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Die Schriftstellerin Sally Rooney möchte ihr neues Buch nicht ins Hebräische übersetzen lassen. (Archivbild)
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Die Schriftstellerin Sally Rooney möchte ihr neues Buch nicht ins Hebräische übersetzen lassen. (Archivbild)

BDS-Bewegung

Israel-Boykott: Autorin Sally Rooney sagt israelischem Verlag ab

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Die Autorin Sally Rooney will ihr neues Buch nicht ins Hebräische übersetzen lassen. Damit will sie den kulturellen Boykott an Israel unterstützen.

Frankfurt – Die irische Schriftstellerin Sally Rooney galt bislang als literarischer Superstar. Besonders unter den Generationen Z-Y hat die 30-Jährige viele Anhänger:innen, weil sie in ihren Büchern immer wieder die Lebensrealität junger Menschen aufgreift. So auch in ihrem neusten Buch „Schöne Welt, wo bist du“, das sowohl in den USA, in Großbritannien als auch in Deutschland auf der Bestsellerliste landete. Insgesamt wurde es bereits in zehn Sprachen übersetzt – Hebräisch gehört jedoch nicht dazu. Denn Rooney möchte die Übersetzungsrechte ihres Buchs nicht an einen israelischen Verlag verkaufen.

Verschiedene Medien berichteten, dass Rooney die Anfrage des israelischen Verlags Modan Publishing House abgelehnt hat. Der Verlag hatte zuvor bereits ihre ersten beiden Romane („Gespräche mit Freunden“ und „Normale Menschen“) in Israel auf den Markt gebracht. Zuerst hatte die israelischen Zeitung Haaretz über den Vorfall berichtet, der Verlag bestätigte später die Verlagsabsage der Autorin.

Israel-Boykott: Autorin Sally Rooney will ihr Buch nicht ins Hebräische übersetzen lassen

In einer Erklärung am Dienstag (12.10.2021) gab Rooney bekannt, dass der Grund ihrer Verlagsabsage ihre Unterstützung der BDS-Bewegung sei. Die Abkürzung BDS steht für „Boycott, Divestment and Sanctions“ – eine Bewegung, die international zu Boykottaktionen gegen Israel aufruft. Begonnen hatte die Kampagne bereits 2005.

Damals hatten knapp 170 palästinensische Organisationen Menschen aus der Politik, Wirtschaft, der Wissenschaft, Kultur und aus dem Sport dazu aufgefordert, ihre Auftritte, Investitionen oder wissenschaftlichen Kooperationen mit Israel zu beenden, so die Tagesschau.

Sally Rooney möchte ihr Buch „Schöne Welt, wo bist du“ nicht ins Hebräische übersetzen lassen, weil sie sich mit der BDS-Bewegung solidarisiert.

Israel-Boykott: Sally Rooney solidarisiert sich mit BDS-Bewegung

Ronney begründete ihre Entscheidung unter anderem mit einem Bericht der US-amerikanischen Organisation Human Rights Watch. Dieser bestätige, dass Israels System die Definition von Apartheid nach internationalem Recht erfüllen würde, so Rooney in ihrer Erklärung laut Haaretz. Eine Übersetzung ins Hebräische schloss Rooney nicht endgültig aus. Allerdings wolle sie die Rechte dafür nur dann vergeben, wenn dies in Übereinstimmung mit den Boykott-Richtlinien der BDS-Kampagne passiere.

„Ich verstehe, dass nicht jeder mit meiner Entscheidung einverstanden ist, aber ich halte es unter den gegenwärtigen Umständen einfach nicht für richtig, einen neuen Vertrag mit einem israelischen Unternehmen zu akzeptieren, das sich nicht öffentlich von der Apartheid distanziert und die von der UNO festgelegten Rechte des palästinensischen Volkes unterstützt“, äußerte Rooney laut Haaretz.

BDS-Bewegung ist umstritten – Forschende stufen Kampagne als antisemitisch ein

Einige BDS-Aktivist:innen, so auch Rooney laut ihrem Statement, vergleichen die Situation arabischer Bürger:innen in Israel mit der Apartheid in Südafrika. Arabische Israelis stellen mit rund 21 Prozent eine Minderheit in Israel dar. Viele von ihnen fühlen sich bei der Jobvergabe oder bei der Ausbildung benachteiligt, auch wenn sie offiziell die gleichen Rechte und Pflichten wie jüdische Israelis haben, so die Tagesschau.

Auch in Deutschland ist BDS aktiv und sorgt immer wieder für Diskussionen. Einige Antisemitismus-Forscher:innen ordnen die Ziele der Kampagne als antizionistisch und antisemitisch ein. Auch die Parlamente und Regierungen von Deutschland, Österreich und Tschechien haben die BDS-Kampagne als antisemitisch eingestuft. Andere Wissenschaftler:innen halten Israelboykotte an sich nicht für antisemitisch, sondern sehen darin lediglich eine Kritik an Israels Regierung.

Nach BDS-Solidarisierung: Twitter-User wollen Sally Rooney boykottieren

Rooneys politische Haltung zu Israel kommt jedoch keinesfalls aus dem Nichts. Im Juli, kurz nach der militärischen Eskalation im Gazastreifen, unterzeichnete sie zusammen mit Tausenden Künst­le­r:in­nen eine Petition, in der sie Israel der „Apartheid“ beschuldigte. Auch unterstützte sie schon zuvor die BDS-Bewegung.

Besonders auf Twitter sorgt die Entscheidung von Sally Rooney derzeit für Aufsehen. Mit dem Hashtag „#boycottsallyrooney“ drücken zahlreiche Nutzer:innen ihre Empörung aus und fordern dazu auf, Sally Rooneys Literatur selbst zu boykottieren. Auch wird kritisiert, dass die Schriftstellerin kein anderes Land, dem Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, boykottieren würde, sondern nur Israel – was ihren Antisemitismus offenbaren würde.

Kritik an Sally Rooney: Kultureller Boykott sei nicht der richtige Weg

Auch die israelische Literaturwissenschaftlerin Gitit Levy-Paz äußerte im jüdischen Online-Forum forward.com Kritik gegenüber Rooney. Es stehe außer Frage, dass die Autorin das Recht habe, ihre Meinung zu äußern. Ein kultureller Boykott sei aber nicht der richtige Weg. „Rooneys Entscheidung hat mich überrascht und traurig gemacht. Ich bin eine jüdische und israelische Frau, aber ich bin auch eine Literaturwissenschaftlerin, die an die universelle Kraft der Kunst glaubt“, schreibt Levy-Paz. Diese universelle Kraft werde durch Rooneys Entscheidung, eine Gruppe von Leser:innen aufgrund ihrer nationalen Identität auszuschließen, zunichte gemacht.

Zudem erinnerte die Literaturwissenschaftlerin an frühere Boykotte, die sich gegen Juden und Jüdinnen richteten: „Es wird nicht immer daran erinnert, aber einer der ersten Schritte des Naziregimes in Deutschland war die Einführung eines Boykotts gegen jüdische Geschäfte.“ Levy-Paz wolle nicht sagen, dass Rooney antisemitisch sei. Schaue man sich aber die gehäuften Fälle von Antisemitismus in den letzten Jahren an, vor allem in Europa, sei der Zeitpunkt ihres Boykotts gefährlich. Erst vor kurzem schilderte der jüdische Sänger Gil Ofarim von einem antisemitischen Vorfall in einem Leipziger Hotel. (Anna Charlotte Groos)

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