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Apple

Mit dem iPhone gegen die Gratis-Mentalität

Apple hat mit seinem iPhone den Handymarkt umgekrempelt - und nun schickt sich der mobile Alleskönner an, auch die Medienbranche zu verändern.

Atlanta. Apple hat mit seinem iPhone den Handymarkt umgekrempelt - und nun schickt sich der mobile Alleskönner an, auch die Medienbranche zu verändern.

Denn immer mehr Unternehmen entdecken das Smartphone als Plattform, um ihre Artikel, Fotos und Videos zu verkaufen, statt sie wie bislang zu verschenken. Der amerikanische TV-Sender CNN und das britische Magazin "The Spectator" zeigen nun, wie Vertriebsmodelle auf dem iPhone und dem Multimedia-Spieler iPod aussehen könnten.

Dass beide Unternehmen auf Apples Design-Geräte setzen, ist kein Zufall. Mehr als 50 Millionen Nutzer weltweit tragen sie bereits jeden Tag mit sich herum - und gerade diese Kundengruppe gilt als spendabel. Jeder iPhone-Besitzer hat etwa laut einer internationalen Studie 65 Zusatzprogramme - Apps - heruntergeladen, die insgesamt 85 Dollar (rund 58 Euro) kosten. In Deutschland dürfte die Summe ähnlich hoch sein. So scheut sich der Konzern aus Cupertino auch nicht, in ganzseitigen Zeitungsanzeigen für sein Edelhandy kostenpflichtige Gadgets anzupreisen.

Der Apple-Weg bietet weitere Vorteile: Der iTunes App Store genannte Laden für die Mini-Programme ist simpel zu bedienen. Sämtliche Einkäufe wickelt der US-Konzern bequem über das bereits eingerichtete Nutzerkonto ab - nicht ohne seine 30 Prozent Provision abzuziehen. Mit dem letzten Update ist die iTunes-Software vollends zum Zeitungskiosk geworden: Anbieter können nun Abos verkaufen und innerhalb der Applikationen zusätzlich Geld verlangen. Dies ist bei Konkurrenten - etwa dem Android Market für Handy mit dem Google-Betriebssystem oder Nokias Ovi Store - noch nicht möglich.

Diese Neuerung nutzt der britische "Spectator" aus und überträgt sein Geschäftsmodell aus der analogen in die digitale Welt: Das publizistische Urgestein verkauft die Applikation für rund 0,7 Pfund (0,65 Euro). Für jede Ausgabe des Wochenmagazin verlangt es den gleichen Betrag. Und wie im gedruckten Blatt gibt es auch auf dem Handy Werbung - neu ist nur, dass Nutzer mit einem Fingerzeig Telefonnummern aus der Anzeige direkt wählen können.

Der Verlag, der auch den "Daily Telegraph" herausbringt, gehört damit zu den Pionieren in Sachen Online-Abos. Unter den großen Medienkonzernen schafften es bislang nur das "Wall Street Journal" und die "Financial Times", ihre Wirtschaftsnachrichten gegen Gebühr zu verkaufen - aber die zahlen oft nicht die Nutzer selbst, sondern der Arbeitgeber. Daher dürften viele Medienhäuser gespannt abwarten, ob das Experiment funktioniert.

CNN setzt dagegen auf eine Mischform: Das Programm kostet einmalig zwei Dollar (rund 1,40 Euro) - wer es einmal installiert hat, kann beliebig oft Artikel, Fotos und Videos auf sein iPhone holen. "Die Entwicklung kostet Geld", sagt KC Estenson, Chef der Online-Sparte CNN.com. "Wir haben ein Geschäftsmodell, das uns ermöglicht, in die Zukunft zu investieren." Dazu gehören auch Werbeclips, wie Zuschauer sie aus den Unterbrechungen des Fernsehprogramms kennen dürften.

Das CNN-Programm ist mehr als ein schicker Rahmen um altbekannte Inhalte. Die Time-Warner-Tochter lässt Nutzer beispielsweise auch eigene Videos auf seine Mitmach-Seite iReport hochladen. Das Handy wird so zum Werkzeug für Bürgerjournalisten.

Auch in Deutschland vermarkten Medienunternehmen ihre Apps gegen Geld. So verlangt das niederländische Nachrichtenportal nu.nl für seinen deutschen Ableger "Dnews Premium" 1,60 Euro, eine abgespeckte Variante der News-Anwendung ist kostenlos.

Die entscheidende Frage lautet für alle: Wie viele Nutzer geben für etwas Geld aus, das sie woanders umsonst bekommen? Gerade bei aktuellen Nachrichten ist die Konkurrenz groß. Renommierte US- Medien wie die "New York Times" bieten Gratis-Programme fürs iPhone an, und auf zahlreichen Web-Portalen gibt es "Breaking News" und Analysen ohnehin kostenlos - Multimedia-Handys laden sie in Sekunden auf den Schirm.

Je exklusiver, desto wertvoller - dass die Formel stimmt, zeigen Sport-Nachrichten. Zahlreiche Fußball-Fans investieren in Apps, die ihnen Live-Ticker oder Aktuelles rund um ihre Stars liefern - teils sogar fünf bis sechs Euro. Der Beweis, dass sich auch Nachrichten per Internet oder Handy verkaufen lassen, steht noch aus. (dpa)

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