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Theater

Ein Hamburger Heimatabend

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Thomas Ebermann, früherer GAL-Rabauke, inszeniert in Neukölln das Stück „Der Firmenhymnenhandel“.

Ach, das war schon schön, mal wieder Thomas Ebermann zu sehen. Und wie alt der geworden ist! Mensch, dieser Rabauke. Früher hat er die GAL, so hießen die Grünen in Hamburg, also die Grün-Alternative Liste – früher hat er die GAL herrlich aufgemischt. Dabei herrschten in der Partei noch gar nicht die Realos, aber der Thomas hat sie mit seiner ökosozialistischen Verve trotzdem Mores gelehrt. Obwohl: Erinnert sich noch jemand, dass es 1982 für die GAL unter dem Fraktionsvorsitzenden Ebermann darum ging, die SPD-Minderheitsregierung zu tolerieren? Na gut, das wurde zwar nix, und der Thomas wurde verhaftet, weil er ja noch unbedingt eine Polizeiwache besetzen musste. Aber: Er hat’s versucht. Ganz bestimmt.

Sein Dagegen-Sein hat nie ganz auf die Machtoption verzichtet. Wär’ ja schön blöd, würde er auf seine hanseatische, sehr trockene und beinahe humorige, stets anironisierte Art sagen. So wie jetzt auch wieder. Am Sonnabend. Im Neuköllner Heimathafen. Ja, die Haare schlohweiß, die Gestalt etwas hagerer, der Gang leicht gebückt, nicht mehr so federnd. Thomas Ebermann betrat die Bühne. Als Regisseur des Stücks „Der Firmenhymnenhandel“ hat er sich eine kleine Rolle spendiert: eine Art Hausmeister, ein Firmen-Faktotum, das im Hintergrund die Fäden zieht, in jedem Fall aber alles weiß, auch die dunklen Betriebsgeheimnisse, weshalb ihm nicht gekündigt werden kann. Er würde sonst plaudern und Skandal machen.

Hamburg in Neukölln

Der Inhalt des Stücks ist schnell erzählt. Die Junior-Chefin eines mittelständischen Betriebs, einer Glaswarenfabrik, möchte das Unternehmen modernisieren, und das heißt vor allem: die Mitarbeiter motivieren. Eine Firmenhymne soll das Wunder vollbringen, hat sie auch ihren Vater überzeugt. Also lässt man einen alerten Firmenhymnenhändler mitsamt seines depressiven, von der wahren, der großen Kunst träumenden Chefkomponisten kommen. Ihr Arbeitsauftrag ist klar: Die Musik hat die Identifikation mit der Firma zu erhöhen, auf dass sich die Menschen im Namen der Selbstverwirklichung besser ausbeuten lassen. Nennen wir dieses Setting mal eine Steilvorlage für allerlei Kapitalismuskritik.

Okay, wir machen’s kurz. Die ideologiekritische Einsicht des Abends lautet: „Je dreckiger es einem geht, desto größer ist der Wunsch, die Scheiße zu besingen.“ Kann man so sagen. Der Knaller sind aber die eingespielten Videos mit Firmenhymnen. Zu sehen und zu hören sind hier Hamburger Größen wie Dieter Glawischnig, Schorsch Kamerun, Harry Rowohlt oder Rocko Schamoni. Das versöhnt mit allem. Einen Hamburger jedenfalls, der sich in Neukölln doch noch über einen Heimatabend freuen durfte. Heute läuft das Stück noch mal.

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