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Guttenberg und die Medien

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Titelbild der Wochenzeitung Die Zeit.
Titelbild der Wochenzeitung Die Zeit. © dpa

Wie Karl-Theodor zu Guttenberg versucht, sein ramponiertes Image zu polieren

Von Ulrike Simon

Die vorletzte Frage, die Giovanni di Lorenzo in dem Gesprächsband „Vorerst gescheitert“ an Karl-Theodor zu Guttenberg richtet, lautet: „Wie könnte es Ihnen gelingen, Glaubwürdigkeit und Seriosität zurückzugewinnen?“ Die Antwort liefert das Buch. Man erteile einem fernsehprominenten, als seriös und erfolgreich geltenden Journalisten einer überregionalen, auflagenstarken Qualitätszeitung ein sehr langes Interview und hofft, dass die Seriosität von Zeitung und Journalist auf einen abstrahle. Guttenberg sagt an einer Stelle: „Man kann schon dafür sorgen, dass man auf sich aufmerksam macht.“ Es ist ihm auch diesmal gelungen.

Nicht zuletzt unter Journalisten umstritten ist die Frage, inwieweit sich di Lorenzo dabei von Guttenberg hat missbrauchen lassen. Es mag ein Scoop sein, das erste Interview zu erhalten. Wäre es von einem Journalisten zu viel verlangt abzulehnen, um nicht Teil der Inszenierungsmaschinerie zu werden?

Di Lorenzo will sich nicht äußern. Auch nicht dazu, warum es gleich ein Buch werden musste, in dem sich Guttenberg nicht nur zu seiner Plagiats-Affäre, sondern zu allem und jedem äußert. Zwei Biografien gibt es über den gerade mal 39-Jährigen, „was vollkommen lächerlich ist“, spricht Guttenberg aufs Tonband für das nächste Buch mit ihm als Hauptperson. Er weiß: „Man muss immer überlegen, mit welcher Nachricht man in einer bestimmten Situation wen erreichen will. Ein Politiker sollte die Vielfalt der Medienlandschaft zu nutzen wissen.“ So muss er bei der Vorbereitung für das Gespräch mit dem Zeit-Chef gedacht haben, so sei das auch gewesen, sagt er, als er sich im Kampfanzug vor einem Eurofighter fotografieren ließ. Freilich nicht, um sich zur Geltung zu bringen, sondern um die „anziehende Seite der Bundeswehr“ zu zeigen.

Ohnehin geht es ihm angeblich nie um Eigennütziges. Als di Lorenzo ihn fragt: „Wie groß ist Ihr Ehrgeiz?“, antwortet er: „Ausgeprägt. Aber es geht dabei nicht um mich, sondern um diejenigen, denen zu dienen man berufen ist.“ Und über seinen fotografisch dokumentierten Besuch in der Bild-Redaktion am Ground Zero am 11. September 2011 sagt er, ihm sei wichtig gewesen, „ein Zeichen zu setzen, das auch in den USA entsprechend wahrgenommen wird“. Er fand wohl, es sei an ihm, dieses Zeichen zu setzen.

Gern hätte man mehr über Guttenbergs Beziehungen zu den Springer-Redaktionen erfahren, hatte doch nicht nur di Lorenzo in der Zeit die Meinung vertreten, wegen der Plagiate müsse Guttenberg nicht zurücktreten. Bild sah in Guttenberg den künftigen Kanzler, wähnte sich im Zentrum künftiger Macht. Das Blatt verteidigte den Minister bis zuletzt. Doch di Lorenzo will lediglich wissen, ob Guttenberg meine, „dass man in der deutschen Politik etwas werden kann, wenn man sich gegen die ,rote Gruppe’ stellt“, also gegen Bild und Bild am Sonntag. Guttenbergs Antwort: „Es ist grundsätzlich schwierig für einen Politiker, sich gegen ein Medium zu stellen, das kann relativ ungemütlich werden.“

Gern wüsste man auch, wer die „zwei, drei erfahrenen Journalisten“ waren, die den damaligen Verteidigungsminister berieten, ob er zum Weihnachtsbesuch deutscher Soldaten in Afghanistan seine Frau mitnehmen solle. Journalisten, die Politiker beraten? Guttenbergs Nähe ließ offensichtlich bei einigen den Verstand aussetzen.

„Ich hätte sicherlich auf das eine oder andere Interview verzichten können“, sagt Guttenberg an einer Stelle und fügt an: „Auf der anderen Seite war es mir immer wichtig, auch die unbequemen Themen, die mir am Herzen liegen, mitteilen zu können.“ In diesem Fall haben sich die Zeit und ihr Chefredakteur für Guttenbergs Herzensangelegenheit einspannen lassen – auf das Risiko hin, dass die Seriosität nicht auf Guttenberg abstrahlt, sondern Guttenbergs Unseriosität auf das Medium. Wie aus der Redaktion der Zeit zu hören ist, befürchtet mancher genau das.

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