1. Startseite
  2. Kultur

Heute in der ARD: Hamburg-Tatort „Schattenleben“: Bloß nicht Pinneberg!

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sylvia Staude

Kommentare

Julia (Franziska Weisz, l.) will der verzweifelten Ela (Elisabeth Hofmann) helfen? NDR/O-Young Kwon
Julia (Franziska Weisz, l.) will der verzweifelten Ela (Elisabeth Hofmann) helfen? NDR/O-Young Kwon © NDR/O-Young Kwon

Der heutige Hamburg-Tatort „Schattenleben“ erzählt von Bullen, Zecken und Träumen vom richtigen Leben.

Unübersichtlich sind die Geschehnisse heute im ARD-Tatort aus Hamburg. Ermittlerin Grosz tanzt nicht nur ab (auf einer „Soli-Party“), sondern auch im übertragenen Sinn aus der Polizeireihe. Kollege Falke schüttelt darob nach cooler Falke-Manier den Kopf, stützt aber ihre Legende. Aber wer, siehe Unübersichtlichkeit, aufpasst, als bei einem Auto ein Reifen zerstochen wird, ebenfalls aufpasst, als dieses Auto dann wieder erwähnt wird, für den fallen die Puzzlestücke am Ende an ihren Platz.

Und ist nicht das Leben per se unübersichtlich? Und trifft man nicht manchmal seltsame Entscheidungen? Außerdem kann Zuschauerin wie Zuschauer im Tatort diesmal den Begriff „Flint“ lernen, er steht für Solidarität unter: Frauen, Lesben, inter, nicht-binären und trans Personen – und tut also nicht so, als wären Hetero-Frauen keine immer noch diskriminierte Gruppe.

Hamburg-Tatort: Thorsten Falke und Franziska Weisz heute in der ARD

Die beste Freundin aus der Zeit der Ausbildung, Ela (Elisabeth Hofmann), meldet sich überraschend bei Julia Grosz (Franziska Weisz), gibt an, dringend Hilfe zu brauchen, verschwindet spurlos. Brandanschläge werden auf Privatautos von Polizisten verübt, „ACAB“ auf den Asphalt vorm Haus gesprüht.

Da gibt es den ersten „Personenschaden“ (auch bei der Bahn ein schreckliches Wort) – er trifft im Hamburg-Tatort die Frau des Polizisten Bastian Huber (Robert Höller). Sind das noch die bisher verdächtigten Linken (im Polizeisprech: „scheiß Zecken“), die doch eigentlich darauf achten, keine Menschen in Gefahr zu bringen bei ihren Anschlägen auf Dinge? Thorsten Falke, Wotan Wilke Möhring, denkt eher an Rache, denn alle betroffenen Beamten waren in unangemessen brutale Festnahmen verwickelt.

Hamburg-Tatort: Die Besetzung in der ARD

RolleDarsteller:in
Julia GroszFranziska Weisz
Thorsten FalkeWotan Wilke Möhring
HannaValerie Stoll
Felix WackerArash Marandi
CarlosJosé Barros
August FinkenbergerAnselm Ferdinand Bresgott
Andreas BergsonChristian Erdmann
Marie BergsonKatarina Gaub

Hamburg-Tatort heute: Mehr als nur Sozialkritik im Ersten

Kollegin Grosz taucht im Ersten indessen undercover ihrer früheren Freundin nach und in die Flint-Szene ein. Trifft in Elas WG die wutbefeuerte Nana, Gina Haller. Trifft die weit freundlichere, zu Gewaltlosigkeit mahnende Maike, Jana Julia Roth. Lässt sich zu sehr ein mit Nana, dem Vulkan. Steckt unschwesterliche Prügel ein von einer Gruppe Flints. Und findet Ela trotzdem nicht, befürchtet, wie sie sagt, das Schlimmste. Während sich die Zuschauerin längst fragt: nur eine Befürchtung, echt jetzt?

Lena Fakler, Buch, und Regisseurin Mia Spengler schaffen es nicht immer, plausibel zu sein, versuchen sich aber wenigstens nicht an umständlichen Erklärungen. An Allerlei dribbeln sie einfach unverkrampft vorbei, tippen hier das Thema Polizeigewalt an, dort das Thema Rassismus (kein Zufall, meint Kollege Okonjo, Jonathan Kwesi Aikins, dass er als einziger schwarzer Bundespolizist in 200 Kilometer Umkreis diesem Fall zugeteilt wird).

Heute im Ersten: Hamburg-Tatort aus „Pinneberg mit HSV-Flagge“

Die einen wollen die Gesellschaft gerechter machen, möchten alternativ leben und verachten den Typen mit dem „scheiß Haus in Pinneberg mit HSV-Flagge“ (die zornige Nana). Die anderen wollen im Haus in Pinneberg nur in Ruhe ihr Kind aufziehen. Wie stets im Hamburg-Tatort steckt auch in diesem mehr als nur eine Prise Sozialkritik, aber anders als im letzten, „Tyrannenmord“, mit seiner Sündteures-Internat-mit-verwöhnten-Jugendlichen-Geschichte, stößt die Zuschauerin hier nicht auf erhobene Zeigefinger – und muss Falke nicht aussprechen, was das Publikum mit eigenen Augen sehen kann oder ohnehin weiß.

„Tatort: Schattenleben“ , ARD, So., 20.15 Uhr.

Auch interessant

Kommentare