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Nico Bellic in Grand Theft Auto IV.

Testbericht

Grand Theft Auto IV

"Daddy ist zurück, ihr Schlampen!" Mit diesen Worten beginnt der neue Videospielblockbuster Grand Theft Auto IV (GTA), der seit Dienstag in den Läden steht.

Von MAURICE FARROUH

Fast vier Jahre hat es gedauert, jetzt ist das Enfant Terrible der Spielebranche wieder da - und die Fangemeinde steht Kopf. Als am Sonntag die Sperrfrist für Testberichte auslief, brachen beim größten europäischen Online-Spielemagazin unter dem Ansturm der Leser die Server zusammen. Vor Geschäften, die am Dienstag schon um Punkt Mitternacht den Verkauf starteten, zogen sich die Schlangen der GTA-Enthusiasten um mehrere Blocks.

Worum es geht? GTA IV erzählt die Geschichte von Nico Bellic. Mit dem Schiff will der Serbe seiner alten Heimat entkommen, die hässliche Vergangenheit und die Schrecken des Bürgerkriegs für immer hinter sich lassen. Sein Ziel: Liberty City, die virtuelle Essenz von New York. Sein Cousin Roman lebt hier, und der hat ihm ein seinen Briefen immer wieder erzählt vom Luxus und vom süßen Leben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Doch als Nico im nächtlichen Hafen von Liberty City von Bord geht, trifft ihn die raue Wirklichkeit. All die Geschichten von Reichtum, schnellen Autos und schönen Frauen waren erfunden. Roman ist Taxifahrer, haust in einer verdreckten Absteige und hat auch noch bei den finstersten Gestalten Schulden. Schnell haben die Verbrecher auch Nico am Wickel - und der Traum vom schönen Leben rückt wieder in weite Ferne.

Der Kampf beginnt ganz unten

Wie in den Vorgängern handelt der neue Teil der GTA-Serie vom Kampf um gesellschaftlichen Aufstieg in einer frei erkundbaren Spielewelt - und in Liberty City beginnt dieser Kampf ganz unten. Dort geht es nicht immer nett zu.

GTA war schon immer eine Marke für Erwachsene. Schon immer für ihre grenzenlose Freiheit gelobt, so stand die Serie seither wegen ihrer Gewaltexzesse in der Kritik. Das wird sich auch mit GTA IV nicht ändern. Nach Nicos Ankunft dauert es nur wenige Stunden, bis er das erste Mal seine Fäuste benutzen muss; keinen Tag, bis er den ersten Mord begeht. Besser: Begehen muss.

Anders als seine Vorgänger zeigt GTA IV die inneren Konflikte hinter der Gewalt. Eigentlich wollte Nico, als er Serbien verließ, ein neues Leben anfangen und nie wieder Gewalt anwenden müssen. Doch als der albanische Kredithai mit dem Messer auf ihn losgeht, hat er keine Wahl. Mit einem Griff entwindet er ihm die Waffe. Kurz darauf liegt der Gangster in seinem eigenen Blut.

Randale, Chaos, Mord und Totschlag

Doch bei aller Tiefe der Figuren und ihrer moralischen Zwiespältigkeiten bleibt GTA eben GTA - und das bedeutet Bambule pur: Randale, Chaos, Mord und Totschlag sind der Stoff, aus dem der amerikanische Traum in Liberty City gestrickt wird. Autodiebstähle, Schießereien und wilde Verfolgungsjagden mit der Polizei sind Nicos täglich Brot.

Beinahe philosophisch wirkt da das Fazit aus einem der ersten Dialoge im Spiel: "Jeder macht mal Dummheiten. Das ist es, was uns menschlich macht." Und in GTA IV dürfen massig Dummheiten gemacht werden. Dazwischen geht es mit Kumpels in den Stripclub oder Billardsalon, manchmal möchte auch die Freundin ausgeführt werden. Was die sozialen Kontakte angeht, hat GTA IV offenbar Lehrstunden bei der Lebens-Simulation "Die Sims" genommen.

Noch etwas haben GTA und die Sims gemeinsam: Sie verschlingen ungeheuer viel Zeit. Um alle Viertel von Liberty City zu erkunden, braucht es gut und gern zwölf Stunden Spielzeit. Zum Durchspielen können Feierabendzocker locker 40 Stunden veranschlagen.

Fazit: Spielerisch überzeugt GTA IV auf ganzer Linie. Das Spielprinzip - ohnehin über jeden Zweifel erhaben - haben die Entwickler mit vielen kleinen Neuerungen wieder ein Stück weiter verfeinert. Es macht einfach Spaß, an einer Straßenecke zu stehen und das künstliche Leben an sich vorbeirauschen zu lassen, oder mit dem Auto einfach einmal ziellos in der Stadt herumzufahren.

Verbesserungen an der Steuerung und der mit Abstand beste Plot der Reihe tragen ebenfalls dazu bei, dass die Reise ins virtuelle New York zu einem vergnüglichen Unternehmen gelingt. Auch optisch präsentiert sich GTA IV durchaus reizvoll, auch wenn die Grafikpracht zugunsten der schieren Größe und Detailverliebtheit der Stadt zwangsläufig etwas zurückstecken musste. Die Reiseroute für den Zockersommer steht fest: Auf nach Liberty City!

Spieletests: www.fr-online.de/spiele

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