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Hauptpreis

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Von: Sylvia Staude

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Nein, früher war nicht alles besser.
Nein, früher war nicht alles besser. © Boris Zerwann/dpa

Das Feuilleton (m/w/d) bekommt elektronische Post und würde gern die knapp 1,5 Millionen Euro nehmen.

Hallo“, wird Feuilleton elektronisch angeschrieben, „Hallo Feuilleton, sehr schnell, ich muss los, aber ich wollte dir das so schnell wie möglich mitteilen.“ Es geht um mühelosen Gewichtsverlust und ultimative Gesundheit, doppelt schnell hält besser. Es genügt, auf einen Link zu klicken für den „flachen Bauch über Nacht“. „Es ist 100% echt“. Ein Feuilleton mit einem flachen Bauch? Über Nacht? Echt? Dazu nicht nur einigermaßen, sondern ultimativ gesund? Würden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, den Kulturteil da mit noch mehr Begeisterung lesen als ohnehin schon, oder uns schreiben: Steh zu deinem Körper, Feuilleton, steh zu den ausufernden, aber auch den ein bisschen krummen Texten, denn schließlich ist Body Positivity angesagt, und warum soll das nicht für Printprodukte gelten.

„Willkommen im Wettbewerb“, schreibt „der Kundendienst“. Und nur wer kleinlich ist, wird jetzt fragen: welcher Wettbewerb? Welcher Kundendienst? Denn dieser K. lässt Feuilleton den Hauptpreis zukommen („Glückwunsch feuilleton!“), obwohl Feuilleton nur Zweiter geworden ist. Da steht es, schwarz auf Bildschirm und muss also stimmen: „Hallo, Da wir im Wettbewerb den ursprünglichen Gewinner nicht finden konnten, haben wir uns entschieden, den Hauptpreis an den Zweitplatzierten zu vergeben. Das sind Sie!“ Ein anderer Kundendienst hat bereits „Diane Kruger (Dresden)“ und „Johnny Depp (Munich)“ ein Geschenk, nämlich ein Smartphone geschickt, da ist es nur logisch, dass jetzt F. Feuilleton (Frankfurt) dran ist. Können sich Johnny Depp und Diane Kruger nicht sowieso selbst eins kaufen, nämlich ein Smartphone?

Lolita bietet an, „rerezept-frei“ oder auch „r-zeptfrei“ bei ihr einzukaufen, sie weiß, dass wenn jemand dazu die passende Assoziation hat, dann ist es das umfassend gebildete Feuilleton. Das in diesem Fall auch über die etwas kühnen Schreibungen von „rezeptfrei“ hinwegsehen wird. Aber woraus schließt Lolita, dass Feuilleton „der staerkste Mann“ ist (nur eben in dieser einen Hinsicht nicht)? Hat sie uns mit flachem Bauch gesehen?

Apropos Rechtschreibung. Soll Feuilleton misstrauisch werden, bloß weil „eine Spende von 1.400.000. Euro“ etwas holperig, aber doch „Aufrichtig, Mit freundlichen Grüßen“ angeboten wird: „Abgaben In Bezug auf Ihre In-Profil-Ansicht, ich möchte mit Ihnen einen Spendenvorschlag besprechen...“. Fast anderthalb Millionen, da kann man sich rerere-zeptfrei manches leisten.

„Diese Person hat noch nicht geantwortet“: Feuilleton will einerseits nicht unhöflich sein, weist andererseits alle Wohlmeinenden mit mysteriöser Rechtschreibschwäche darauf hin, dass seine „Schiwerigkeiten“ sich nicht mit einer Pille lösen lassen.

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