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hr-Sinfonieorchester in der Alten Oper: Leiden, Vergehen. Triumph

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Von: Bernhard Uske

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Andrés Orozco-Estrada. Andreas Arnold
Andrés Orozco-Estrada. Andreas Arnold © Andreas Arnold

Das hr-Sinfonieorchester mit schwebendem Brahms und aufbrausendem Strauss

Zwei der großen Chorwerke von Johannes Brahms, „Nänie“ und „Schicksalslied“, auf Texte von Friedrich Schiller und Friedrich Hölderlin waren der Rahmen des hr-Sinfoniekonzerts in der Alten Oper Frankfurt. Zweimal das in Worte gefasste Motiv menschlicher Vergeblichkeit sowohl gegenüber den Göttern als auch gegenüber der Schönheit, die beide idealiter in sich ruhen. Wobei das durch Brahms zu Klang gewordene Wort, was das Schöne betrifft, das Gegenteil bewies: schwebende Hymnik und partielle Klage in der dem Komponisten eigenen, gebändigten und von jeder Derbheit gereinigten olympischen Form.

Nur anfangs ein wenig blass

Andres Orozco-Estrada, der vormalige Chef des hr-Sinfonieorchesters, stand am Pult des Großen Saals und präsentierte einen leichten, teils schwebenden Brahms-Ton. Der Chor des WDR, bei Schillers „Nänie“ noch etwas blass wirkend, war beim „Schicksalslied“, das den Abend beschloss, in dessen schwebendem Gestus samt der finalen Klage ob menschlichen Leidens und Vergehens präsent.

Dagegen der Künstler als eine Art Gottmensch: das ist die frohe Botschaft, die Richard Strauss in seiner mächtigen musikalischen Paraphrase des „Also sprach Zarathustra“ von Friedrich Nietzsche verkündigt. Eine Botschaft nicht der verdrückten und weinerlichen Moral, sondern eine der Starken, die mit dem Willen zur Macht ausgestattet sind. Bei Strauss hat sich dieses Philosophem zu einem Kompositionsprinzip ausgeprägt, das als Analogie zur Philosophie des Leibes sich durch eine unmittelbare Geste, in instrumentaler Haptik und in vollklanglicher Plastizität darstellt.

Orozco-Estrada hatte zu Zeiten seiner Frankfurter Chefdirigententätigkeit schon Beweise seines Strauss-Zugangs vorgelegt. Jetzt setzte sich das Vermögen, Triumphales und reich Detailliertes zu verbinden, mit seinem ehemaligen Orchester perfekt fort. Dass dabei alles Tanzhafte, Aufbrausende, Tosende gelingt, war klar. Berückend aber, dass auch die stoische Ruhe in „Von der Wissenschaft“ oder dem „Grablied“ so genau durchgestaltet waren.

Ein vergleichsweise harmloses Werk solistischer Darstellung war dagegen Mieczyslaw Weinbergs Cellokonzert op. 43 (1948/56). Eher redundante, post-romantische Melodik mit einem im Gegensatz zu den beiden Cellokonzerten seines Freundes Schostakowitsch unterkomplexen Solo-Tutti-Verhältnis.

Soloist Edgar Moreau bot einen homogenen, unaufgeregten Ton, der seine kantable Sonorität sehr gut vermitteln konnte, während Dirigent und Orchester den getragenen Ton nicht noch mit Ballaststoffreichtum befrachteten.

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