+
Hängende Gärten: Turm in Chongqing, China.

Ausstellung „Grüne Häuser, tropische Gärten“

Grüner bauen

Die ifa-Galerie Berlin zeigt, dass sich Architekten mit ihren Bauten zunehmend konsequenter der ökologischen Verantwortung stellen.

Von Anne Lena Mösken

Baumwurzeln pressen sich durch Asphalt, Moos legt sich über stillgelegte Industriebauten – die Natur erobert sich die Städte zurück, wenn man sie denn lässt. Die Bedeutung, die die Natur für den Menschen hat, zählt zu den drängendsten Herausforderungen der Zukunft, und dazu zählt auch das Bewusstsein für die Frage: Wie lässt sich Raum für Natur im städtischen Kontext schaffen?

In der Ausstellung „Grüne Häuser, tropische Gärten“, die jetzt in der ifa-Galerie in Berlin zu sehen ist, werden die Antworten dreier Architekturbüros aus Malaysia und Indonesien zusammengetragen. Zu sehen sind Modelle und Baupläne bereits umgesetzter oder geplanter Projekte, die der Frage nach einem zukünftigen Einklang von Mensch und Natur in ihren Entwürfen ganz unterschiedlich nachgehen.

Da sind die futuristischen Bauten von Ken Yang: filigrane Wolkenkratzer, die durchzogen sind von vertikalen Gärten und Äckern, bewässert mit Regenwasser, ausgerichtet nach dem Sonnenverlauf. Es sind energiesparende Allround-Gebäude, in denen Menschen leben, arbeiten, einkaufen und gärtnern, Türme mit positiver Ökobilanz. In London etwa steht eines dieser bioklimatischen Hochhausensembles, die Elephant & Castle Eco Towers, in Neu Delhi wird derzeit eines gebaut, das Spire Edge.

Das zweite der vorgestellten Projekte, die Green School aus Bali, wiederum vermittelt das Wissen um Ressourcenknappheit und Umweltverschmutzung in einer 2008 gegründeten Schule an Kinder und Jugendliche, mittlerweile mit Zweigstellen auch in London, Stuttgart und Berlin, und entwickelt Baukonzepte, die gänzlich auf Naturmaterialien setzen.

Als drittes Projekt sind da die Arbeiten von Ng Seksan. Die ifa zeigt Bilder auf einer Videoleinwand, außerdem dessen Installation „Clouds“, für die er zusammengeknüllte Baupläne wie Wolkengebilde an die Wände und Decke der Galerie anbrachte. Ng Seksan, geboren in Kuala Lumpur ist Landschaftsarchitekt, als sein Vorbild nennt er die heutige Harvard-Professorin Martha Schwartz, die in der Achtzigern mit einer großen Portion gestalterischer Ironie und Witz zur postmodernen Pionierin des Metiers wurde.

In Ng Sekans Entwürfen verschmelzen Architektur und Natur, einerseits. Andererseits setzt er Projekte wie jenes um: Ein altes, chinesisches Kaffeehaus im heruntergekommenen Zentrum der Stadt Ipoh wurde zu einem Hotel, der Altbau blieb dabei nahezu komplett erhalten, die Wände roh, die Fenster knarzend, in das hölzerne Dachgestühl hängte Ng Seksan Schlafboxen aus Glas.

Er sorgte außerdem dafür, dass auch Gebäude aus der Umgebung mit nachhaltigen Projekten wiederbelebt wurden, mit einem lokalen Kunsthandwerkmarkt etwa, einer Kochschule für Jugendliche und einem Stadtbauernhof. Das Ziel: Sanierung zum Nutzen der bisherigen Bewohner, die Wiederherstellung einer intakten Infrastruktur.

Das Umfunktionieren alter Bausubstanz und vernachlässigter Areale zählt seit Jahren schon zu den zentralen Aufgabenfeldern, ob nun in den Städten Europas oder der amerikanischen Ostküste. Ein herausragendes Beispiel, das gut in den Zusammenhang der ifa-Ausstellung gepasst hätte, ist die New Yorker High Line, ein stillgelegtes U-Bahn-Hochgleis, das sich im Westen Manhattans durch den Meatpacking District und Chelsea zieht.

Die Architekten Elizabeth Diller und Ricardo Scofidio haben die Gleise begrünt – wobei sie dafür Pflanzenarten auswählten, die bereits zwischen den Bahntrassen als Unkraut wucherten – und mit einem Spazierweg versehen, der so wunderbar ungewöhnliche Ansichten auf die langen Straßenfluchten Manhattans bietet, dass die High Line längst zu einer Touristenattraktion geworden ist, die täglich tausende Menschen anzieht.

Altes nicht abzureißen, sondern kreativ neu zu denken, das Vintage-Konzept übersetzt in Architektur quasi, ist eine Herausforderung, die, wird sie angenommen, für eine wahre Nachhaltigkeit in den Städten sorgt. Die Technologien und das innovative Potential dafür, das zeigt die ifa-Schau, sind da.

ifa Galerie Berlin, bis 10. März, www.ifa.deKatalog: Ernst-Wasmuth-Verlag.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion