen und Kommunalpolitiker dazu bringt, dass sie fördernd eingreifen. Und wir können vielleicht die eine oder andere Anregung stiften, dass Räume neu geschaffen werden.

Ging die Initiative Musik eher vom Staat aus oder eher von der Musikwirtschaft?

Ursprünglich von uns, also vom Staat. Aber wir haben von Anfang an gesagt, dass die Musikwirtschaft sich beteiligen müsse.

Spielstättenförderung gab es bisher auf kommunaler Ebene - der berühmte Frankfurter Jazzkeller war ein Beispiel dafür ...

... in Hannover gibt es auch einen.

Wollen Sie auch die Neugründung von Spielstätten fördern?

Eher die Beibehaltung. Spielstätten werden oft aufrecht erhalten unter der Bedingung einer beträchtlichen Selbstausbeutung ihrer Betreiber. Wir wollen aber nicht nur Geld geben und Anerkennung vermitteln, sondern uns auch um konkrete Probleme kümmern. Zum Beispiel hatten wir gerade in Berlin einen Fall, wo eine Spielstätte plötzlich doppelt so viel Gema-Gebühren zahlen sollte wie vorher. In solchen Fällen können wir manchmal etwas tun.

Was genau soll mit der halben Million gefördert werden?

Wir prämieren ausschließlich das künstlerische Programm.

Das Geld wird also praktisch als Preisgeld verteilt.

Genau. Und wir hoffen zuversichtlich, dass der Preis auch eine entsprechend verbesserte öffentliche Beachtung hervorbringt.

Wie soll das Geld im Lande verteilt werden? Muss man einen mit Informationen bewehrten Antrag stellen oder gibt es eine Jury, die sich umsieht und prämiert, was sie kennt?

Die Details werden gerade diskutiert. Es gibt schon Vorschläge, die aber noch nicht ausgearbeitet und konsensfähig sind. Aber das Geld steht zur Verfügung, und bald werden wir uns über die Art der Preisvergabe klar werden.

Spielen die Überlegungen der Bundeskonferenz Jazz da eine Rolle? Die Idee der Spielstättenförderung ist meines Wissens dort entstanden.

Wir haben uns sehr intensiv mit Vertretern der Bundeskonferenz Jazz beraten und überhaupt mit Leuten, die in diesem Bereich professionell arbeiten. Die Idee der Spielstättenförderung ist wirklich etwas Neues, und darum haben wir dafür auch einen neuen Etat finden müssen, zumal die Initiative Musik von ihren laufenden Projekten nicht einfach etwas abzweigen kann. Ich finde es einen schönen Erfolg, dass wir dieses Geld bekommen haben. Und ich kann Ihnen verraten, dass selbst solche vergleichsweise geringen Summen manchmal gar nicht leicht durchzusetzen sind.

Der Spielstättenpreis wird in drei Kategorien vergeben. Können Sie kurz erläutern, wie die voneinander abgegrenzt werden?

Es gibt erstens Spielstätten, die einmal pro Woche eine Veranstaltung anbieten, also in der Regel an einem Wochenend-Tag; zweitens Spielstätten, die mehrere Male pro Woche ein Live-Programm anbieten, und drittens Spielstätten, die das seltener, also ein- bis zweimal pro Monat machen. Die Prämierungen wird sehr genau abgestuft sein, und wir werden auch die Rahmenbedingungen der Spielstätten sehr gründlich berücksichtigen.

Die Idee ist, dass nicht Musikern Geld gegeben wird, damit sie Musik machen können, sondern denen, die die Begegnung zwischen Musikern und Publikum ermöglichen. Es ist also eine Art Kulturlandschaftspreis.

Genau. Es gibt so viele Leute, die in diesem Bereich arbeiten und die können das Geld gut gebrauchen und werden es auch bestimmt sinnvoll verwenden. Und wenn Sie wissen, wie Kommunalpolitik funktioniert, dann wissen Sie auch, dass öffentliche Anerkennung einiges bewegen kann.

Das ist also ein Preis, der sich auch gegen die Ignoranz der Politik wendet.

Das kann man so sehen, wenn man will.

Was schätzen Sie, wie oft das Wort Jazz im offiziellen Teil des Bundestages schon gefallen ist?

Nicht oft. Möglicherweise zum ersten Mal 1987 bei der Gründung des Bundes-Jugend-Jazzorchesters. Dann wieder 1994, im Zusammenhang mit Chick Corea und Scientology. Und dann wieder, als wir im Bundestag mit unseren Förderungsanträgen anfingen. Gut, vielleicht noch ein bisschen öfter, aber sicher nicht häufig. Übrigens sind viele Kollegen zunächst der Meinung gewesen, dass die Jazzförderung Aufgabe der Kommunen sei. Wir mussten einiges an Überzeugungsarbeit leisten, um Jazz quasi als Bundesanliegen durchzusetzen. Insofern haben wir da eine durchaus neue Debatte in Gang gebracht, und ich denke, dass wir die ersten Preise bald vergeben können.

Interview: Hans-Jürgen Linke

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