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Die High Society geizt nicht beim Opernball

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Der Opernball ist das gesellschaftliche Großereignis der Wiener High-Society. Viele Promis nutzen den Auftritt auf dem Parkett, um mal wieder von sich Reden zu machen.
Der Opernball ist das gesellschaftliche Großereignis der Wiener High-Society. Viele Promis nutzen den Auftritt auf dem Parkett, um mal wieder von sich Reden zu machen. © dpa

Niki Lauda ist am Start, aber auch Brigitte Nielsen und Ban Ki Moon. Im Opernhaus am Wiener Ring heißt es wie jedes Jahr: „Alles Walzer“.

Von Bernhard Baumgartner

Österreich im Februar 2012: In ganz Europa wird ein Sparpaket nach dem anderen geschnürt und die Ratingagenturen kommen mit den Downgrading-Walzer gar nicht mehr nach – da ist Sparen und Maß halten angesagt. Doch während andernorts die Sparstifte glühen, macht man sich in der Wiener Staatsoper bereit, die Schulden-Krise einfach wegzutanzen. Denn der Wiener Opernball, der am Donnerstagabend über die Bühne geht, kennt keine Krise.

Ball ist schon seit Monaten ausverkauft

Der Ball wurde mit einer Ballet-Darbietung und dem Tanz von mehr als hundert Debütantenpaaren etwas unpünktlich um kurz nach 22 Uhr eröffnet. Danach hieß es im Opernhaus am Wiener Ring wie jedes Jahr: „Alles Walzer“.

Einer der ersten prominenten Besucher war der frühere Rennfahrer Niki Lauda, der gestand: „Ich bin das erste Mal seit 20 Jahren wieder am Opernball.“ Der Bauunternehmer Richard Lugner traf mit Zylinder und seinen Stargästen, der diesjährigen RTL-„Dschungelkönigin“ Brigitte Nielsen und dem James-Bond-Darsteller Roger Moore, ein. Die ganze Gruppe bezog zügig eine der teuersten Logen im Rang über dem Parkett.

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer brachte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon mit. Vertreten war auch das halbe österreichische Kabinett, die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, Ex-Tennisspieler Boris Becker, das frühere Model Helena Christensen, der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, die Schauspielerin Christiane Hörbiger und der Star-Geiger David Garrett.

Die amerikanische Schauspielerin Rosario Dawson meinte, sie freue sich extrem auf ihren Besuch des Opernballs. „Ich habe mir die Bilder auf der Homepage angesehen.“

Insgesamt bevölkern mehr als 5000 Gäste und 1500 Kellner, Köche, Musiker oder Helfer das riesige Opernhaus.

800 Flaschen Champagner

Der Ball ist schon seit Monaten restlos ausverkauft, und das, obwohl der Besuch für die etwas mehr als 5000 Gäste alles andere als ein Sparpaket ist: 250 Euro kostet alleine eine Eintrittskarte. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass man damit an einem der Tische – oder gar in einer Loge – Platz nehmen darf.

Das wird dann nämlich richtig teuer: Wird für einen Tischplatz bis zu 180 Euro zusätzlich berechnet, kostet eine Loge je nach Lage zwischen 9000 und 36.000 Euro, exklusive der Eintrittskarten versteht sich. Aber auch die Logen sind natürlich seit Monaten vergeben, der Opernball könnte jede Loge mehrfach verkaufen, so groß ist alljährlich der Ansturm.

Auch sonst wird nicht gespart: An die 800 Flaschen Champagner sind eingekühlt, der Stückpreis bewegt sich deutlich jenseits der 200-Euro-Marke. Auch ein Paar Würstel schlagen mit gut zehn Euro zu Buche.

Wer etwas auf sich hält, geht ohnehin nicht mit leerem Magen zum Ball. Die Wiener Nobelgastronomie bittet zum Dinner vor dem großen Ereignis: So wird im vornehmen „Korso“ am Ring ein Menü kredenzt, das Zweifel am allgemeinen Sparzwang aufkommen lässt: Es gibt Terrine vom Atlantik Hummer, serviert auf einem Carpaccio vom Oktopus, gefolgt von Pot au feu vom Stubenküken mit Gänseleber. Preis: deutlich dreistellig.

Bei so viel vor den Augen der Öffentlichkeit zur Schau getragenem Wohlstand stellt sich die Frage, ob der Opernball in Krisenzeiten wohl noch angemessen ist. Solche Gedanken weist Ball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh umgehend zurück: „Der Opernball bringt verdammt viel Geld. Die Wiener Wirtschaft setzt in der Ballsaison ungefähr 80 Millionen Euro um, es gibt Geschäfte, die ein halbes Jahr von den Einnahmen des Opernballs leben. Was bringt das, wenn man auf diese Einkünfte verzichten würde? Gerade in wirtschaftlich schlechteren Zeiten wäre das doch wenig sinnvoll“, sagte die Bankiersfrau in Interviews mit österreichischen Medien. Wohl nicht gänzlich uneigennützig: 1,1 Millionen Euro Reingewinn springen für die Staatsoper jedes Jahr heraus. Der Opernball ist in der Tat der einzige Abend, an dem die Staatsoper Gewinn einspielt.

Dass das gemeine Volk dem Prassen widerspruchslos zusieht – und sich im Gegenteil das Ereignis auch noch live im Fernsehen ansieht – die ORF-Übertragung ist eine der meistgesehenen Sendungen des Jahres – war nicht immer so. In den 1980er- und 1990er-Jahren gab es regelmäßig große Anti-Opernball-Demonstrationen.

Stets musste der Bereich rund um die Oper zur Sperrzone erklärt werden. Besucher des Balles wurden von „Eat the rich“-Demonstranten angefeindet und verjagt. Auch Luxus-Autos wurden dabei in Brand gesteckt und als Rammbock gegen die Polizei-Absperrungen verwendet. Doch das ist lange vorbei – wohl auch, weil sich der Ball nicht zuletzt dank aufgeregter Society-Skandälchen und immer mehr zweifelhafter Prominenz ein Stück weit selbst der Ernsthaftigkeit entzogen hat.

In dieser Saison hat sich die Protest-Szene überhaupt auf einen anderen Ball verlagert: Heftige Demonstrationen gab es schon gegen den Burschenschafter-Ball im Januar.

Unser Autor ist Redakteur der Wiener Zeitung.

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