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Lutz von Schulenburg ist Verleger der Edition Nautilus.

Buchverleger Lutz Schulenburg

"Hindernis des Konsums"

Das Urheberrecht sichert die Existenz vieler Künstler. Warum sollten künstlerische Erzeugnisse dann kostenlos sein?

Von Lutz Schulenburg

Wieso sollen künstlerische Erzeugnisse kostenlos sein, während sonstige Waren und Dienstleistungen bezahlt werden müssen? Nur weil die technischen Möglichkeiten vervielfachter Zirkulation den Konsum von Bildern und Texten erleichtern, soll das Urheberrecht aufgehoben werden, während alle sonstigen Eigentumsrechte und Produktionsbedingungen, die eine kapitalistische Gesellschaft ausmachen, unangetastet bleiben.

Das „Urheberrecht“ hilft, die Existenz kleinteiliger Kulturproduzenten zu sichern – daneben kann jeder Musiker, Schriftsteller, bildende Künstler, Fotograf, Filmemacher etc. seine Werke auch kostenlos ins Netz stellen oder auf einem anderen Weg verschenken.

Diese ganze Debatte um das „Urheberrecht“ folgt meiner Meinung nach den technologischen Allmachtsvorstellungen im Dienst einer konsumistischen Verblendung. Für den von Waren-Codes umgebenen Menschen gibt es weder Geschichte noch Grenzen, sondern nur die Wiederholung der Gegenwart. Der Konsument vergiftet das individuelle Leben, zerstört die Differenz, das Vielfältige. 24 Stunden im Dienst, ist der Konsument die Antriebsenergie für die Ausplünderung der Ressourcen des Planeten.

Die Abschaffung der „Urheberrechte“ als ein Hindernis des ungebremsten Konsums ist kein Weg in die Kostenlosigkeit, im Gegenteil, es handelt sich um die Beseitigung eines Hindernisses oder einer Störung bei der Ausweitung ökonomischer Verwertungsmöglichkeiten.

Mit der Fokussierung auf das „Urheberrecht“ wird die Existenzgrundlage von künstlerischen Produzenten, die immer eine marginale Produzentengruppe waren, angegriffen, während die weiterreichenden Patent- und Markenrechte, um die es bei Acta vornehmlich geht und die im Zentrum einer gesellschaftlichen Kritik stehen sollten, im Netzrauschen maulender Konsumenten nach einem digitalen Schnäppchenmarkt verschwinden. Die ästhetische Erfindung schließt den passiven Konsum aus, sie vervielfacht dagegen künstlerische Praxis und kritisches Wissen. Genauso wie die noble Idee der Kostenlosigkeit der Vorschein eines Gemeinwesens sein sollte, in dem Kooperation und nicht mehr Kauf und Verkauf im Mittelpunkt des Lebens steht.

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