Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das Frankfurter Goethe-Haus zeigt Bernhard Heisigs Einlassungen zum "Faust".
+
Das Frankfurter Goethe-Haus zeigt Bernhard Heisigs Einlassungen zum "Faust".

Goethe-Haus Frankfurt

Heisigs gezeichnetes Theater

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
    schließen

Bernhard Heisig ist neben seiner Arbeit als Maler auch einer der großen Buch-Illustratoren des 20. Jahrhunderts. Das Frankfurter Goethe-Haus zeigt seine Einlassungen zum "Faust". Von Arno Widmann

Der 1925 geborene Bernhard Heisig ist neben seiner Arbeit als Maler auch einer der großen Buch-Illustratoren des 20. Jahrhunderts. Das Frankfurter Goethe-Museum hat kürzlich - unterstützt von der Hessischen Kulturstiftung und der Sparkassen-Kulturstiftung - Heisigs im Jahr 2002 in einer Faust-Ausgabe des Verlags Faber & Faber, Leipzig, erschienenen Illustrationszyklus von 50 Federzeichnungen erworben. Sie und eine Reihe von früher entstandenen Lithografien und Gemälden Heisigs werden derzeit in einer von Petra Maisak kuratierten Ausstellung im Frankfurter Goethe-Haus gezeigt.

Heisigs Arbeiten hängen links an der Wand. Rechts in den Vitrinen finden sich Faustillustrationen von Slevogt und Barlach bis Beckmann und Dalí. Diese Vergleichsmöglichkeit macht einen großen Reiz der Ausstellung aus. Der Betrachter kann fast mit Händen greifen, wie sehr Max Beckmann Bernhard Heisig beeindruckt hat und wie wenig Heisig sich dennoch hat von ihm beeinflussen lassen. Es ist immer wieder die Wirklichkeit selbst, die Heisig fasziniert. Die hier abgebildete Szene, in der Faust erklärt, er schließe gerne einen Pakt mit der Hölle und Mephisto antwortet: "Was man verspricht, das sollst du rein genießen", wirkt wie die Abbildung einer Theaterszene. Diese rotlippige Dämonie ist freilich auf der Bühne aus der Mode gekommen. Wir kennen sie inzwischen allenfalls aus Filmen, in denen das Theater zitiert wird. Heisig zitiert hier also eine ins Abseits geratene Ästhetik. Dem entspricht: Man ist versucht, im Faust den Künstler selbst zu entdecken und im Mephisto vielleicht jenen der berühmten bald abgesetzten Inszenierung von "Faust I" im Deutschen Theater im Jahre 1968. Das war das Jahr, in dem Heisig - nach allerhand Ärger - an der Leipziger Kunsthochschule kündigte.

Das sind Gedankenspiele. Heisigs Bilder laden dazu ein. Sie fordern geradezu dazu auf. Man hat diese Nutzung der Kunst in den vergangenen Jahrzehnten gerne verachtet. Die Aufklärung dagegen liebte es, vor den Werken zu stehen und über sie und die in ihnen verborgenen oder auch ausgestellten Anspielungen zu sprechen. Die Auseinandersetzung mit Kunst nicht als Privatsache, sondern als öffentliche Angelegenheit, ja als Medium, in dem Öffentlichkeit sich erst konstituiert.

Buchillustrationen haben damit wenig zu tun. Sie wenden sich wie die Bücher selbst an den einsamen Leser. Die Ausstellung im Goethe-Haus macht - indem sie Bilder neben die Illustrationen stellt - auch diese unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten von Kunst deutlich. Man tut gut daran, sich ein wenig Zeit zu nehmen. Die Federzeichnungen bleiben dem flüchtigen Blick verschlossen. Sie wollen aufmerksam betrachtet, ja vielleicht sogar ein klein wenig meditiert werden.

Bernhard Heisig hat den Faust immer wieder bearbeitet. Er hat ihn auch als Spiegel seiner eigenen Geschichte gelesen. Das sehr ernste, manchmal blutige Spiel von Anpassung und Gegenwehr, die Bereitschaft, den Pakt zu schließen und gleichzeitig nicht zu schließen, diese Existenz im Konjunktiv - das war Heisig zutiefst vertraut. Der Sozialismus, der keiner war, nannte sich "realer Sozialismus". Heisig war bis Dezember 1989 Mitglied der SED. Mal war er es enthusiastisch, mal zähneknirschend. Mal wurde er geehrt, mal verdammt. Aber er war ein Wiedergänger. Einer, der es verstand, alles hinter sich zu lassen und doch zurückzukommen.

Man sucht in den Bildern nach dieser Lebenserfahrung, die von dem 17-Jährigen reicht, der sich 1942 freiwillig zur Wehrmacht meldet, der Lenin- und Helmut- Schmidt-Porträts malte, bis zu dem alten Meister, der einen Neo Rauch von 1993 bis 1998 zum Assistenten hatte. Man entdeckt nur wenig davon in diesen Faust-Illustrationen und so wächst die Ahnung, dass in der Kunst wie im Leben am besten noch immer durch Zeigen versteckt wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare