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Der iranische Holocaustleugner-Wettbewerb

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Von: Martin Gehlen

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Der neuerliche Wettbewerb für Karikaturen, die den Holocaust leugnen, wird dem Iran schaden - das weiß auch  Irans Außenminister  Mohammad Javad Zarif.
Der neuerliche Wettbewerb für Karikaturen, die den Holocaust leugnen, wird dem Iran schaden - das weiß auch Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif. © rtr

Das judenfeindliche Zeichnertreffen schadet dem internationalen Ansehen des Iran und der Entspannungspolitik des moderaten Präsidenten Hassan Rohani. Die Hardliner bündeln alle Kräfte, um seine Wiederwahl zu verhindern.

Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif reagierte gereizt. „Betrachten Sie den Iran nicht als Monolithen. Die iranische Regierung unterstützt oder organisiert nicht ein Karikaturenfestival dieser Art“, polterte er kürzlich im Interview mit dem „New Yorker“, als er nach dem neuerlichen Wettbewerb zur Leugnung des Holocaust in seinem Land gefragt wurde. Verantwortlich dafür seien NGOs, die nicht von der iranischen Regierung kontrolliert würden, erklärte er. Auch die US-Regierung werde schließlich nicht haftbar gemacht für rassistische Hassorganisationen wie den Ku Klux Klan.

Zarif weiß, das von Hardlinern für Juni ausgelobte judenfeindliche Zeichnertreffen wird dem internationalen Ansehen der Islamischen Republik schaden und die Entspannungspolitik des moderaten Präsidenten Hassan Rohani belasten. Das Gleiche gilt für die jüngsten demonstrativen Raketentests der Revolutionären Garden, die Israel von iranischem Territorium aus erreichen können. Und so machte Rohani letzte Woche offen Front gegen israelfeindliche Propaganda. In einem Brief an Revolutionsführer Ali Khamenei verlangte er, die Aufschrift „Tod für Israel“ müsse von allen iranischen Raketen entfernt werden.

Der erste Karikaturenwettbewerb 2006 war eine Idee von Vorgängerpräsident Mahmud Ahmadinedschad, ein Antisemit und Israelhasser, der den Holocaust als Fiktion ableugnet. Damals gingen 1100 Beiträge aus 60 Ländern ein, darunter von bekannten rechtsextremen Zeichnern.

Ahmadinedschad läuft sich bereits warm

Organisatoren waren das iranische Haus der Karikaturen, welches von der Stadt Teheran finanziert wird, sowie die Zeitung „Hamshahri“, dem offiziellen Sprachrohr der Stadtverwaltung. 2015 beim zweiten und jetzt 2016 beim dritten Karikaturenwettbewerb führen neben dem Haus der Karikaturen auch das Owj- und Sarsheshmeh-Kulturzentrum Regie, die beide von den Revolutionären Garden und den gefürchteten Basij-Milizen finanziert sind.

Gab es 2015 noch 12.000 Dollar für den Sieger, sollen es in diesem Jahr 50.000 Dollar sein. Gezeigt werden die Siegerblätter auf der 11. Karikaturen-Biennale in Teheran, die das Ministerium für Kultur und Islamische Führung ausrichtet.

Parallel dazu schrieb in diesem Jahr auch der Islamische Studentenverband der Universität Isfahan einen Holocaust-Karikaturenwettbewerb aus, was bei der deutschen Partneruniversität in Freiburg auf scharfe Kritik stieß. Das Preisgeld sind 35 Dollar. Die Karikaturen sollten das „falsche Szenario des Holocaust“ entlarven, heißt es in der Ankündigung, über der ein judenfeindliches Plakat zu sehen ist.

„Diese Aktion birgt die Gefahr, den jahrelang aufgebauten vertrauensvollen Dialog zwischen unseren Universitäten nachhaltig zu beschädigen“, schrieb Freiburgs Rektor Hans-Jochen Schiewer an seinen Isfahaner Amtskollegen und forderte ihn auf „sich dringend von diesem, die Opfer des Naziregimes verachtenden Wettbewerb zu distanzieren“.

Für die Regierung Rohani, die vor drei Monaten mit dem Atomvertrag das Fundament für die Rückkehr Irans in die Staatengemeinschaft legen konnte, ist die von ihren Gegnern angezettelte neuerliche Holocaust-Kontroverse eine schwere Hypothek. Die Hardliner, die bei den Wahlen zu Parlament und Expertenrat im März deutliche Verluste erlitten, wollen keine Liberalisierung der Gesellschaft und keinen Ausgleich mit dem Westen. Ihre paramilitärischen Revolutionsgardisten haben an den Sanktionen glänzend verdient. Und so bündeln sie jetzt alle Kräfte, um eine Wiederwahl Rohanis im Juni 2017 zu verhindern.

Der Kampf um die nächste Präsidentenwahl hat begonnen. Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad läuft sich bereits warm. In der irakisch-iranischen Grenzstadt Shalamcheh und am Kaspischen Meer hielt er erste Kundgebungen ab – frenetisch bejubelt von den Zeitungen der Revolutionären Garden.

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