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Herta Müller

Demokratie in Europa

Herta Müller sieht düstere Zukunft für  Demokratie in Europa

Ob in Tschechien, Polen, Ungarn oder Rumänien – überall würden schrittweise die europäischen Grundrechte erstickt, beklagte die Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin. 

Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller (65) sieht für die Demokratie in Europa eine düstere Zukunft. Ob in Tschechien, Polen, Ungarn oder Rumänien – überall würden schrittweise die europäischen Grundrechte erstickt, beklagte die Schriftstellerin („Atemschaukel“) in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Demokratisierung stehe still oder werde sogar ausgehebelt, die öffentlichen Medien würden kontrolliert, und die Korruption greife um sich.

„Ich glaube, niemand hat 1989 gedacht, dass in Osteuropa die Demokratie jemals wieder in Frage gestellt werden könnte“, sagte Müller. „Sondern im Gegenteil, dass es in dreißig Jahren total demokratisch sein wird.“ Stattdessen habe sich die alte Nomenklatura wieder etabliert, die Verhältnisse würden zurückgedreht. „Ja, man kriegt Angst. Wenn die Typen hart genug sind und die EU keine wirksamen Mittel hat, um das wirklich zu stoppen – sie spricht dann alle paar Monate irgendwelche Warnungen aus und ist besorgt, ja ... Aber denen, die dort regieren, ist es ziemlich egal, ob die EU besorgt ist“, erklärte die Schriftstellerin.

Überall in Europa gebe es Zeichen. In Österreich habe sich in der Affäre um die FPÖ gezeigt, „wie größenwahnsinnig und korruptionssüchtig die Nationalisten sind“. Wie in Osteuropa betrieben auch sie die Zerstörung der Demokratie. Müller beklagte eine Verrohung der Sprache. „Mit ihr verroht die Gesellschaft.“

Herta Müller, 1953 in Rumänien geboren, lebt seit 1987 in Berlin, nachdem sie aus dem totalitären Rumänien ausreisen konnte. 2009 wurde sie mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Kürzlich erschien von ihr der Collagenband „Im Heimweh ist ein blauer Saal“. (dpa) 

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