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Aleida Assmann kritisiert Robert Menasse scharf.

Reaktion auf Menasse

Historisch falsch und moralisch anstößig

Aleida Assmann und Johann Hinrich Claussen kritisieren Robert Menasse wegen seiner Fälschungen.

Die Kulturwissenschaftlerin und Friedenspreisträgerin Aleida Assmann hat den Fall Menasse als „Denkzettel“ für die Linke und bürgerliche Intellektuelle bezeichnet, die sich nach 1968 nicht um den Begriff der Nation gekümmert hätten. Auch hätten sie sich nicht mit diesem Begriff identifiziert, sagte Assmann der „Welt am Sonntag“. Sie selbst zähle sich dazu. Assmann appellierte an die bürgerliche Mitte, sich dringend mit ihrem Verhältnis zur „demokratischen Nation“ auseinanderzusetzen und dies nicht Rechtsradikalen zu überlassen.

Der österreichische Autor Robert Menasse steht in der Kritik, weil er Zitate des Europapolitikers Walter Hallstein (1901-1982) erfunden hat und dessen Antrittsrede als erster europäischer Kommissionschef 1958 nach Auschwitz verlegt hat – nicht nur im Roman, sondern auch in Reden und Essays (siehe gegenüberliegende Seite).

„Es ist symptomatisch für unsere Gesellschaft, dass viele Deutsche mit dem Begriff der Nation nichts anfangen können“, sagte Aleida Assmann. „Wenn wir Europa retten und stärken wollen, müssen wir dringend anfangen, über unser Verhältnis zur demokratischen Nation zu sprechen. Aufgrund unserer Geschichte haben es die Intellektuellen nicht vermocht, zu einem positiven Nationen-Begriff zurückzukehren, der mit unserer Verfassung, Gewaltenteilung, Menschenrechten und gerade auch mit kultureller Vielheit verbunden ist.“ Dies seien alles „Dinge, die wir täglich genießen, ohne sie uns bewusst zu machen und wert zu schätzen – wie lange noch?“ fragte Assmann, die im vergangenen Herbst zusammen mit ihrem Mann, dem Ägyptologen Jan Assmann, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt.

Der evangelische Kulturbeauftragte Johann Hinrich Claussen wirft Menasse „Holo-Kitsch“ vor. Dessen Behauptung sei eine „geschmacklose Auschwitz-Erfindung“, sagte Claussen dem Evangelischen Pressedienst in Frankfurt. Sie sei historisch falsch, moralisch anstößig, weil sie den Holocaust instrumentalisiere, und ästhetisch nicht überzeugend. Daher habe Menasse auch wenig Anlass, andere Leute zu kritisieren, sagte Claussen mit Blick auf Menasses Beitrag in der „Welt“, wo der Autor sich zwar für die angeblichen Zitate entschuldigt, den Deutschen in Bezug auf die Positionen Hallsteins aber erneut Vergesslichkeit vorwirft und von „künstlicher Aufregung“ spricht. (dpa/epd)

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