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Gründet Residenzen

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Eine Netzseite sammelt Angebote für Künstler.

Es ist ja nicht so, dass Künstler bessere Menschen wären. Und für die meisten Menschen ist Kunst oft gar nicht interessant. Aber dennoch macht es die Welt ein kleines bisschen besser, wenn jemand im eigenen Auftrag und nach eigenen Regeln eine Sache plötzlich ganz genau nimmt und ihre Gestaltung über die Grenze des Wahrscheinlichen hinaustreibt. Der Glaube an die eigene Schöpferkraft, die einem im Alltag doch spätestens mit der Einschulung einigermaßen abhanden kommt – im künstlerischen Handeln blinkt sie auf als das eine Federchen, das von der Existenz von Flügeln zeugt.

Nun bleibt Kunstschaffenden im Alltag oft wenig Zeit und Raum für die Freiheit, die sie eigentlich haben, und das ist der Moment, in dem Künstlerresidenzen ins Spiel kommen. Zahlreiche davon werden von deutschen Institutionen und Privatinitiativen auf der ganzen Welt unterhalten, teils für deutsche, teils für ausländische Bewerber, und neben dem Aspekt der Muße und des Austauschs ist in den letzten Jahren ist dabei auch der Schutz vor Verfolgung oder Krieg zunehmend wichtig geworden.

Um einen Überblick über alle Angebote und Schwerpunkte herzustellen und sich zu vernetzen, hat sich vor drei Jahren der Arbeitskreis deutscher internationaler Residenzprogramme gegründet, dem das Goethe Institut und die Kunststiftung NRW ebenso angehören wie Schloss Bröllin oder die Harun Farocki Stiftung. 20 Programme bisher, wobei der Laden offen ist: meldet euch! Zur besseren Sichtbarkeit und als Service für Künstler ist nun anlässlich eines Treffens etlicher Generalsekretäre, Direktoren und sonstiger Leiter im Berliner HAU2 eine Website hochgeladen worden: www.kuenstlerprogramme.de.

Auch das Auswärtige Amt war da, und zwar in Person von Andreas Görgen, der dort die Kulturabteilung leitet. Er wolle, sagte er zur Begrüßung, allen einfach „Danke“ sagen, und dass es enorm wichtig sei, gerade in Ländern, deren Regierungspolitik man nicht unterstütze, solche Fluchtorte aufrechtzuerhalten. Und dass er davor warne, Kunst als Gesellschaftskitt instrumentalisieren zu wollen. Kunst habe keinen Zweck. Aber wenn die Künstler dann in ihre Länder zurückkehrten, die deutschen nach Deutschland, die türkischen in die Türkei, dann hätten sie als Künstler eine Erfahrung gemacht, die ihnen als Bürger auch politische Bedeutung gäbe.

„Damit ist ja schon in der Begrüßung alles gesagt!“ rief die Dichterin Nora Gomringer, die als Leiterin des Künstlerhauses Villa Concordia in Bayreuth hier moderierte. Was stimmte. Nur vielleicht noch dies: Gründet weitere Künstlerresidenzen! Für alle.

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