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Auf dem Podium (von links nach rechts): Barbara Determann (Autorenbuchhandlung Marx&Co), Matthias Altenburg (Autor), Moderation Marion Tiedtke (Schauspiel FFM), Michael Ridder (Journalist) und Michael Herl (Autor).

Hessischer Rundfunk 

Die Reform von HR2 treibt die Menschen auf die Barrikaden

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In der Deutschen Nationalbibliothek wird über den Umbau des Radiosenders  hr2-Kultur diskutiert - und zwar heftig.

Es ist ein Abend voller Emotionen, voller Aggressionen auch. Mehr als 400 Menschen drängen sich im überfüllten Saal der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt. Es ist die angekündigte Reform des Senders hr2-Kultur, die sie auf die Barrikaden treibt. Es wird aber mehr spürbar in diesen Stunden. Eine Trauer über das „allgemeine Verkommen der Wichtigkeit von Kultur“, wie es Michi Herl formuliert, nicht nur mit seinem Stalburg-Theater seit langem als engagierter Kritiker deutscher Verhältnisse bekannt.

Mehr als 10.000 Menschen haben mittlerweile eine Petition gegen die Pläne der HR-Führung mit hr2 unterschrieben. Intendanz und Programmdirektion reagieren auf die sinkende Zahl von Hörerinnen und Hörern und wollen die Reichweite der Sendungen über Online-Formate erhöhen. Alf Mentzer, seit zwei Jahrzehnten profilierter Kulturjournalist und Mitglied der HR-Arbeitsgruppe für die Reform, formuliert es so: „Wir versuchen, über digitale Angebote ein Publikum zu finden, das hr2 nicht einschaltet.“

HR2: Lauter Protest gegen Reformpläne

Aber das will an diesem Abend niemand hören, Mentzer hat einen absolut schweren Stand. Zwischenrufe wie „Berliner Flughafen“ oder „Stuttgart 21“ aus der wütenden Menge treffen und irritieren ihn: „Man kann natürlich alles mit allem vergleichen.“

Mentzer beteuert: „Hr2 wird nicht abgeschafft und wird auch keine Klassikwelle!“ Viele Menschen brächten aber die Bereitschaft für lange Wortbeiträge nicht mehr auf. Mentzer definiert die Zielgruppen der hr2-Reform, zum Beispiel „zielstrebige Junge“ oder „moderne Etablierte bis 47“.

Andreas Maier oder Eva Demski bekunden Solidarität mit HR-Reformgegnern

Höhnische Zwischenrufe, Gelächter. Der 80-jährige Wolfram Schütte, legendärer FR-Feuilletonredakteur und einer der Initiatoren der Petition, muss immer wieder an sich halten. Viele Autorinnen und Autoren sitzen im Publikum, um ihre Solidarität zu bekunden: Andreas Maier etwa oder Eva Demski.

Im Publikum saß auch Schriftstellerin Eva Demski (Mitte).

Auf dem Podium bricht sich die Sorge Bahn um den Niedergang des „Qualitätsjournalismus“, wie ihn Barbara Determann von der Autorenbuchhandlung Marx&Co beschwört. „Ein Podcast ersetzt nicht das Radioprogramm“, sagt die Buchhändlerin. Gerade kleine Buchhandlungen seien auf hr-Kultur und die Wortbeiträge dort angewiesen, auf legendäre Sendungen wie „Doppelkopf“ oder „Der Tag“.

Michi Herl: „Scheiß-HR“

Schriftsteller Matthias Altenburg droht, sein Auto zu verkaufen, „weil ich es nur brauche, um hr2-Kultur zu hören“. Er fordert: „Ich will, dass meine Neugier geweckt wird, nicht meine Faulheit genährt.“ Altenburg stellt auch den Zusammenhang her mit dem Erstarken des Rechtspopulismus und Rechtsextremismus: „Der Kampf ist eröffnet, für den Kampf brauchen wir hr2-Kultur.“

EPD-Redakteur Michael Ridder wirft der HR-Führung vor, schon bei der Vermittlung ihrer Reformpläne „alles falsch gemacht“ zu haben. „Man hätte die Leute mitnehmen müssen.“ Ridder sieht ARD und ZDF insgesamt „in einer großen Legitimitätskrise“.

Michi Herl beginnt seine Rede mit dem Ausruf „Scheiß-HR!“ und erinnert daran, dass er vor 14 Jahren vom Sender entlassen worden sei, „nach 1000 Sendungen Late Lounge“. Herl fordert, insbesondere die freien Journalisten des Senders besser zu bezahlen und so die Qualität zu erhöhen.

Beifall für die HR-Reformkritiker

Der Abend macht deutlich: Es gibt ein grundlegendes Misstrauen gerade bei vielen älteren Menschen gegen die Veränderungen, die mit dem Internet einhergehen. Immer wieder wird Alf Mentzer aus dem Publikum mit der Frage konfrontiert: „Warum muss das sein?“ 

Marion Tiedtke, die stellvertretende Intendantin von Schauspiel Frankfurt und Moderatorin des Abends, betont zwar: „Wir wollen nicht das Rad zurückdrehen, wir sind nicht gegen Innovation.“ Aber sie berichtet auch von ihren negativen Erfahrungen, dass man „die Sinnhaftigkeit von Theater nur noch an Einschaltquoten misst“. Immer wieder großer Beifall für die Kritiker, über Stunden kämpferische Stimmung im Saal.

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