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Der israelische Premier fordert die Bundesregierung auf, dem Jüdischen Museum in Berlin die finanzielle Unterstützung zu streichen.

Jüdisches Museum

Israelische Künstler rügen "politische Zensur"

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Premier Benjamin Netanjahu gefällt eine Sonderausstellung des Jüdischen Museums in Berlin nicht. Er fordert daher Merkel auf, dem Museum die finanziellen Mittel zu streichen.

Mehr als sechzig israelische Kunstschaffende haben in einem offenen Protestbrief die Aufforderung ihres Premiers Benjamin Netanjahu an die Bundesregierung, dem Jüdischen Museum in Berlin finanzielle Mittel zu streichen, als Versuch der „politischen Zensur“ kritisiert. Wie erst kürzlich bekannt wurde, hatte Netanjahu im Oktober Kanzlerin Angela Merkel ein Papier überreicht, in dem moniert wird, die Sonderausstellung des Museums „Welcome to Jerusalem“ gebe „hauptsächlich das muslimisch-palästinensische Narrativ“ wieder.

Ebenso enthält das Dokument Beschwerden über die Unterstützung deutscher Hilfswerke sowie der Heinrich-Böll-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung für besatzungskritische NGOs, die „anti-israelische Aktivitäten befördern“. Dass dies nun auch dem Jüdischen Museum unterstellt wird, weil es angeblich häufig Protagonisten der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestionen und Sanktionen) zu Diskussionen einlade, sorgte unter liberalen Israelis für Empörung. 

Man nehme „schockiert“ zur Kenntnis, heißt es in dem Schreiben der Kulturschaffenden, das der FR vorliegt, wie in „unaufrichtiger und irreführender Weise“ Vorwürfe erhoben würden. Man sehe dies als „Teil einer umfassenderen Kampagne von populistischen und ultrarechten Regierungen weltweit“, die darauf angelegt sei, kritisches Denken zum Schweigen zu bringen.

Zu den Unterzeichnern gehören mehrere mit dem renommierten Israel-Preis ausgezeichnete Künstler wie die Maler Micha Ullman oder David Tartakover, Museumskuratoren sowie bekannte Namen aus der israelischen Kunst-, Theater- und Filmwelt. Ihr Papier endet mit einem Appell an das politische Berlin und die deutsche Öffentlichkeit, sich der „unangemessenen Forderung“ der Netanjahu-Regierung zu widersetzen.

Bereits zuvor hatte sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters hinter das Jüdische Museum gestellt, das „auf sehr hohem wissenschaftlichen Niveau“ arbeite. Selbstbewusst reagierte das Museum. Man glaube, hieß es in einer Stellungnahme, „dass offener Dialog zu kontroversen Themen wichtig ist“. Dies ermögliche den Besuchern, „sich ein eigenes, differenziertes Urteil zu bilden“. Die bis zum 31. April verlängerte Jerusalem-Ausstellung stößt auch deshalb auf große Publikumsresonanz, weil sie die Sichtweisen von Juden, Moslems und Christen auf die „heilige Stadt“ darstellt. Weiteres Thema ist die politische Brisanz Jerusalems, das von Israelis und Palästinensern als Hauptstadt beansprucht wird. 

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