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Am besten alles auf einmal: Szene aus Dominik Grafs Krimiserie "Im Angesicht des Verbrechens".
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Am besten alles auf einmal: Szene aus Dominik Grafs Krimiserie "Im Angesicht des Verbrechens".

Trends im TV

Hart wie Eiszeit

Die Fernsehsaison 2009/2010 war für die meisten Sender so hart wie eine Eiszeit. Es wird den Sendern also nichts anderes übrig bleiben, als wieder mehr Fernsehen mit Profil zu machen. Von Klaudia Wick

Von Klaudia Wick

Der lange Winter mag für die Landwirtschaft eine verlorene Zeit sein. Für die Fernsehwirtschaft ist die dunkle Jahreszeit üblicherweise die Ertrag bringende Hauptsaison: Die Sonne geht früh unter, das Publikums schneller als im Sommer nach Hause - und fällt dort gleich auf die Fernsehcouch. Die meisten strategisch wichtigen Show- oder Serienstarts werden deshalb im Herbst und Winter gesät - pardon: gesendet - auf dass sie sich im Frühjahr im Zuschauerherz so fest verwurzelt haben und auch über einen Fußballsommer hinweg nicht in Vergessenheit geraten. Soweit die Theorie.

Die Praxis sieht in der Fernsehlandschaft freilich längst anders aus: Die Fernsehsaison 2009/2010 war für die meisten Sender so hart wie eine Eiszeit. Kaum ein hoffnungsvoll gestartetes Showformat fand sein Publikum. "Oliver Pocher" - wer war das noch einmal? Ulla Kock am Brink? Kommt die neue Show noch oder war sie schon? Ob Oliver Geißen, Jörg Pilawa oder Johannes B. Kerner - selbst große Fernsehnamen zogen weniger denn je.

Sogar frühere Quotenüberflieger wie "Bauer sucht Frau" oder die "Super Nanny" mussten im letzten Winter messbar Einbußen hinnehmen. Fast schien es so, als hätte das Publikum endgültig beschlossen, dass der schönste Knopf an der Fernbedienung doch der Aus-Schalter ist.

Die meisten Programmanbieter hatten sich wohl vor allem in der Annahme verschätzt, dass sich die Schauunlust der Zuschauer mit noch mehr Gewohnheitsfernsehen bekämpfen ließe: Das Gegenteil war in der letzten Saison der Fall: Es gab nämlich durchaus unerwartet große Erfolge: Und groß meint hier nicht nur die Einschaltquote, sondern auch das Ausmaß des Programms. Als im September 2009 der RBB und Arte und die Mammutdokumentation "24 Stunden Berlin" zeigten, mochte im Vorfeld niemand sagen, wen dieses Programm überhaupt in den Bann ziehen würde. Am Ende des Tages war die längste Dokumentation der deutschen Fernsehgeschichte für alle Beteiligten ein Riesenerfolg.

Auch die Aufgabe, die sich Stefan Raab selbst gestellt hatte, war nicht eben klein: Nach Jahren der Niederlagen wollte er endlich den European Song Contest wieder beleben. Während es zunächst so aussah, als hätte Dieter Bohlen mit der x-ten Folge von "Deutschland sucht den Superstar" in der Publikumsgunst die Nase vorn, rollten Raab und die ARD das Feld von hinten auf: Mit dem Überraschungssieg von Lena in Oslo holte Raab nicht nur das europäische Finale des Song Contest nach Deutschland, sondern auch der ARD die Unterhaltungskompetenz zurück.

Nun muss ja nicht immer gleich eine nationale Aufgabe im Spiel sein: Ein kleines, aber durchaus feines Quotenbeispiel ist der Doku-Samstagabend von Vox: Während viele andere Dokumentarsendeplätze immer kürzer oder später in die Nacht programmiert werden, macht die Produktionsfirma Spiegel TV mit mehrstündigen Dokumentationen zu wechselnden Themen ordentlich Quote. Früher hieß das bei Arte Themenabend - und wurde aufgrund des Quotendrucks systematisch in die Unkenntlichkeit kleinprogrammiert.

Wie es aussieht, giert der gemeine Zuschauer nicht mehr so ausschließlich nach Alltagsbegleitung, sondern sucht wieder mehr nach dem Außerordentlichen. Denn das Gemeinschaftsgefühl - im Zielgruppenfernsehen seit Jahren totgesagt - ist wieder wichtiger geworden in einer Mediengesellschaft, in der sich der individuelle Medien-Cocktail ohnehin im Internet viel besser zusammenmixen lässt.

Das trifft die Serienmacher derzeit am härtesten. Denn die Straßenfeger von heute kauft man bei Amazon: Viele Verkaufsschlager sind im Fernsehen weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit weggesendet worden: Qualitätsserien wie "Lost" oder "Heroes" haben ihren deutschen Lizenznehmern schon lange keine Freude mehr gemacht. Vorbei ist nämlich auch die Zeit, in der eine kenntnisreiche Ankaufpolitik Eindruck bei der jungen Zielgruppe macht. Die sucht und findet ihre Serien nun gleich selbst in der Originalfassung auf den einschlägigen Internetseiten.

Es wird den Sendern also nichts anderes übrig bleiben, als wieder mehr Fernsehen mit Profil zu machen: Unterscheidbare Formate, originelle Moderationspersönlichkeiten, besondere Fernsehereignisse. Auch quotenfernere Kunststücke wie die zehnteilige Serie "Im Angesicht des Verbrechens" von Dominik Graf gehören dazu. Vielleicht sollte die ARD ernstlich überlegen, die zehn Teile nicht an fünf oder zehn Abenden, sondern in einer langen Nacht auszustrahlen. Ganz nach dem alten neuen Prinzip: Die Zerstreuung liegt in der Konzentration.

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