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Daniel Craig im Film Cowboys & Aliens.

Neu im Kino

Hoffentlich wird das kein Trend

Eine bunte Genremischung kommt in dieser Woche in die Kinos. Fusionskino: „Cowboys & Aliens“ von Jon Favreau. Doch trotz Top-Besetzung leidet der Film an der mangelnden Inspiration des Machers - mit Trailer.

Von Anke Westphal

Dass James Bond auch im Wilden Westen eine gute Figur gemacht hätte, wird spätestens nach zehn Minuten klar. Kaum ist nämlich der amtierende Geheimagent 007, Daniel Craig, in seiner aktuellen Rolle als Jake Lonergan mitten in New Mexico aus einer unerklärten Bewusstlosigkeit erwacht, um eine Wunde an der Seite und ein seltsame Metallmanschette am Handgelenk zu beäugen, da macht er auch schon drei Skalp-Jäger nieder. Reine Notwehr: In den amerikanischen Weiten der 1880er-Jahre ringen Gesetzlosigkeit und Zivilgesellschaft bis aufs Blut miteinander. Die Mörder hatten einen hübschen, lieben Hund, und der bleibt nun bei Jake. Was gut ist; in rauen Zeiten hilft es, einen Gefährten zu haben.

Jake Lonergan steht im Mittelpunkt von Jon Favreaus neuem Blockbuster. Der heißt „Cowboys & Aliens“, und wer jetzt glaubt, im Kino für den Preis eines Tickets das Beste beider Welten zu bekommen, wird sich getäuscht sehen. Dieser Film führt zwar zwei Genres, den Western mit dem Science-Fiction-Film zusammen, und er zeigt Aliens ebenso wie Cowboys. Allein: Wozu?! Warum tut er das, wenn man sich mit dem Ergebnis zwei Stunden langweilt? Weil Hollywood seit einiger Zeit sämtliche Comics plündert, die je eine Fangemeinde hatten. Vor einigen Jahren haben nämlich ein paar Studiochefs und ihre Marketingleute festgestellt, dass da noch etwas zu holen wäre – bei Stoffen, die bereits durch populäre Buchvorlagen einen hohen Wiedererkennungs- und Anschlusswert beim Publikum genießen. „Cowboys & Aliens“ basiert auf Scott Mitchell Rosenbergs gleichnamigem Comic.

Uninspiriert inszeniert

Es ist die siebte Comic-Verfilmung, die in diesem Sommer startet. Die Crux dieses filmischen Pendants zum Fusion-Food in den hippen Restaurants ist indes weniger die Vorlage als der Regisseur. Jon Favreau hat bereits mit den „Iron Man“-Filmen eine Comicvorlage auf Blockbuster-Format aufgepumpt. Und wer „Iron Man 2“ wirklich bis zum Ende durchgesessen hat, weiß, wie bestürzend uninspiriert Favreau inszenieren kann. Hier beweist er das gleich zu Beginn, mit einer Szene, in welcher der Reverend eines Westerstädtchens mit dem verheißungsvollen Namen Absolution Jakes Wunde mit dem damals beliebtesten Desinfektionsmittel begießt: Whiskey. Ohne jeden Sinn für den Witz der Situation zeigt Favreau nur immer wieder die Beteiligten, die Flasche und ein Kreuz.

Jake hat sein Gedächtnis verloren. Kurze Flashs, Bilder, die er nicht zu deuten weiß, quälen ihn, ohne dass er seiner Amnesie nachgehen kann. Denn in Absolution ereignen sich seltsame Dinge. Jake hat kaum den tyrannischen Sohn des Orts-Zampanos, Colonel Dolarhyde, außer Gefecht gesetzt, da greifen auch schon seltsame Flugobjekte an. Sie streuen Feuer und töten oder entführen die Einheimischen, sofern die sich nicht verstecken.

Typische Western-Allianz

Das ist die Grundlage einer Allianz, die nahezu jeder Western kennt: Rechtschaffene Bürger, moralisch ambivalent erscheinende Gestalten und echte Outlaws verbünden sich gegen eine Gefahr, die sie alle bedroht. In „Cowboys & Aliens“ muss nun Dolarhyde die Rechnung erst einmal beiseite legen, die er mit Jake aus früheren Zeiten offen hat. Gemeinsam ziehen sie los, begleitet von dem noch unbeholfenen, aber mutigen Arzt des Städtchens, einem Knaben und anderen Einheimischen auf der Suche nach ihren entführten Angehörigen.

Früher machte eine solche Gemeinschaft Front gegen feindliche Indianerstämme. In diesem Film müssen sich die Männer nun nicht nur mit Banditen, sondern auch mit den Apachen verbünden im Feldzug gegen eine Vorhut von Aliens, die in ihren Flugschiffen auf die Erde gekommen ist, um die Schwächen der Menschen zu studieren und die eigenen Ressourcen zu stärken.

Woher jemand kommt – das konstituiert im Western meist schon die Geschichte. Die Aliens hier für die Science-Fiction-technisch unbedarften Frontier-Pioniere identifizierbar zu machen, ist die Aufgabe der schönen Ella – Olivia Wilde wurde als bisexuelle Ärztin in der Fernsehserie „Doctor House“ bekannt; hier plagt sie sich durch ihre erste Kinohauptrolle: als Außerirdische, deren Volk bereits von den Aliens ausgelöscht wurde. Ella hat Menschengestalt angenommen, um den Leuten aus Absolution beizustehen. Und während die zu heroischen Protagonisten einer neuen gemeinsamen Geschichte werden, erhellt sich auch das Dunkel von Jakes Vergangenheit.

Hochklassige Besetzung

Jake wird dann auch noch eine Art Superheld mit seiner Metallmanschette, die sich als Wunderwaffe erweist – eine Fortentwicklung des guten alten Colt. Flugobjekte fallen auf die Erde und explodieren; Alienkörper platzen; Riesenkrallen schlitzen Menschen auf. Zweimal greifen schleimige Monster nach einem kleinen Jungen. Man sieht es ohne Bewegtheit. Effekte schließen nicht die logischen Lücken in der Erzählung. Warum kann Ella aus Feuer auferstehen, hat aber keine Außerirdischen-Waffen? Warum ist Jakes Hund, der doch offenbar von einem Alien getötet wurde (man hört sein panisches Winseln abbrechen), plötzlich wieder da?

Die verschiedenen Seinsperspektiven – Weiße, Indianer, Außerirdische – bleiben esoterisches Dekor. Der Film ist allerdings hochklassig besetzt: Mit Daniel Craig spielen unter anderem Harrison Ford, Sam Rockwell, Paul Dano, Keith Carradine. Das war keine gute Karriereentscheidung.

Cowboys & Aliens USA 2011. 118 Minuten, FSK o.A. Ab Donnerstag im Kino.

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