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Hase & Huhn

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Von: Sylvia Staude

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Als ob sie die meiste Arbeit hätten ....
Als ob sie die meiste Arbeit hätten .... © © epd-bild / akg-images

Fragen Sie nicht, ob zuerst das Ei oder das Huhn da war. Fragen Sie, warum der Hase an Ostern die erste Geige spielt.

Frühlingshafte Fruchtbarkeit schön und gut, aber andere Tierarten sind auch fruchtbar – und hat deswegen schon jemand von der Osterwanderratte, dem Osterfrosch oder einer Ostermaus gehört? Um hier gar nicht zu vertiefen, dass der Hase allzu gern mit dem Kaninchen in einen Topf geworfen wird, was summa summarum noch mehr hoppelnden Nachwuchs bedeutet, aber doch auch geschummelt ist. Nach dem Motto: hüpft und hat Ohren, ist also ein (Oster)Hase. Sowieso fragt keiner das Kaninchen, ob es Angsthase genannt werden will.

Und was soll das Huhn sagen? Das hinter den Kulissen die Arbeit macht, oder jedenfalls den größten Teil der Arbeit, während Hase und Häsin ein bisschen rumpinseln, es aus Bequemlichkeit gern einfarbig machen und so tun, als sei jedes Ei mindestens ein Yves Klein oder, mit anheftendem Hühnerstallstroh, ein Anselm Kiefer. Das außerdem, würde man seinen Nachwuchs nicht hartkochen, es an Kinder-, Enkel- und Ururururenkelzahl mit einer Häsin ja wohl locker aufnehmen könnte. Das Huhn wüsste da auch ein paar leckere Rezepte: Hase nach Jägerart oder geschmortes Kaninchen etwa.

Es ist ein unfairer Wettbewerb, der irgendwann rein nach Äußerlichkeiten entschieden wurde und nach Kindchenschema – haben wir in der Schule gelernt. Weiches Schnuppernäschen statt scharfer Schnabel. Seidige Ohren, eine ordentliche Handvoll, statt ... äh, wo hat das Huhn nochmal so etwas wie Ohren? Wenn es wenigstens große glänzende Augen hätte wie ein ... Dackel. Dann hätte es noch eine Chance im Niedlichkeitswettbewerb. Aber so ein Huhn wirkt irgendwie verschlagen, als denke es dauernd nur darüber nach, aus welchem Loch es noch einen armen zappelnden Regenwurm zerren könnte. Der Osterhase dagegen: Löwenzahnblättchen, grün wie die reine vegetarische Unschuld.

Und zwar ist das Klischee vom Angsthasen in der Welt, als wäre es nicht klug wegzurennen, wenn man einfach besser ist im Rennen. Aber sagt jemand (ein Mensch) „du dummer Hase“ zum anderen? Wohl aber „du dummes Huhn“ zur anderen. Wir wissen freilich von keiner wissenschaftlichen Messung des Intelligenzquotienten beim Haushuhn; womit also hat dieses eine solche Diskriminierung verdient?

Wer hat je von einer Hühnchenschule gehört, in der Hühnchen und Hähnchen lernen könnten, wie sie arge Eierdiebe täuschen? Indem sie sich zum Beispiel auf dem Schwarzmarkt Gipseier besorgen. Oder wo sie lernen, wie man Regenwurmplantagen anlegt mit den saftigsten Sorten?

Nein, der Hase wird wohl an Ostern weiterhin die erste Geige spielen. Und keiner wird ihn fragen, woher er eigentlich die vielen Eier hat.

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