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Carlo Chatrian.
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Carlo Chatrian.

Festival von Locarno

Hinter dem Rampenlicht

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Carlo Chatrian, der künftige Chef der Berliner Filmfestspiele, und sein Festival von Locarno.

Eine „herausragende kuratorische Persönlichkeit, die für das Kino brennt“ hatte sich eine große Gruppe deutscher Filmschaffender gewünscht, die sich im vergangenen Jahr mit einem Aufruf an Kulturstaatsministerin Monika Grütters wandte. Es sieht so aus, als sei sie nun gefunden. Der 46-jährige Italiener Carlo Chatrian soll zum Festival 2020 offenbar der Nachfolger von Dieter Kosslick werden. Das berichteten zuerst die Zeitungen „B.Z.“ und „Bild“ unter Berufung auf Kreise des KBB, der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin. 

Chatrian, der seit 2012 das Festival im Schweizerischen Locarno leitet, ist das denkbar deutlichste Gegenmodell zu Dieter Kosslick. Ein zurückhaltend, aber hoch seriös auftretender Filmliebhaber und Filmvermittler, ein Cinephiler mit Herz und Verstand. Aus dem Rampenlicht macht er sich wenig, seinen Platz sieht er nach eigenem Bekunden eher hinter den Künstlern.

Gleichermaßen in der Filmgeschichte wie in der aktuellen Avantgarde zu Hause, kuratierte er Retrospektiven mit wissenschaftlichem Forschergeist und Wettbewerbe voller Experimente. Unter seiner Amtszeit zeigte Locarno 2016 – in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filminstitut – die bedeutende Schau zum deutschen Nachkriegskino, „Geliebt und verdrängt“. Im Wettbewerb setzte er bewusst auf Künstler außerhalb des etablierten Kinobetriebs wie etwa den Gewinner von 2014, den Philippinen Lav Diaz. 338 Minuten dauert sein mythisches Geschichtspanorama „From What Is Before“. Erst zwei Jahre später entdeckte auch Kosslicks Berlinale diesen wichtigen Vertreter eines Kinos der Langsamkeit.

Dass Carlo Chatrian noch im vergangenen Jahr in einem Zeitungsinterview erklärte, er halte die Berlinale zwar für eines der spannendsten Festivals, sehe sich aber nicht in der Rolle ihres Leiters, sollte jetzt nicht irritieren. Beide Festivals haben ein freundschaftliches Verhältnis, Kosslick ist dort gern zu Gast, seine Pressechefin arbeitet auch für Locarno. Beste Voraussetzungen für einen reibungslosen Übergang. Man kann nur hoffen, dass der glamour-hungrige Berliner Boulevard ihm nicht schon vorab das Leben schwer macht.

Stars waren in Locarno nämlich fast nur außerhalb des Wettbewerbs zu sehen. Beides zusammen zu bringen, fällt sogar dem Festival in Cannes von Jahr zu Jahr schwerer. Die Alternative kann nur lauten: Die Qualität der Filme muss das einzige Kriterium für den Wettbewerb sein. Die war zwar auch in Locarno stets durchwachsen, aber immerhin gibt es dort Extreme, die es sonst nirgends gibt. Spießige Arthouse-Unterhaltung zeigt man dort allerdings genauso – allerdings außerhalb der Qualifikation, auf der großen Piazza mit ihren 8000 Plätzen. Das wird dann wohl auch der künftige Weg der Berlinale sein: Nicht alles auf einem Haufen, sondern ein kuratiertes Programm, das für die ganze Spannbreite des Bewegtbilds adäquate Plätze findet. 

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