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Nein. Ganz wird der Multimilliardär und Philanthrop Bill Gates die Verbindung zu "seinem" Konzern nicht herunterfahren. Er bleibt an einigen Projekten beteiligt.

Dienstschluss

Good-bye, Mr. Microsoft

Heute hat Bill Gates seinen letzten Arbeitstag bei Microsoft. Er zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück, um sich noch stärker wohltätig zu engagieren. Die FR blickt zurück auf eine beispiellose Karriere und gut 30 Jahre Computer-Geschichte.

1975 DER START

Seine erste Firma hatte Bill Gates schon mit 14 Jahren. Richtig los ging es aber im Jahr 1975, als Gates zusammen mit seinem Schulfreund Paul Allen ein Programm für den Computer Altair 8800 schrieb - und gut 180 000 Dollar dafür einstrich. Allen und Gates waren im Geschäft. Ein Jahr später lassen sie den Namen Microsoft registrieren und im Januar 1977 baut Gates dann in Albuquerque, New Mexico, die Firma auf, die die Welt verändern sollte. Er ist 21 Jahre alt.

1978 DIE ERSTE MILLIONDer Laden brummt: Microsoft macht eine Million Dollar Umsatz im Jahr. Gates arbeitet hart, genießt aber auch den frühen Reichtum. Er fährt Porsche, gerne auch mal zu schnell. Dafür landete er 1977 gleich mehrmals in Haft.

1980 DER IBM-DEAL

Eines der wichtigsten Jahre in der Geschichte der Computerindustrie: Gates wird vom EDV-Konzern IBM beauftragt, ein Betriebssystem für Personalcomputer (PC) zu entwickeln. Gates kauft für 50 000 Dollar ein Programm namens QDOS, das er verbessert in Lizenz an IBM gibt. 1981 werden die ersten Rechner mit MS-DOS ausgeliefert, bereits ein Jahr später hat Gates 50 weitere Lizenzen an andere Hersteller losgeschlagen. MS-DOS wird der neue Standard, eine Gelddruckmaschine

1983 DIE FENSTER

Heute unvorstellbar: Bei MS-DOS musste jedes Programm mit Textbefehlen geladen werden. Mühsam, kompliziert, unattraktiv. Gates bringt Windows heraus, damals noch kein eigenständiges Betriebssystem, sondern nur eine graphische Benutzeroberfläche. 1985 liegt der Jahresumsatz des Konzerns bei 140 Millionen Dollar. Tendenz stark steigend.

1989 DAS BÜRO

Mit MS-DOS und Windows hatte Gates schon zwei Standards gesetzt. Mit Microsoft Office setzte er - zunächst übrigens für den Apple Macintosh - den nächsten. Und zwar im Segment der Anwendungsprogramme für das Büro. Word, Excel oder Powerpoint sind aus dem Arbeitsalltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Nach Angaben von Microsoft benutzen heute 500 Millionen Menschen Office.

1994 DER DA VINCI CODEX

Von 1993 bis 2007 war Bill Gates laut dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes der reichste Mann der Welt. Legte er in früheren Jahren sein Geld in Sportwagen an, erwarb er 1994 für 30,8 Millionen Dollar eine 72seitige Schriftensammlung von Leonardo da Vinci. Gates soll ein echter Fan des gedruckten Wortes sein. Heute beträgt sein Vermögen geschätzt alles in allem 58 Milliarden Dollar. Damit liegt Gates nur noch auf Platz drei. Erster ist sein Freund Warren Buffet.

1995 DAS INTERNET

Gates hat die Bedeutung des Internet erkannt. Endlich, denn Pioniere waren andere Firmen wie etwa Netscape mit der Surf-Software Navigator. Microsoft entfacht den "Browser-Krieg", um aufzuholen. Im August des Jahres folgt ein entscheidender Schritt. Gates bringt Windows 95 auf den Markt - mit einem eingebauten Browser, dem Internet Explorer.

1997 DER ANTITRUST-PROZESS

Das US-Justizministerium zieht gegen Microsoft vor Gericht. Die Wettbewerbshüter wollen die Kopplung von Windows mit dem Internet Explorer untersagen lassen. In den folgenden Jahren werden sich weitere Gerichte mit der Frage beschäftigten, ob der Software-Riese sein Beinahe-Monopol bei Betriebssystemen missbraucht.

2000 DER ABSCHIED

Gates Abschied auf Raten beginnt. Er übergibt den Posten des Topmanagers im Januar an seinen Freund Steve Ballmer und konzentriert sich nach den Rechtsstreitigkeiten wieder auf Programme. Er zieht sich auf die Rolle des Chef-Software-Architekten zurück.

2001 DIE STRAFEN

In den USA verwirft das Berufungsgericht die zuvor von einem Richter angeordnete Aufteilung von Microsoft. Dem Konzern werden aber Auflagen gemacht. Im Jahr 2004 verhängt dann Brüssel das erste Bußgeld gegen den Software-Giganten. Alles in allem summieren sich die Strafen, die die Europäische Kommission ihm aufgebrummt hat, bis heute auf rund 1,7 Milliarden Euro.

2006 DER RÜCKZUG

Der Konzern gibt bekannt, dass Gates sich am 1. Juli 2008 aus der Tagesarbeit zurückziehen wird.

2007 DIE NÄCHSTE GENERATION

Windows Vista und Office 2007 werden veröffentlicht. Vista war schon 2001 angekündigt worden - dann reihte sich eine Verspätung an die nächste. Während Microsoft mit dem Vista-Absatz zufrieden ist, gehen Fachleute davon aus, dass der Erfolg eher mäßig sein dürfte. Aktuell kämpft Microsoft darum, im Web voranzukommen - insbesondere in der lukrativen Online-Suche und -Werbung, bei der Google den Ton angibt.

2008 Der Tag X

Gates letzter Arbeitstag. Er bleibt aber Vorsitzender des Verwaltungsrats und wird an ausgewählten Projekten beteiligt sein. Gates will sich nun vorwiegend als Wohltäter engagieren - in erster Linie in der Bill & Melinda Gates Foundation. Die Stiftung mit einem Vermögen von gut 37 Milliarden Dollar kämpft seit Jahren gegen Krankheiten und setzt sich für Entwicklungshilfe und die Förderung der Bildung ein. fbr/sch

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