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Deutsches TV im Ausland: Kaspar Capparoni (als Commissario Lorenzo Fabbri) und "Kommissar Rex" in Rom.

Deutsche TV-Serien im Ausland

Hauptsache, es knallt

Dass Zuschauer in aller Welt immer häufiger deutsche TV-Ware sehen wollen, ist ein neueres Phänomen. Das meiste ist leicht Konsumierbares der Kategorie "Kommissar Rex". Von Michael G. Meyer

Von Michael G. Meyer

Als in den Achtziger- und Neunzigerjahren die Krimiserie "Derrick" auf dem Höhepunkt ihres Erfolges war, sagte Hauptdarsteller Horst Tappert, dass er im Sommer kaum noch in Länder wie Italien oder Spanien fahren könne - dort würde er sofort auf der Straße erkannt, so verrückt waren die Südländer nach dem deutschen Kommissar, der so gar nichts mit halbseidenen italienischen Ermittlern gemein hatte.

Derrick laufe in vielen Ländern noch immer gut, sagt Alexander Coridaß, Geschäftsführer der ZDF-Tochterfirma Enterprises, die für Lizenzverkäufe zuständig ist. "Klassiker verkaufen sich immer, dazu gehören die großen Krimis des ZDF, etwa ,Der Alte‘, aber auch neuere Krimireihen, ,Soko Leipzig‘, ,Soko Köln‘ sind beliebt und daneben sind es große Dokumentarprogramme, wie ,Der Fall der Mauer‘, die immer wieder ihre Abnehmer finden."

Dass Zuschauer in aller Welt immer häufiger deutsche TV-Ware sehen wollen, ist ein neueres Phänomen. 100 Millionen Euro, so die Schätzung, werden durch Lizenzverkäufe von Serien, Fernsehfilmen und Dokumentationen im Jahr umgesetzt. Das meiste, was sich gut verkauft, ist leicht konsumierbare TV-Ware, ein gutes Beispiel hierfür ist "Kommissar Rex". Der Ermittler und sein Schäferhund haben es bis nach Australien geschafft, nach Südafrika, Island, Japan und Südamerika. In mehr als 110 Länder hat die Münchener Vertriebsfirma Beta Film die deutsch-österreichische Produktion verkauft. Derzeit läuft sie wieder im ZDF. "Kommissar Rex" gilt als erfolgreichste europäische Krimiserie aller Zeiten - nicht schlecht für eine recht einfach gestrickte Geschichte.

Aber was macht eine Serie international zum Erfolg? "Sie darf nicht zu deutsch anmuten", meint Irina Ignatiew, Leiterin des internationalen Vertriebs bei Telepool, einer Firma, an der unter anderem der Bayerische Rundfunk, der MDR und der SWR beteiligt sind. "Es ist eher die leichtere Kost, die gefragt ist, zum Beispiel die Serie ,Alarm für Cobra 11‘, die ist in 110 Länder verkauft, oder die Serie ,Berlin, Berlin‘ oder ,Türkisch für Anfänger‘ hat sich gut verkauft, in 75 oder 76 Länder. Die einkaufsstärksten Länder sind Frankreich, Italien, Spanien, Skandinavien, Benelux und Osteuropa. Wir machen auch viel in Asien und Lateinamerika - da laufen eher Action-Thriller".

"Alarm für Cobra 11" ist das Modell einer Serie, die überall laufen kann - mit einem einfachen Freund-Feind-Schema, rasantem Tempo und in jeder Folge mit mindestens einem Auto, das in die Luft geht. Eine solche Verbreitung kannte man bisher vor allem von amerikanischen Fernsehserien. Nicht erstaunlich, dass "Cobra 11" eine der ganz wenigen deutschen Serien ist, die es sogar ins US-Fernsehen geschafft hat.

Besser gleich auf Englisch

Grundsätzlich gilt: Serien und Filme, die bereits in Englisch gedreht sind, verkaufen sich einfacher, da sie bereits auf einen internationalen Markt zugeschnitten sind. Den Sat.1-Zweiteiler "Der geheimnisvolle Schatz von Troja", der auf Deutsch und Englisch gedreht wurde, verkaufte der Lizenzhändler SevenOne International in 20 Länder, der Katastrophen-Thriller "Tornado" ging sogar in 70, darunter China und Thailand.

Dennoch: Im Geschäft mit den Lizenzen ist der schnelle Euro nicht zu machen, sagt Alexander Coridaß vom ZDF: "Jeder Sender hat in diesem Markt klare Vorstellungen, insofern ist das Entscheidende, dass Sie sehr gute, sehr intensive Kenntnisse der Marktbedürfnisse haben, mit Ihren Kunden, Ihren Käufern über viele Jahr ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Das ist kein Laufgeschäft, in dem man sagt, pack mir mal zehn Krimis und fünf Dokumentationen ein."

Besonders schwierig gestalten sich oft die Verkäufe in den arabischen Raum - es darf in den Serien nicht ein Zentimeter nackte Haut zu sehen sein. "Die arabischen Sender produzieren aber immer mehr selbst, und kaufen daher immer weniger ein", sagt Irina Ignatiew von Telepool.

Dennoch wird deutsche Fernsehware im Ausland immer beliebter - sogar Soap Operas wie die ARD-Produktion "Rote Rosen" verkaufen sich gelegentlich. Wenn man in diesem Sommer im Urlaub also den Fernseher anstellt, sollte man sich nicht wundern, wenn man in altbekannte Gesichter blickt.

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