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Google hat zugegeben, die Inhalte von E-Mails nach kinderpornografischem Material zu durchsuchen.
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Google hat zugegeben, die Inhalte von E-Mails nach kinderpornografischem Material zu durchsuchen.

Kinderpornografie

Google fahndet nach Kinderpornografie

  • Jonas Rest
    VonJonas Rest
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Bei der Erkennung von Bildern sexuellen Missbrauchs setzt Google eine Technologie ein, die eine Art digitalen Fingerabdruck für jedes als kinderpornografisch identifizierte Bild erzeugt. Die Durchleuchtung von E-Mails ihrer Kunden ist in Deutschland offenbar illegal.

Google durchsucht die E-Mails der Kunden seines E-Mail-Dienstes Gmail systematisch auf kinderpornografische Inhalte und warnt Kinderschutzeinrichtungen, wenn der Konzern auf belastendes Material stößt. Dies wurde durch die Festnahme eines 41-jährigen Mannes in Houston am vergangenen Donnerstag bekannt.

Google hatte  entdeckt, dass der Mann an eine weitere Person kinderpornografisches Material gesendet hatte.  Der Hinweis des US-amerikanischen Internetkonzerns führte zu einer Hausdurchsuchung bei dem Mann, der bereits vor zwanzig Jahren wegen sexuellen Missbrauchs eines achtjährigen Jungen verurteilt worden war. Bei der Durchsuchung wurden dann US-amerikanischen Medienberichten zufolge weiteres kinderpornografisches Material gefunden, unter anderem auf dem Smartphone sowie dem  Tablet des Mannes. Wegen des Besitzes und der Weiterverbreitung von Kinderpornografie soll dieser inzwischen angeklagt worden sein.

Durch den Fall wurde erstmals bekannt, dass Google die E-Mails seiner 425 Millionen Kunden nicht nur automatisiert scannt, um Spam-Mails auszusortieren und den Nutzern an ihren Interessen orientierte  Anzeigen einzublenden, sondern auch, um die Verbreitung kinderpornografischen Materials zu verhindern. Google bestätigte dies am Dienstag.  Inhalte der Google-Dienste, zu denen neben der Google-Suche unter anderem auch der E-Mail-Dienst GMail, der  Chatdienst Hangouts und der Cloud-Speicherdienst Drive gehört, würden auf Bilder  sexuellen Mussbrauchs untersucht und jeder Missbrauch unmittelbar an das nicht-staatliche  US-amerikanische Zentrum für vermisste und missbrauchte Kinder (NCMEC) gemeldet, das als Schnittstelle zwischen US-Strafverfolgungsbehörden, Telekommunikationsanbietern und privaten Organisationen fungiert.  Die  Einrichtung, an die  an  wöchentlich zwischen 10.000 bis 15.000 Hinweise auf sexuellen Missbrauch von Kindern im Internet übermittelt werden,  leitet die Hinweise an die Strafverfolgungsbehörden weiter.  Ein entsprechender Hinweis der Organisation soll zu der Festnahme des Mannes in Houston geführt haben.

Wie häufig Hinweise des Internetkonzerns zu Verhaftungen führen, ist unklar. Doch Google erklärte, die an die Organisation übermittelten Erkenntnisse würden  „regelmäßig“ dazu verwendet, um Kriminelle zu überführen. Google ist nach US-amerikanischen Gesetzen zwar verpflichtet, Fälle von Kinderpornografie zu melden, wenn der Konzern solche Fälle entdeckt. Allerdings geht Google mit der  proaktiven,  systematischen Durchsuchung aller Inhalte auf Bilder sexuellen Missbrauchs über die gesetzlichen Anforderungen hinaus - und könnte damit in Deutschland gegen das Gesetz verstoßen.

Rechtslage in Deutschland unklar

Der auf das Internet spezialisierten Rechtsanwalt Udo Vetter nennt es etwa  „höchst fraglich“, ob Google nach deutschem Recht von sich aus Nutzer-Inhalte inhaltlich scannen darf.  Zwar lässt sich der Konzern von den Nutzern des E-Mail-Dienstes in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen bestätigen, dass sie sich mit der Durchsuchung ihrer Inhalte durch den Konzern einverstanden erklären.  Doch auch wenn dadurch die Durchsuchung der E-Mails zur Erzielung von Werbeeinnahmen rechtlich abgesichert sei, bleibe Vetter zufolge nach deutschem Recht alles untersagt, was darüber hinaus gehe und das Telekommunikationsgeheimnis aushöhle. Gezielte Schnüffelei in Nutzerinhalten, um mögliche strafbare Handlungen zu entdecken, sei von der Ermächtigung im Telekommunikationsgesetz eindeutig nicht gedeckt.

Zu der rechtlichen Situation in Deutschland äußerte sich Google am Dienstag nicht. Der  Internetkonzern betonte lediglich, dass der Dienst die digitale Rasterfahndung nur einsetze,  um Bilder sexuellen Missbrauchs von Kindern zu identifizieren. „Sie wird nicht eingesetzt, um E-Mail-Inhalte in Verbindung mit sonstigen kriminellen Aktivitäten zu identifizieren,“ erklärte ein Konzernsprecher. 

Bei der Erkennung von Bildern sexuellen Missbrauchs setzt Google eine Technologie ein, die eine Art digitalen Fingerabdruck für jedes als kinderpornografisch identifizierte Bild erzeugt. Dieser sogenannte Hash-Wert wird mit allen neuen Fotos verglichen, die Google auf Websites oder in Postfächern identifiziert.  Wird ein Bild wiedererkannt, wird es aus der Google-Suche entfernt. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass sich kinderpornografische Bilder im Internet verbreiten.   Google setzt diese Technologie bereits seit 2008 ein. Im vergangenen Jahr erklärte Google eine branchenübergreifende Datenbank schaffen zu wollen. Die Datenbank wird von dem  Zentrum für vermisste und missbrauchte Kinder verwaltet und auch von anderen Internetkonzernen genutzt.

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